Freibad-Aus in Hiesfeld: In der Höhle der Löwen

Freibad-Aus in Hiesfeld: In der Höhle der Löwen

Ein Termin der unangenehmeren Art stand am Montagabend für Bürgermeister Michael Heidinger und Stadtwerke-Chef Josef Kremer auf dem Programm. Auf Einladung des Freibadvereins stellten sie sich den wegen des Freibad-Aus wütenden und enttäuschten Hiesfeldern.

Es gibt mit Sicherheit schönere Dinge für ein Stadtoberhaupt als einen solchen Termin. Michael Heidinger wusste, was ihn da im Hiesfelder Gemeindehaus an der Dorfstraße erwarten wird: Unverständnis, Enttäuschung, und ja: auch geballte Wut. Aber, eines vorweg: Es blieb friedlich. Im Ton vergriff sich nahezu keiner. Und wenn auch der ein oder andere ziemlich krude Vorwurf (Stichworte: „Millionärsvillen auf dem Freibadgelände“; „hydraulische Stempel zum Ausgleichs des gesamten Beckens“) dabei war; Michael Heidinger ließ sich nicht provozieren und blieb bei den nicht verrückbaren Tatsachen. Und die sehen, ob das den verständlicherweise enttäuschten Hiesfeldern gefällt oder nicht, nun mal so aus: Das Freibad Hiesfeld kann nicht gebaut werden, weil a.) der Grund, auf dem neu gebaut werden soll, mit seinen humosen, torfigen und instabilen Böden plus dem hohen Grundwasserspiegel alles andere als ideal für einen Freibad-Standort ist, und b.) die Hygienevorschriften sich so sehr verschärft haben, dass schon ein Zwei-Millimeter-Schiefstand des Beckens dazu führen würde, dass die Hygiene-Parameter nicht mehr erfüllt sind. Dann, so Heidinger, träte der Fachdienst Gesundheit des Kreises Wesel auf den Plan. „Und der würde dafür sorgen, dass das Becken sofort dicht gemacht wird.“ Da das neue Freibad im Bergbaugebiet entstünde und der Boden nun mal so ist, wie er ist, könnten diese zwei Millimeter Schiefstand durch Setzungen schnell und jederzeit eintreten. Und genau aus diesem Grund gibt es für das Bauprojekt keine Architektenhaftung. „Und“, so Heidinger, „ich möchte denjenigen sehen, der das Risiko eingeht, ein 7,7 Millionen Projekt, das sich nicht auf 30 Jahre abschreiben lässt, ohne Architektenhaftung durchzudrücken.“

Und genau das ist der Punkt. Auch wenn aus den Zuschauerreihen mehrfach der Vorschlag kam, sich andere Architekten an Bord zu holen. Auch die werden sich angesichts der vorliegenden Verhältnisse wohl nicht für ein derart wackeliges Projekt in Haftung nehmen lassen. Und Dinslaken ist nicht in der Lage, auf Verdacht ein 7,7 Millionen-Euro-Wagnis einzugehen. Die möglichen Folgen skizziert Josef Kremer: „Wir müssten das Risiko alleine tragen. Eine frühzeitige Schließung des Bades würde dazu führen, dass wir auf den Kosten sitzen bleiben und wir damit nur noch geringere Gewinne an die Stadt ausschütten können.“ Ohne die Ausschüttungen der Stadtwerke würde Dinslaken aber unweigerlich in die Haushaltssicherung rutschen, machte Heidinger noch mal klar.

Daraus fehlenden Mut, Willen oder Know-How „der feinen Herren und Damen da oben auf der Bühne“ abzuleiten, verkennt die Realität und ist schlichtweg ignorant. Sich davon wie die Vertreterin des Architekturbüros Krieger jedoch provozieren und aus der Reserve locken zu lassen, war auch keine gute Idee. Und so verschärfte sich die Stimmung zwischen Publikum und den Verantwortlichen auf der Bühne für eine kurze Phase. Da halfen auch die plakativen Einwürfe des Freibadvereins-Vorsitzenden Thomas Giezek nicht wirklich, der eher auf Krawall und Anstachelung denn auf Aussprache gebürstet schien.

Etwas gewiefter als die Architektin im Umgang mit wütender Öffentlichkeit zeigte sich der Bürgermeister. Und der lief natürlich auch nicht in die Falle, als es um einen möglichen Ersatz-Standort für das Freibad ging. „Wir sehen uns in der Pflicht, den Ausfall an Schwimmfläche aufzufangen. Wie das aufzufangen ist, werden wir in Ruhe entscheiden. Ich werde da heute und hier ganz sicherlich nichts Unausgegorenes zu sagen.“

Ziemlich unausgegoren war hingegen der Vorschlag von Dietrich Hülsemann, Präsident des TV Jahn Hiesfeld, das Freibad ins TV Jahn-Stadion zu verlegen und auf dem Freibadgelände ein neues Stadion zu bauen. „Einen Rasen in bis zur Oberkante stehendes Grundwasser zu bauen, macht wohl keinen Sinn. Mal von den ganzen notwendigen Genehmigungen, die am Freibadstandort notwendig wären, abgesehen. Von den städtischen Fachleuten gab es für diesen Vorschlag jedenfalls nur kollektives Kopfschütteln“, machte Heidinger deutlich.

(Niederrhein Verlag GmbH)
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