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Kommt hier die A-Nord durch?

Kommt hier die A-Nord durch?
So könnte es demnächst (vorübergehend) auch bei Hünxe oder Voerde aussehen: Ein Blick auf die Baustelle zur Pilotstrecke bei Borken. FOTO: Amprion
Niederrhein. Windenergie aus dem Norden soll nach NRW und Baden-Württemberg transportiert werden. Für die 300 Kilometer lange Erdkabelverbindung "A-Nord" von Emden bis Osterrath stellte Übertragungsnetzbetreiber Amprion jetzt mögliche Trassenverläufe vor. Von Thomas Warnecke

Die gute Nachricht vorweg: "Wir planen keine Freileitungen", sagt Klaus Wewering, Projektleiter von Amprion, einem von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Warum es die Stromtrasse überhaupt geben muss? "Das bestehende Netz wäre überlastet", so Wewering, denn 2025 gehen bei Emden drei große Offshore-Windparks ans Netz, es gibt einen Einspeisevorrang für erneuerbare Energien, und im nördlichen Niedersachsen wird zehnmal soviel (Wind-) Energie produziert wie verbraucht.

Der Vorzug von Gleichstrom liegt darin, dass er eine möglichst verlustfreie Übertragung über längere Strecken erlaubt. Und das Gesetz bevorzugt für "HGÜ", also die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, Erdkabel. Umweltverbände und Anwohner sicher auch, allerdings sind sie gut fünfmal so teuer wie Freileitungen – was das Versprechen von Amprion umso wertvoller macht. Unter drei Kilometern Länge mache Erdkabel allerdings keinen Sinn, so Amprion – ein Grund mehr, mögliche Widerstände im Vorfeld auszuräumen.

Bis ungefähr Borken ist die Trassenfindung für die A-Nord eine recht unproblematische Sache, da hier wenig "sensible Bereiche" – Wälder zum Beispiel, vor allem Siedlungen – zu umgehen sind. Da wird Amprion vor allem mit Landwirten Entschädigungen aushandeln müssen. "Wir gehen erdschonend vor", sagt Wewering und verweist mit Blick auf Pilotstrecken bei Raesfeld und Borken darauf, dass das Ackerland nach der Kabelverlegung die gleiche Qualität habe wie vorher.

Aus insgesamt sechs Kabeln, verteilt in zwei Kabelgräben, besteht die A-Nord. Anderthalb Meter breit sind die Kabelgräben jeweils, 35 Meter breit wird die Baufläche; unterm Rhein hindurch wird mit einem sogenannten Bohrspülverfahren gebohrt.

Um am westlichen Ruhrgebiet vorbei und unterm Rhein hindurch zum Konverter nach Osterrath zu kommen, wurden fünf etwa einen Kilometer breite Korridore ermittelt: südlich von Rees, südlich von Xanten, dann zwei eng beieinander liegende Korridore bei Voerde und als südwestlichster einer von Hünxe kommend zwischen Voerde und Dinslaken (unter www.a-nord.net gibt es eine Karte).

Diese Korridore können sich jetzt noch ändern, weil etwa Flächennutzungspläne veraltet sind, und am Ende muss ja ein Gesamtkorridor mit möglichst wenigen Umwegen ermittelt werden, denn angesichts der Kosten ist Geradlinigkeit ein relativ wichtiger Faktor für Amprion. Es könnte sich also beispielsweise herausstellen, dass man bei Rees am besten unter dem Rhein hindurchkommt, die Trassenführung sonst aber besser auf einer östlicheren Route aufgehoben ist und also bei Hünxe ankommt.

Um frühzeitig Anwohner in die Planung einzubinden, veranstaltet Amprion im möglichen Trassengebiet diverse Informationsveranstaltungen: Am 20. September gibt es einen Bürgerinfomarkt in Hamminkeln, ein Infomobil steht am gleichen Tag in Xanten und Hünxe; am 21. September gibt es einen Bürgerinfomarkt in Rheinberg, das Infomobil ist an dem Tag in Alpen und Kamp-Lintfort unterwegs; während des Bürgerinfomarkts am 25. September in Kempen besucht das Infomobil Issum und Neukirchen-Vluyn.

"Für uns ist es ganz wichtig, dass die A-Nord 2025 ans Netz gehen kann", sagt Klaus Wewering abschließend. Er rechnet mit 1,5 Milliarden Gesamtkosten für die Erdkabelverbindung.

(Niederrhein Verlag GmbH)