| 15.47 Uhr

Vorfreude auf den BürgerWindTag im Windpark Kohlenhuck
Halde Kohlenhuck: Saubere Energie und ein grandioser Ausblick

Vorfreude auf den BürgerWindTag im Windpark Kohlenhuck: Halde Kohlenhuck: Saubere Energie und ein grandioser Ausblick
Wir waren schon oben! Ulrich Porath (RAG Montan Immobilien) von der Geschäftsführung der ENNI RMI Windpark Kohlenhuck GmbH hat Stadt-Panorama auf eine exklusive Haldenführung mitgenommen. FOTO: cb
Niederrhein. Nur wenigen Niederrheinern war er bisher gewährt: Der grandiose Ausblick von der Halde Kohlenhuck über den Niederrhein und das Ruhrgebiet. Beim BürgerWindTag am 9. September bekommen Sie nun die (vorerst) einmalige Möglichkeit, sich dort oben den Wind um die Nase wehen zu lassen - und sich in dieser "Mondlandschaft" zum Thema "Windenergie und Abraumhalden" zu informieren. Von Claudia Basener

Auf dem Haldenplateau beim Windrad 2 weht 'ne steife Brise. Jemanden von der Küste würde man damit nicht beeindrucken können, aber der normale Niederrheiner dürfte es als "windig" empfinden. Kann es also einen besseren Standort für einen Windpark geben? "Pro Meter Höhe gibt es 1/3 % mehr Wind. In 25 Metern haben wir demnach ein Mehr von 8 %", rechnet Ulrich Porath, Geschäftsführer der ENNI RMI Windpark Kohlenhuck GmbH, für die 25 Meter über Niveau und 47 Meter über Normal Null hohe Halde vor. Porath gehört zur RAG Montan Immobilien und treibt dort seit 2011 - als verantwortlicher Leiter der RAG Windenergieprojekte in NRW - das Thema "Erneuerbare Energie" voran.

Die 1978 genehmigte Halde Kohlenhuck gehört dem RAG Konzern und wurde bis 2012 vom Bergwerk West mit Waschbergen aus der Kohleförderung aufgeschüttet. Bei einer Tagesförderung von ca. 20.000 Tonnen (davon je etwa zur Hälfte Waschberge und hochwertige Kohle) ist die Halde mit den Jahren auf 90 Hektar gewachsen.

Noch vor der Zechenschließung 2012 wurde in 2011 das Projekt Windpark Kohlenhuck angegangen - gemeinsam mit der ENNI, als städtischer Energieversorger, und der Minegas Power, die u.a. auch umweltfreundliche Energie aus Grubengas erzeugt.

Da Kohlenhuck weit außerhalb der Siedlungsbereiche liegt und das Gebiet bereits industriell genutzt wurde, gab es wenig Störpotenzial. Auch bei den Gemeinden und den Bürgern stieß man auf breite Akzeptanz. Einzig die BImSchG-Genehmigung (Bundes Immissionsschutzgesetz) sorgte für Verzögerung: "Die Errichtung einer Windenergieanlage war nicht mit den Zielen des Regionalplans vereinbar. Es musste erst eine Nutzungsänderung durchgesetzt werden", erläutert Ulrich Porath. Als die Genehmigung Mitte 2016 erteilt wurde, ging alles ziemlich flott: Im März 2017 stand das erste Windrad, Mitte Mai schließlich das vierte und letzte. 180 bis 193 Meter sind sie hoch, der Rotordurchmesser beträgt 115 Meter und pro Jahr liefern sie rund 32.000 MWh. Damit könnte man rund 9.000 3-Personenhaushalte (je 3.500 kWh/a) mit Strom versorgen. "Das ist unsere Art saubere Energie zu erzeugen", ist Ulrich Porath begeistert.

Wie kann eine Schotterhalde, die wie eine Mondlandschaft aussieht, solch große Windräder tragen? Kippen die nicht um? Keine Sorge, der Boden wurde ausgiebig überprüft und mittels einer Rüttelstopfverdichtung aufbereitet, so dass die 3 bis 4 Meter tief in die Erde eingebrachten Fundamente auf sicherem Boden stehen. Die Statik tut ihr Übriges, dass so ein Windrad nicht einfach umfällt. Daher werden sie auch noch stehen, wenn die Halde Kohlenhuck der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird - denn das ist das langfristige Ziel der RAG. Dafür muss allerdings noch ein Abschlussbetriebsplan her, mit dem sich alle Beteiligten (Kommunen, Eigentümer,...) abstimmen. Die Aufgabe der RAG wird es dann sein, die Fläche so wieder herzustellen, dass sie gefahrlos für mögliche Folgenutzungen zur Verfügung gestellt werden kann. Ein tiefer Einschnitt in der Halde müsste zugeschüttet werden, ist sich Porath sicher, Themen wie Bepflanzung oder Wegeführung müssten teilweise noch angegangen werden. Momentan laufen Verhandlungen mit dem RVR, der diese und andere Halden im Anschluss übernehmen könnte.

Vom Abschlussbetriebsplan bis zur Nutzung durch die Öffentlichkeit können bis zu 20 Jahren vergehen. Bei der Halde Kohlenhuck könnte es aufgrund der guten Bedingungen allerdings schneller gehen, schätzt Ulrich Porath. Wenn Sie aber nicht so lange warten wollen: Gehen Sie zum BürgerWindTag!