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DFB-Pokal: MSV führt in Bielefeld 3:0 zur Pause und zieht ins Achtelfinale ein
Zebras machen es historisch

DFB-Pokal: MSV führt in Bielefeld 3:0 zur Pause und zieht ins Achtelfinale ein: Zebras machen es historisch
Jubel, ganz viel Jubel. Hier nach dem frühen 1:0 von John Verhoek. FOTO: Nico Herbertz
Bielefeld. Der MSV Duisburg ist nach historischen ersten 45 Minuten mit einem 3:0-Sieg bei Arminia Bielefeld ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Von Steffen Penzel

Das gab es in der Geschichte des MSV im Profigeschäft noch nie. 3:0 stand da auf der Anzeigetafel der Schüco-Arena. Nach 45 Minuten wohl gemerkt. Und zwar für den MSV, nicht für den Gegner. 45 Minuten, die einer Demütigung der komplett von der Rolle spielenden Arminia gleichkam. "Das ist schon ganz schön peinlich, langsam wird es echt lächerlich, da stimmt ja überhaupt gar nichts", polterte Ansgar Brinkmann auf der Pressetribüne, während der MSV-Anhang "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" skandierte. Der "weiße Brasilianer" war mit seiner Meinung nicht alleine - gellende Pfiffe begleiteten die Arminen auf dem Weg in die Kabine, während sich die Zebras auf dem Rasen ungläubig abklatschten. "Das haben wir in der ersten Halbzeit schon wirklich gut gemacht, haben stark kombiniert und unsere Chancen genutzt", fand Fabian Schnellhardt nach der Partie im Spielertunnel. Zwei Meter weiter stand Arminia-Turm Fabian Klos und versuchte Worte zu finden für das, was seine Mannschaft ihren Fans da aufgetischt hatte. "Unfassbar, was da passiert ist. Im Prinzip ist das den Zuschauern nicht zumutbar."

Torsten Lieberknecht ließ beim Zweitrunden-Pokalspiel auf der Alm Richard Sukuta-Pasu und John Verhoek im Sturm zu Beginn auflaufen. Zudem durften Ahmet Engin und der wieder genesene Cauly Souza gemeinsam auf den Außenpositionen der flachen Mittelfeld-Raute loslegen. Ansonsten vertraute der MSV-Coach seinem Stammpersonal. Auf dem Rasen der Schüco-Arena entwickelte sich schnell ein rassiger Pokalfight. Die Hausherren begannen besser und hatten durch Florian Hartherz nach sechs Minuten per Freistoß die erste große Chance der Partie. Der MSV konzentrierte sich aufs schnelle Umschaltspiel - und die Hausherren kredenzten den Gästen gerade über die rechte Duisburger Seite durchaus brauchbare Räume. Zwölf Minuten waren gespielt, da brach dicker Jubel in der mit 2500 Duisburgern, inklusive Lukas Daschner, besetzten Gästekurve aus. Ahmet Engin schlug einen scharfen Freistoß aus dem linken Halbfeld und John Verhoek war per Kopf zur Stelle - 1:0 für den MSV und das erste Pflichtspieltor für den Neuzugang. "Das war ganz wichtig für John, dass er endlich getroffen hat", freute sich Kapitän Kevin Wolze für seinen Kollegen.

Die Bielefelder antworteten auf den Rückstand mit wütenden Angriffen - und der MSV sah sich zunächst nur noch hinten reingedrückt. Von beiden Bielefelder Angriffsseiten regnete es Flanken in den MSV-Strafraum. Einen geordneten Spielaufbau bekamen Fabian Schnellhardt & Co. zunächst gar nicht mehr hin; lange Befreiungsschläge schienen - einen vielversprechenden, aber von Cauly Souza schwach zu Ende gespielten, Konter ausgenommen - bis zur Halbzeit das Mittel der Wahl. Dann kam die Minute 40. Und Fabian Schnellhardt. Der wurde nach schönem Konter mustergültig von Kevin Wolze zentral auf 20 Metern bedient, legte sich das Leder in aller Ruhe und ohne erkennbare Bielefelder Gegenwehr zurecht und zog trocken zum 2:0 ins untere linke Eck ab. "Unfassbar, endlich habe ich mal getroffen", pustete "Schnelli" durch. "Und ja, ich hatte viel Platz und Zeit vor dem Schuss." Die Bielefelder Auflösungserscheinungen gingen weiter. Denn das war noch nicht alles. Der furios aufspielende Ahmet Engin legte auf Cauly Souza, der gleich zwei Gegenspieler übel aussehen ließ und zur Vorentscheidung am bemitleidenswerten Philipp Klewin im Bielefelder Kasten vorbei einschob.

Die zweite Halbzeit erlebte Souza nicht mehr auf dem Platz. Ein Pferdekuss machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Für ihn kam Moritz Stoppelkamp. Die Saibene-Elf war um Wiedergutmachung bemüht, spielte mit viel Druck aufs MSV-Gehäuse. Daniel Mesenhöler verhinderte mit einer Großtat gegen Fabian Klos den frühen Anschlusstreffer. Nach zehn Minuten stellte Lieberknecht um, holte Torschütze John Verhoek vom Feld und brachte Borys Tashchy, der sich im Mittelfeld einsortierte, so dass es Richard Sukuta-Pasu vorne alleine richten musste. Viel Futter bekam er nicht mehr.

Der MSV hatte zwar durch Tashchys Seitfallzieher noch eine gute Möglichkeit, war aber darum bemüht, die komfortable Führung sicher nach Hause zu bringen. Schnellhardt: "Da hätten wir den ein oder anderen Konter besser zu Ende bringen können, aber es hat ja auch so gereicht." Glück hatten die Duisburger in der 68. Minute, als Prince Owusu einen satten Schuss ans Gebälk setzte. Mehr passierte nicht mehr, und der für den MSV nicht nur aus finanzieller Sicht so immens wichtige Einzug ins Pokal-Achtelfinale war eingetütet. "In erster Linie freue ich mich darüber, dass wir gewonnen und zu Null gespielt haben. Aber das Geld nehmen wir natürlich auch gerne mit", grinste MSV-Präsident Ingo Wald nach dem Abpfiff zufrieden.

Am Sonntag wird der nächste Gegner im Pokal der Zebras gezogen. Wer soll's denn sein? "Die Bayern zu Hause hätte ich gerne. Die anderen sehen das aber vermutlich anders", legte sich Fabian Schnellhardt fest. "Nee, die Bayern auf keinen Fall. Eigentlich egal, wer kommt. Hauptsache zu Hause und Hauptsache ein Gegner, gegen den wir weiter kommen können", wollte sich Kevin Wolze nicht festnageln lassen.