Reisen und Wohnen im Auto – Ein Trend auf dem Vormarsch

Reisen und Wohnen im Auto – Ein Trend auf dem Vormarsch
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Eine Zeit lang schienen sie aus der Mode gekommen zu sein: Die Reisen im Wohnmobil oder einem Camper Van. Heute allerdings sind Reisen im Auto wieder absolut im Trend. Und mehr noch: Immer mehr Menschen entschließen sich sogar dazu, auf Vieles zu verzichten und ein Leben als Minimalisten zu führen – nicht wenige von ihnen geben dafür ihren festen Wohnsitz auf, bauen einen Transporter oder Camper oder eben ein Wohnmobil um und aus und ziehen fest dort ein. Aber wie kommt es zu einem solchen Trend und welche Formen und Ausmaße nimmt er an?

Reisen im Auto: Warum Autoreisen so beliebt sind

Statt mit dem Flieger in ein weitentferntes Land zu fliegen, sich dort mit dem Shuttle ans Hotel kutschieren zu lassen und dann zwei Wochen am Hotelpool zu verbringen, entscheiden sich immer mehr Menschen dazu, ein wenig mehr Abenteuer und Abwechslung in ihre Reisen zu bringen und sich im Auto auf den Weg zu machen. Während Autoreisen eine Zeit lang fast wie ausgestorben schienen, erleben sie derzeit eine wahre Renaissance. Doch woran liegt das?

Zum einen wird das Reisen, vor allem mit dem Flugzeug, diversen Studien zufolge immer teurer. Im Juli 2018 waren Mittelstreckenflüge laut des Verbraucherportal Mydealz mehr als 45% teurer, als im Herbst des Vorjahres. Erklären lässt sich dies unter anderem damit, dass einige Fluggesellschaften nach einer jahrelangen Talfahrt der Ticketpreise ihre Durchschnittserlöse langsam wieder zu erhöhen versuchen. Unter anderem aus dieser Entwicklung resultiert die Entscheidung vieler Menschen – wie eine weitere Studie zeigt – vor allem die von Familien und Paaren, ihre Reise selbst in die Hand zu nehmen und mit dem Wohnmobil zu verreisen. Zwar sind das Mieten eines Wohnmobils und der Sprit oftmals auch nicht gerade günstig, die Ersparnisse bei der Verpflegung und Unterkunft allerdings rechnen sich.

Zum anderen entschließen sich vor allem junge Menschen auch immer häufiger dazu, mit dem Auto durch verschiedene Länder zu reisen und diese zu erkunden, weil das "On the road"-Sein und spontane Reisen ohne große Planung an sich zu einem Trend geworden ist. Soziale Netzwerke, wie Facebook und Instagram, auf denen Nutzer ihre Reisestorys und Bilder ihrer Abenteuer teilen und stolz von Nächten im Camper-Van mit geöffneter Heckklappe oder gar unter freiem Sternenhimmel berichten, befeuern diesen Trend natürlich stetig. Es ist nicht abzusehen, dass die All-Inclusive-Reise diesen Trend in den kommenden Jahren wieder ablösen wird. Im Gegenteil – die Autoreise wird vermutlich weiter an Popularität gewinnen.

Die größten Vorteile beim Reisen mit dem Auto

Man muss zugeben: Das Reisen im Auto bringt schon auch einige echte Vorteile mit sich. So ist man vor allem viel flexibler, was den Verlauf des Urlaubs angeht. Zwar haben beispielsweise Backpacker, die sich einfach nur mit Rucksack zu Fuß auf den Weg ins Abenteuer machen, ebenfalls die Möglichkeit, spontan zu entscheiden, was sie als nächstes unternehmen möchten. Sie können aber nicht einfach mal an einen mehrere Kilometer entfernten Strand fahren oder abends zu einem Restaurant auf einem höheren Berg. Denn davor muss jedes Mal Stunden lang zu Fuß gegangen werden. Und wer Hotel- oder Ferienhausurlaub macht, muss, wenn er nicht das eigene Auto dabeihat, einen Mietwagen leihen, der in der Regel nicht gerade günstig ist – vor allem, wenn es ein langer Urlaub werden soll.

Wer mit dem Auto unterwegs ist entdeckt außerdem auch mehr, als andere. Denn Backpacker oder typische Pauschalreisende halten sich aus diversen Gründen vor allem an Reiseführer. Mit dem eigenen Auto kann aber auch spontan mal eine kleinere Route genommen werden, einfach um zu schauen, was es dabei zu sehen gibt. Der Zeitverlust ist nicht so groß, wie zu Fuß oder mit einem öffentlichen Bus; im Notfall wird einfach wieder umgedreht.

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Darüber hinaus nehmen Leute, die das Auto vor allem dem Flugzeug vorziehen, viel mehr von ihrer Umgebung mit. Wer einfach an ein Ziel fliegt und dort die ganze Zeit verbringt, manchmal vielleicht mit dem Bus in eine andere Stadt fährt, nur um dann wieder zum Hotel zurückzukommen, macht bei Weitem nicht so tolle Erfahrungen, wie derjenige, der ab und an mit dem Auto anhält, um eine schöne Aussicht zu genießen oder bei einem netten Café am Wegesrand auf ein kühles Getränk oder einen Snack einzukehren.

Darüber, wie eine typische, mehrmonatige Reise mit dem Wohnmobil ablaufen kann, haben wir in einer älteren Artikelserie schon einmal berichtet. Die Duisburger Familie Papenroth reiste vier Monate mit ihrem Iveco Daily Allrad durch Südamerika und hatte dabei eine unvergessliche Zeit.

Wohnen im Auto: Der Minimalismus-Trend

Sicherlich wohnen die meisten Menschen noch immer am liebsten in Wohnungen und Häusern. Dennoch scheint beispielsweise bei vielen Amerikanern der Generation der "Millenials" 4 Einige von ihnen haben gar ihre Wohnung oder ihr Haus aufgegeben und sind in ihr Auto gezogen. Auch hierzulande sind ausgebaute Camper-Vans oder Transporter sowie große und umgebaute Wohnmobile, die zu neuen "Tiny Homes" transformiert werden, keine Seltenheit mehr. Hintergedanke ist bei vielen Bewohnern der mobilen Häuser mitunter ein durch diverse Umstände bedingtes, rapide gewachsenes Bewusstsein für die Gefahren des modernen Lebensstiles vor allem bezüglich der Umwelt und der Natur. Mittels eines minimalistischen Lebensstiles, bei dem sich auch der Wohnraum auf wenige Quadratmeter beschränkt, soll der Mensch wieder lernen, mit weniger zu leben, als er es Jahrzehnte lang gewohnt war und den Weg zurück zur Natur finden.

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Verzicht will gelernt sein

Bereits Anfang 2016 berichteten große Zeitungen und Zeitschriften – so auch die FAZ – über den Minimalismus-Trend. "Verzicht ist so hip wie nie zuvor" war damals in der FAZ zu lesen. Immer mehr Menschen verweigerten den Konsum und versuchten ihren Besitz auf ein Minimum herunterzuschrauben und mit den wenigen Dingen, die sie behielten, zufrieden zu leben.

Dass dieses Leben mit wenig Hab und Gut befreiend sein kann haben inzwischen noch mehr Menschen bemerkt. Das Verzichten auf Luxus und der Umstieg auf ein "einfacheres" Leben sind fast schon zu Idealen oder Ideologien geworden, die sich dieser oder jener auf die Fahne schreibt. Und sicher spricht einiges für mehr Verzicht – gerade, wenn es darum geht, Rücksicht auf die Umwelt oder auch die Mitmenschen zu nehmen. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass Verzicht auch gelernt sein muss. Der radikale Schritt vom eigenen Haus zum ausgebauten Camper kann oft nach hinten losgehen. Die Realität holt einen meist schnell wieder ein. Stattdessen reicht es manchmal einfach schon, ein bisschen weniger Fleisch zu essen, nicht ständig nach dem neusten Smartphone-Model zu eifern oder zwei Mal im Jahr ins Ausland zu fliegen. Das schont das Portemonnaie und die Umwelt gleichermaßen.