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Engel gibt es überall
„Lieber Engel, ich wünsche mir einen Ausbildungsplatz“

Engel gibt es überall: „Lieber Engel, ich wünsche mir einen Ausbildungsplatz“
Karsten Schmitz und Daniel Schneider gehen dank „Engel gibt es überall“ nun einen gemeinsamen beruflichen Weg. „Haben Sie keine Scheu, sich an den Verein zu wenden, wenn Sie Unterstützung brauchen. Füllen Sie einen Förderantrag aus!“, raten Meister und Geselle. Die Förderanträge gibt es unter http://engelgibtesueberall.de/ oder bei der Stadtverwaltung Kamp-Lintfort. FOTO: privat
Niederrhein. "Was würdest du antworten, wenn ein Engel dir einen Wunsch erfüllen würde?" Daniel Schneider wünschte sich einen Ausbildungsplatz. Nun hat er seine Ausbildung zum Maler- und Lackierer erfolgreich abgeschlossen. Von Claudia Basener

Daniel Schneider lebt in einer Einrichtung des Neukirchener Erziehungsvereins als er ein Praktikum im Malerbetrieb von Karsten Schmitz beginnt. Die Arbeit macht ihm Spaß, endlich hat der junge Mann das Gefühl, etwas für seine Zukunft gefunden zu haben. Doch Karsten Schmitz möchte keinen Auszubildenden einstellen, er habe zu viel schlechte Erfahrungen gemacht, sagt er.

Da hilft nur ein Engel. Im Frühjahr 2014 führt die Firma Malerarbeiten bei Ingrid Stermann durch. Die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins "Engel gibt es überall" erfährt von Daniels Situation und erzählt ihm von ihrer Hilfsorganisation, mit der sie Kindern aus sozial schwachen Familien hilft. Als sie Daniel fragt, was er sich wünsche, fällt ihm aber zunächst nichts ein: "Ich hatte Kleidung, jeden Tag ein warmes Essen, ein wenig Taschengeld, welches ich für meinen Führerschein sparte...", erinnert der heute 22-Jährige sich und fügt hinzu: "Ich hatte es in dem Heim viel besser als damals Zuhause und darum war ich erst einmal wunschlos glücklich, mit dem was ich hatte." Am Ende der Arbeitswoche wiederholt Ingrid Stermann jedoch ihre Frage und Daniel antwortet: "Das einzige, was ich mir sehnlichst wünsche, ist ein Ausbildungsplatz in dem Malerbetrieb von Karsten Schmitz."

Ingrid Stermann spricht mit dem Geschäftsinhaber - und überzeugt ihn. "Hätten Sie mich nicht bequatscht, hätte ich ihn nicht eingestellt", sagt der Malermeister noch heute zu ihr.

Daniel ist überglücklich als er von der Entscheidung erfährt: dass sich jemand so für ihn einsetzt, habe er noch nie in seinem Leben erlebt. Und es kommt noch besser: Ingrid Stermann und Karsten Schmitz sagten ihm auch bei dem Führerschein finanzielle Unterstützung zu.

Doch die Hilfe beschränkt sich nicht nur aufs Geld. Als Daniel durch die Theorieprüfung fällt, fällt er auch in ein tiefes Loch: "Ich habe das Lernen unterschätzt und jegliche Motivation verloren." Ingrid Stermann ist zur Stelle, richtet den jungen Mann wieder auf - streng aber herzlich. Und als Daniel schließlich am 6. Oktober 2015 seinen Führerschein besteht, weiß er genau, bei wem er sich bedanken muss - auch dafür, "dass Sie immer an mich geglaubt haben."

Die Ausbildungszeit ist ebenfalls ein ständiges Auf und Ab für Daniel. "Ich verließ das Heim und wohnte in einer betreuten Wohngruppe, später zog ich in meine eigene kleine Wohnung um", berichtet er von den vielen Veränderungen, die nicht nur Gutes mit sich brachten: "Die neue Freiheit führte dazu, dass ich zeitweise etwas neben der Spur war." Um so wichtiger, dass mit der Ausbildung eine Konstante in seinem Leben gewesen sei, die ihn immer wieder auf den richtigen Weg gebracht hätte.

Wenn Daniel nun auf die letzten drei Jahre zurückblickt, ist er zurecht stolz, aber auch unendlich dankbar: "Ich habe nun einen Führerschein, eine abgeschlossene Berufsausbildung und sogar die mittlere Reife mit einem Notendurchschnitt von 2,0 in der Tasche. Der Verein 'Engel gibt es überall' hat mein Leben mit auf den richtigen Weg gebracht. Liebe Frau Stermann, wann immer Sie mich brauchen und ich etwas für Sie tun kann, rufen Sie mich an."

Und auch der nächste Wunsch hat sich schon erfüllt: Daniel wurde als Geselle unbefristet von Karsten Schmitz übernommen. Engel gibt es halt überall.

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Der Verein "Engel gibt es überall" fördert talentierte und hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche (6 bis 18 Jahre) aus sozial schwachen Familien in Kamp-Lintfort und den umliegenden Städten und Gemeinden. Wer eine Förderung im schulischen, musischen oder sportlichen Bereich benötigt, kann einen Antrag ausfüllen. Diesen gibt es unter http://engelgibtesueberall.de/ oder bei der Stadtverwaltung Kamp-Lintfort. Am 9. Oktober wird über die ersten Anträge entschieden, danach trifft sich das Kompetenzteam, das sich aus Fachleuten der Verwaltung, Schule, Medien und Psychologie zusammensetzt, erst wieder in drei Monaten.