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Der Rhein ist so niedrig wie noch nie

Der Rhein ist so niedrig wie noch nie
Erstmals liegt der Pegel Ruhrort seit Mittwochmorgen unter 1,70 Metern. FOTO: tw
Ruhrort/Niederrhein. 1,69 Meter – so niedrig stand der Pegel Ruhrort noch nie. Für Schifffahrt und Logistik hat das massive Auswirkungen. Die Trinkwasserversorgung ist ungefährdet. Von Thomas Warnecke

1,74 Meter war der bisher bekannte niedrigste Wasserstand am Pegel Ruhrort, gemessen am 30. September 2003 – auch nach einem heißen Sommer. Am Dienstag, 16. Oktober, 13 Uhr, war der Wert mit 1,72 unterschritten – und der Pegel fällt weiter. Aktuell (18.10. 7 Uhr) sind's nur noch 1,67 Meter, am Sonntag könnte der Wasserstand unter 1,60 Meter fallen.

Grundsätzlich sei die momentane Situation nicht ungewöhnlich, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Und anders als bei Hochwasser, wo der Schiffsverkehr eingeschränkt oder ganz gesperrt wird, wenn bestimmte Marken erreicht werden, ist Schifffahrt bei Niedrigwasser "bis an die physikalische Grenze möglich – so lange die Sicherheit gewährleistet ist", so der BDB.

Im "Haus Rhein" an der Dammstraße in Ruhrort, wo der Verband sitzt (mit Blick auf Rhein und Hafenmund), laufen derzeit ziemlich viele Anfragen auf. "Fallende Pegel behindern die Schifffahrt, die Versorgung der Kundschaft ist aber nicht gefährdet", so heißt es dort. Der fehlende Regen und die weiter fallenden Wasserstände würden der Binnenschifffahrt zurzeit allerdings erheblichen Mehraufwand bereiten.

Auf dem Rhein, der am meisten befahrenen Wasserstraße Europas, können Schiffe je nach Abschnitt teilweise nur noch die Hälfte ihrer üblichen Ladung transportieren – oder noch weniger. Und weil es jetzt alle Schiffe in die Fahrrinne drängt – da ist noch etwas mehr Wasser drin, als der Pegel anzeigt – ist "aus der vierspurigen eine zweispurige Autobahn geworden", wie es ein Schiffer beschreibt. Er und seine Kollegen bekommen seit einiger Zeit schon Kleinwasserzuschlag: Bei einem Pegelstand ab drei Metern und niedriger am Pegel Ruhrort gibt's eine Pauschale, um den Verdienstausfall durch geringere Ladung zu kompensieren. Und Treibstoff wird auch gespart.

Die Industrie jedoch bekommt die Lieferengpässe zunehmend zu spüren, etwa bei benötigten Rohstoffen. "Zu einer Entspannung der Situation werden wohl erst länger anhaltende Niederschläge im Südwesten Deutschlands führen", so Fabian Spieß, Referent beim BDB.

Ungefährdet ist derweil die Trinkwasserversorgung Duisburgs. Zwar kommt das Trinkwasser für große Teile des Stadtgebietes aus rheinnahen Brunnen, aber: "Die Brunnenanlagen unserer beiden Wasserwerke in Düsseldorf-Wittlaer und Düsseldorf-Bockum sind so gebaut, dass sie das Wasser in größeren Tiefen entnehmen", erklärt Thomas Oertel, Leiter Trinkwassergewinnung bei den Stadtwerken Duisburg. Die Grundwasservorkommen füllten sich über lange Zeit und vorzugsweise in den Wintermonaten auf, und im Herbst 2017 und im letzten Winter hat's genug geregnet – auch längere Trockenperioden führten nicht zu Kapazitätsproblemen.

(Niederrhein Verlag GmbH)