| 19.07 Uhr

MSV verliert 0:1 im Ostsseestadion
Zebras patzen in Rostock

MSV verliert 0:1 im Ostsseestadion: Zebras patzen in Rostock
Mark Flekken konnte die Niederlage des MSV in Rostock auch nicht verhindern FOTO: Nagraszus
Rostock. Der MSV Duisburg zeigt weiter Nerven im Aufstiegsrennen der 3. Liga. Bei der kriselnden Hansa-Kogge aus Rostock verlor die Gruev-Elf trotz bester Chancen in Durchgang zwei mit 0:1. Der Vorsprung auf Magdeburg auf Rang zwei beträgt nur noch drei Punkte, Kiel auf Rang drei sitzt den Zebras mit lediglich vier Punkten Rückstand im Nacken. Die MSV-Profis geben sich trotzdem zuversichtlich. Von Steffen Penzel

Zum Spiel: Personell gab es zwei Änderungen zum Regensburg-Spiel. Neben Fabian Schnellhardt (für Martin Dausch) war auch Dan-Patrick Poggenberg wieder im Kader und von Anfang mit dabei. Dafür musste Kevin Wolze auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Die Gäste kamen gut in die Partie, pressten früh und hatten bereits in der sechsten Minute durch einen Freistoß von Andy Wiegel aus rund 17 Metern die erste Großchance des Spiels. Der Ball strich knapp über die Latte. Kurz darauf waren es jedoch die Hausherren, die als erstes jubeln durften. Rostock ging in der 11. Minute durch Amaury Bischoff, der aus 16 Metern trocken ins kurze Eck abzog, in Führung. Zuvor hatte Marcel Ziemer sich rustikal in Position für seine präzise Flanke gebracht. 

Trotzdem: Die Zebras, die sich ja in der Rückrunde mit dem Aufholen von Rückständen ganz gut auskennen, hatten die bessere Spielanlage, mehr Ballbesitz und probierten sich zurück ins Spiel zu arbeiten. Das führte zu guten Möglichkeiten: Erst Stanislav Iljutcenko in Minute 22. , dann Fabian Schnellhardt per Freistoß in Minute 24. Die abstiegsbedrohten Rostocker lauerten derweil auf Konter. In der 29. Minute war es wieder Marcel  Ziemer, der auf sich aufmerksam machte. Aber Mark Flekken entschärfte den strammen Schuss per Glanzparade. Bis zur Pause tat sich nicht mehr viel, die Duisburger konnte ihre Feldüberlegenheit nicht in Tore ummünzen.

Aus der Kabine kam die Gruev-Elf dann mit ordentlich Wut im Bauch - zu mehr als zu drei Gelben Karten für Andy Wiegel,Dan-Patrick Poggenberg und Fabian Schnellhardt reichte das jedoch vorerst nicht. Immer wieder probierten Branimir Bajic & Co. es gegen die dicht gestaffelten Hausherren mit langen Bällen auf Tugrul Erat, der jedoch zu wenig aus seinen Freiräumen machte. In der 59. Minute kam Kingsley Onuegbu für Andy Wiegel ins Spiel. Kurz zuvor strich der Ball nach abgefälschtem Brandstetter-Schuss knapp am Hansa-Gehäuse vorbei. Rostock konzentrierte sich weiter aufs Kontern - und kam gegen unkonzentrierte und fahrige Gäste immer wieder zu guten Abschlussmöglichkeiten.  

In der 66. hätte jedoch der Ausgleich fallen müssen, aber der "King" legte sich nach Sahne-Pass von Fabian Schnellhardt alleine vor Hansa-Keeper Marcel Schuhen das Leder zu weit vor. Gruev brachte kurz darauf Thomas Bröker für den fleißigen aber unauffälligen Simon Brandstetter. Und 13 Minuten vor Schluss durfte dann auch Martin Dausch (für den schwachen Ahmed Engin) sein Glück versuchen. In der 84. gab's dann fast doch noch Grund zum Jubeln für die rund 200 mitgereisten Duisburg-Fans, aber Dustin Bomheuers Kopfball nach Gewühl im Hansa-Strafraum ging knapp drüber. Kurz darauf stand Thomas Bröker komplett blank vor Marcel Schuhen, ließ sich aber den Ball vom Fuß nehmen.

Dann war Schluss. Hängende Köpfe bei den Zebras, tosender Jubel bei den 9000 Heimfans, die die vier Minuten Nachspielzeit stehend, klatschend und singend im Ostsee-Nieselregen ausgeharrt hatten.

Im Spielertunnel dann enttäuschte aber gefasste MSV-Profis. Fabian Schnellhardt brachte es bei aller Enttäuschung gut auf den Punkt. "Wir kriegen in der ersten Halbzeit so ein doofes Gegentor und haben dann in der zweiten Halbzeit Riesen-Chancen da vorne. Aber keinen Vorwurf an King und Bröki. Sie hätten die Dinger natürlich auch am liebsten rein gemacht. Wir gewinnen und verlieren zusammen." Natürlich hätte sich sein Team das anders vorgestellt. Aber Hansa habe den Vorsprung nunmal geschickt über die Zeit gebracht.

Dass Magdeburg und Kiel nun immer näher rücken, bereitet Schnellhardt keine größeren Sorgen. "Wir sind immer noch da vorne, wir haben immer noch einen Vorsprung, und wir haben es immer noch alles selber in der Hand. Aber klar, uns ist bewusst, dass wir gegen Großaspach zuhause gewinnen müssen." In die gleiche Kerbe schlug auch Dustin Bomheuer. . "Ja", gab er sichtlich geknickt zu Protokoll, "das haben wir uns natürlich anders vorgestellt." Sein Team habe gegen einen tief stehenden Gegner keine richtigen Mittel gefunden. Aber: "Wir sind nicht nervös und wollen unsere Tabellenführung weiter verteidigen." Seine Vertragsverlängerung über drei Jahre ging da fast ein bisschen unter. "Wir haben hier richtig etwas aufgebaut und wollen den Weg zusammen weiter gehen – am liebsten natürlich in der zweiten Liga."

Sein Coach Ilia Gruev gab sich nach der Pleite als fairer Verlierer: "Wir wollten unbedingt gewinnen. Leider sind wir schnell in Rückstand geraten. Hansa hat sehr gut verteidigt. Wir haben dann in der 2. Halbzeit keine Räume gehabt, haben mit langen Bällen operiert. Wir waren bis zum Ende am Drücker, hatten drei vier richtig gute Chancen. Wenn man die Chancen dann aber nicht nutzt, kann man das Spiel leider nicht gewinnen." Zur Ausgangslage im Aufstiegsrennen: "Die Situation ist leider nicht mehr so komfortabel wie sie mal war. Jetzt müssen wir weiter ans uns glauben, gegen Großaspach alles geben und gewinnen."