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Stell dir vor, du bist tot - was ziehst du an?

Stell dir vor, du bist tot - was ziehst du an?
Cristel Maas-Bessard (stellv. Vorsitzende des Fördervereins), Beate Bergmann (Leiterin des Hospizes), Ralf H. Nennhaus (Geschäftsführer St. Josef Krankenhaus, Ulrike Wellner (Vorsitzende des Fördervereins) und Monika Jaklic (2. Vorsitzende Kunstverein Peschkenhaus Moers). FOTO: König
Niederrhein. Seit 20 Jahren begleitet das Hospiz Haus Sonnenschein, in der Trägerschaft der St. Josef Pflege GmbH, schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige auf dem letzten Weg. Von Anja König

Am 1. Juli 1998 öffnete das Haus als erstes und bisher einziges Hospiz im Kreis Wesel seine Pforten. "Damals hatten viele Menschen noch Vorbehalte. Die Vorstellung von einem Hospiz war negativ besetzt, die Anwohner stellten sich einen dunklen Ort vor. Viele sprachen vom 'Siechenhaus'", erinnert sich Leiterin Beate Bergmann. "Mittlerweile sind wir aber angekommen und die Rheinberger mögen das Hospiz."

Das rote Backsteinhaus im Garten des Geländes des St. Nikolaus Krankenhauses bietet Platz für acht Menschen. Insgesamt wurden 1.700 Menschen in den vergangenen 20 Jahren im Haus Sonnenschein begleitet. "Durchschnittlich bleiben die Menschen 31 Tage bei uns", so Bergmann. "Die Leute kommen vom ganzen Niederrhein zu uns und manchmal auch aus ganz anderen Regionen." So kam kürzlich ein Mann aus Berlin ins Haus Sonnenschein. "Er hatte in seiner Jugend am Niederrhein gelebt und wollte am Ende wieder zurück nach Hause."

St. Josef-Geschäftsführer Ralf H. Nennhaus möchte das Jubiläum auch nutzen, um die Arbeit der 15 examinierten MitarbeiterInnen und die gleiche Anzahl an ehrenamtlichen MitarbeiterInnen hervorzuheben. "Die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich im Haus Sonnenschein jeden Tag um die Menschen kümmern, machen einen ganz großartigen Job. Und das mit dem Wissen, dass sie ihre Patienten immer verlieren. Das ist nicht nur mental eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Daher sollte man ein Jubiläum auch immer nutzen um Danke zu sagen." Dank gebührt auch dem Förderverein Hospiz Haus Sonnenschein. Dieser unterstützt die Arbeit des Hospiz seit 1998 mit Ideen, mit Mitgliedsbeiträgen und mit den Spenden, die der Verein versammelt. Diese Unterstützung ist auch nötig, denn es ist gesetzlich festgelegt, dass das Hospiz fünf Prozent sämtlicher Kosten selbst tragen muss. "Das sind rund 35.000 Euro, die wir mit Spenden und ähnliche Zuwendungen decken", erläutert Nennhaus.

Natürlich soll der 20. Geburtstag auch gefeiert werden. Dazu haben die Beteiligten in Kooperation mit dem Kunstverein Peschkenhaus Moers ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. So gibt es vom 10 März bis 2. April die Ausstellung "Im letzten Hemd" im Peschkenhaus zu sehen. Der Fotograf Thomas Balzer fragte dazu 50 Menschen jeden Alters, aus allen Schichten und Lebenswelten: "Stell dir vor, Du bist tot - was ziehst du an?" und porträtierte diese, in ihrem ausgewählten "letzten Hemd". Das Fotokunstprojekt wurde initiiert vom Bestattungshaus Pütz-Roth in Bergisch-Gladbach. 25 dieser Porträts werden im Peschkenhaus ausgestellt. Am 13. März referiert Monika Müller, ehemalige Leiterin von Alpha Rheinland, der Ansprechstelle in NRW zur Palliativversorgung und Hospizarbeit, zum Thema "Das Märchen von der Trauerverarbeitung - ein Vortrag mit Maskenimpuls". Am 16. März gibt es eine musikalische Lesung mit Texten von Mascha Kaléko. Franz Müntefering, ehemaliger Vizekanzeler und SPD-Vorsitzender spricht am 20. März über das Älterwerden und das Sterben. Am 23. März sorgt "Der Herrensalon" mit Evergreens, Schlager, Pop-, Rockmusik und Gassenhauer für Unterhaltung. Zum Abschluss gibt es am 2. April Kabarett mit Stefan Verhasselt. Alle Veranstaltungen finden im Peschkenhaus statt. "Wir haben bewusst ein so breitgestreutes Programm ausgewählt", erläutert Ulrike Wellner, Vorsitzende des Fördervereins. "Da ist für jeden was dabei. Außerdem wollen wir so dem ganzen Thema auch etwas von der Schwere nehmen."

Das ausführlichen Festprogramm und weitere Informationen gibt es online unter www.foerderverein-hospiz-rheinberg.de.

(Niederrhein Verlag GmbH)