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Heribert Hölz berichtet von seiner 88. Fahrt nach Bosnien
"Der Staat versagt total!"

Heribert Hölz berichtet von seiner 88. Fahrt nach Bosnien: "Der Staat versagt total!"
Heribert und Ursula Hölz mit der Familie, die aus ihrem Haus ausziehen soll, damit sie Unterstützung vom Staat bekommt. Sie wohnen in dem Rohbau (links im Bild). FOTO: Hölz
Niederrhein. Seit über 25 Jahren ist Heribert Hölz für die Bosnienhilfe der Caritas Duisburg aktiv. Er war direkt nach dem Krieg vor Ort und hat viel Elend gesehen. Nun ist der 75-Jährige von seiner 88. Bosnienfahrt zurückgekehrt - und zeigt sich geschockt. Von Claudia Basener

"Es wird immer unbegreiflicher, dass sich in Bosnien nichts ändert. Der Krieg ist doch über 22 Jahre her. Wenn sich etwas ändert, dann höchstens zum Negativen. Der Staat versagt total. Es gibt keine Arbeit und keine geregelte Grundsicherung", schimpft ein fassungsloser Heribert Hölz, als wir ihn nach seiner Rückkehr bei ihm zu Hause in Neukirchen-Vluyn treffen. Seine 88. Reise habe ihn sehr bedrückt, gesteht er, und dass, obwohl er doch einiges gewohnt sei.

Und er beginnt zu erzählen: Da sei die achtköpfige Familie gewesen, die keine Unterstützung vom Staat bekäme, weil sie ein eigenes Haus besitze. Doch die Eltern hätten keine Arbeit und das vom Opa selbst gebaute Haus biete gerade mal ein "Dach überm Kopf". Geld gäbe es nur, wenn sie auszögen. "Nicht nachvollziehbar", meint Heribert Hölz und hilft mit 3.000 Euro, die von einer Ordensschwester nach und nach ausgezahlt werden.

Auch das Schicksal einer 7-köpfigen Familie, die "weit ab" in einem heruntergekommenen Haus lebe, ohne fließendes Wasser und ohne Strom, macht Heribert Hölz fassungslos. Das einzige, was der arbeitslose Vater habe, sei ein Pferd, das er anderen zur Verfügung stelle, wenn was Schweres zu transportieren wäre. Die Familie ernähre sich von dem, was die Felder hergeben, sonst hätten sie nichts. Da ist selbst Heribert Hölz "einfach nur platt, dass es so was noch gibt." Mit einer Schafherde will er hier "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten. 5.000 Euro sollen außerdem dafür sorgen, dass das Haus ein neues Dach und fließendes Wasser bekommt.

Einer weiteren Familie kann die Bosnienhilfe mit einer Kuh für 1.000 Euro helfen. Die Idee: Aus der Milch soll Käse produziert werden. "Mit dem Verkauf sollten sie sich einigermaßen über Wasser halten können", hofft Heribert Hölz.

Nicht nur für diese Menschen, sondern auch für diejenigen, die von der Suppenküche in Budzak, einem der ärmsten Stadtteile in Banja Luka, leben, ist die Bosnienhilfe der letzte Rettungsanker. Die Caritas Schweiz hatte die Einrichtung aufgegeben, niemand wollte übernehmen - bis auf "den Hölz". Mit 15.000 Euro sind für dieses Jahr 40 Essen pro Tag gesichert. Eigentlich wäre das Doppelte nötig gewesen, das hätte man aber nicht stemmen können, erklärt Heribert Hölz; denn für seine laufenden Hilfsprojekte wie die Suppenküche in Zenica (30.000 Euro), die Alten- und Krankenhilfe (15.000 Euro) oder die Patenschaften (3.000 Euro) habe er auf seiner 88. Fahrt auch Geld ausgeben müssen. Und es hört sich beinahe wie eine Entschuldigung an, wenn er sagt: "Die Bosnienhilfe sind doch nur meine Frau und ich."

Umso bemerkenswerter, dass das Ehepaar Hölz für diesen Aufenthalt 80.000 Euro für Hilfsprojekte zur Verfügung hatte. "Ohne die Spender könnten wir das alles nicht", dankt Heribert Hölz, der trotz aller Hoffnungslosigkeit, dass sich die Situation in Bosnien in absehbarer Zeit ändere, weiter für die Menschen, die "zur Armut verdammt sind", kämpfen will. Auf die Frage, was er als nächstes vorhabe, antwortet er daher: "Ich muss Geld sammeln."

Wer sich über die Arbeit der Bosnienhilfe informieren möchte: Heribert Hölz erreichen Sie unter Tel.: 02845 / 5686 (ab 16 Uhr) oder unter Tel.: 0203 / 44985916 (8 bis 12 Uhr).