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Bosnienhilfe: Heribert Hölz zum 87. Mal vor Ort
Wie kann man ohne Geld leben?

Bosnienhilfe: Heribert Hölz zum 87. Mal vor Ort: Wie kann man ohne Geld leben?
Im September traf das Ehepaar Hölz (links im Bild Ursula Hölz) eine sechsköpfige Familie, die in einer Hütte am Waldesrand wohnt und versucht, sich durch den Verkauf von gesammelten Pilzen über Wasser zu halten. FOTO: privat
Niederrhein. Heribert Hölz ist von seiner 87. Bosnienreise zurückgekehrt. Sein Fazit ist erschütternd: Es geht den Leuten dort immer schlechter. Von Claudia Basener

Warum schafft es dieses Land nicht, auf eigenen Beinen zu stehen? "Es läuft zu viel verkehrt", erklärt Heribert Hölz, der Bosnien unter den "Top 20 der korruptesten Länder der Welt" wähnt: "Volle Taschen werden immer voller gemacht und die Menschen bleiben auf der Strecke". Es gebe keine lückenlose Grundsicherung, viele Familien müssten ganz ohne Einkommen leben. "Das Land werde ich nicht ändern", weiß Heribert Hölz, "doch ich kann einigen wenigen helfen, mit ihrem schweren Los fertig zu werden."

In den letzten 25 Jahren hat der Neukirchen-Vluyner über die Bosnienhilfe der Caritas Duisburg viele Projekte ins Rollen gebracht: Familienpatenschaften, Suppenküche, Alten- und Pflegehilfe und und und. Mehrmals im Jahr ist er vor Ort und schaut, dass Spendengelder dort ankommen, wo sie hin sollen. Den Leuten in ihrer Heimat zu helfen, damit sie gar nicht erst flüchten müssten, sei sowieso das Wichtigste. Das wisse er nicht erst seit 2015.

Und wenn Heribert Hölz dann von Familien erzählt, die im Wald Pilze sammeln, um von deren Verkauf sechs Leute durchzubringen, fragt man sich unweigerlich: Wie kann man ohne Geld leben?

Hölz kann das selbst nicht wirklich beantworten, aber er kann helfen. Und bemüht sich, dass Bosnien nicht in Vergessenheit gerät, denn nur durch Spendengelder kann es weitergehen. Doch die Hilferufe nehmen Überhand, Ehefrau Ursula Hölz hat sich gar entschieden, wieder die beliebte selbst gemachte Marmelade zu verkaufen, weil sie "die Situation in Bosnien als so schlimm empfindet". 1.100 Gläser hat sie seit dem Sommer produziert. Das ist Knochenarbeit und für die 76-Jährige auch nicht mehr so leicht zu bewerkstelligen wie früher.

Heribert Hölz selbst ist am 9. Oktober 75 Jahre alt geworden und fühlt sich noch "relativ fit". Hat er nicht mal das Bedürfnis, kürzer zu treten? "Mich lässt das Schicksal von Menschen nicht ruhen, ich muss einfach helfen solange ich noch kann", sagt Hölz und fügt hinzu: "Wenn ich aufhöre, ist die Bosnienhilfe doch tot."