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Kulturkippe-Ausflugstipp
Elphi? Wir haben’s doch, hier im Revier

Kulturkippe-Ausflugstipp: Elphi? Wir haben’s doch, hier im Revier
Nicht ganz jugendfrei ist die „Fahrstunde“, in Gelsenkirchen das, nun ja, Vorspiel zu „Der Florentiner Hut“ FOTO: Malinowski
Ruhrgebiet. Alle Welt redet gerade von der Elbphilharmonie. Aber erstens bekommt man da auf absehbare Zeit eh keine Karten, und zweitens ist das abschließende Urteil jedenfalls über die Akustik noch lange nicht gesprochen. Von Thomas Warnecke

Und es dürfte kaum so einfältig-eindeutig ausfallen, wie es die (mit 10 Millionen befeuerte) Werbekampagne zur Eröffnung gerne haben möchte.

Uns im Ruhrgebiet kann es herzlich egal sein. Mit dem Musikforum in Bochum und der Mercatorhalle sind gerade erst zwei fabelhafte Konzertsäle neu bzw. wiedereröffnet worden – nur halt ein paar Nummern kleiner (auch, was den Pfusch am Bau betrifft ...). Die Aalto-Oper in Essen ist, zugegeben, vielleicht noch einen Tick schöner als das Theater Duisburg, doch das schönste Opernhaus weit und breit – und jetzt komme ich endlich zum Punkt – ist das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Die Glasfront, der Zylinder ums Bühnenhaus, Yves Kleins blaue Riesenschwammbilder an den weißen Wänden – ich bin weißgott kein Schalke-Fan, aber in diesem blauweißen Tempel fühle ich mich erhaben wie im Kölner Dom.

Und bestens unterhalten. Denn das Team vom "MiR" sorgt mit Ausgrabungen, Raritäten und Entdeckungen abseits vom Repertoire (das natürlich auch bedient wird) für Leben in der Bude. Zum Beispiel aktuell mit "Der Florentiner Hut". Eine gutgeschmierte Boulevardkomödie aus dem 19. Jahrhundert, aus der Nino Rota 1945 eine Oper gemacht hat. Falls Ihnen der Name nichts sagt: Nino Rota hat die Filmmusik zum "Paten" komponiert, zu Vicontis "Leopard" und bis zu seinem Tod 1977 zu allen Filmen Federico Fellinis ("La strada", "La dolce vita" ...). Und er hatte musikalisch alle möglichen Stile drauf, von Mozart und Puccini bis Jazz und Tanzmusik. Weshalb "Der Florentiner Hut" musikalisch quasi eine Best-of-Oper ist. Die Handlung ist pures Durcheinander, Slapstick, Mumpitz: Fadinard muss am Hochzeitstag einer fremden Dame ihren Strohhut ersetzen, damit weder auf ihn noch auf die Dame der Verdacht der Untreue fällt, aber erstens ist in ganz Paris kein solcher Hut zu finden, zweitens hat er die ganze Zeit die komplette Hochzeitsgesellschaft an den Hacken. Wie auf Schalke geht eigentlich alles schief, anders als auf Schalke aber am Ende gut aus.

Als besonderes Schmankerl und quasi Vorgeschichte, warum a) Fadinard heiraten muss und b) der Strohhut zuschanden ging, wird vorweg Rotas Kurzoper "Die Fahrstunde" gezeigt, bei der, nunja, beherzt zum Steuerknüppel gegriffen und die Kupplung keineswegs vorsichtig kommen gelassen wird.

Apropos Auto: Das Allerschönste, -beste, -wichtigste: Auf den Parkplätzen hinterm Musiktheater ist ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn das Parken kostenlos!

Nino Rota: "Der Florentiner Hut", Samstag, 4. Februar, 19.30 Uhr, und Sonntag, 12. Februar, 15 Uhr, Musiktheater im Revier, Kennedyplatz, Gelsenkirchen, Telefon (0209) 4097–200

(Niederrhein Verlag GmbH)