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MSV geht Projekt Klassenerhalt mit neuem Kapitän an
Wolze dankt ab, Nauber übernimmt

Tag fünf des Trainingslagers: Tag fünf in Bildern
Tag fünf des Trainingslagers: Tag fünf in Bildern FOTO: Nico Herbertz
Almancil. Paukenschlag im Trainingslager des MSV Duisburg. Kevin Wolze ist nicht mehr Kapitän der Zebras. Sein Amt übernimmt Gerrit Nauber, der bei einer internen Abstimmung die meisten Stimmen seiner Mitspieler bekommen hatte. Von Steffen Penzel

Das Gerücht waberte schon ein paar Tage über die Flure des Spielerhotels in Almancil. Nun ist aus dem Gerücht ein Fakt geworden: Kevin Wolze dankt als Kapitän des Tabellen-16. ab, seinen Job übernimmt Gerrit Nauber. Die offizielle Version ist die: Kevin Wolze habe sich lange Gedanken gemacht und sich nun entschieden, sein Amt zur Verfügung zu stellen, um sich wieder voll und ganz auf den Fußball und seine eigene Leistung zu konzentrieren.

Die Realität könnte aber sein, dass die Entscheidung nicht ganz so freiwillig erfolgt ist. Und, dass man Wolze so die Chance gibt, sein Gesicht zu wahren. Trainer Torsten Lieberknecht hatte schon nach dem üblen Heimauftritt gegen Dresden angekündigt, schonungslos zu  analysieren und keinen Stein auf dem anderen zu lassen. "Kevin und ich haben mehrere Gespräche geführt und uns immer gut ausgetauscht. Er hat diese Entscheidung von sich aus getroffen - und da habe ich wahnsinnigen Respekt vor", nimmt Lieberknecht seinen Ex-Kapitän aus der Schusslinie.

Kevin Wolze, der weiterhin Teil des von der Mannschaft neu gewählten Mannschaftsrates ist, möchte indes betont wissen, dass er "damit keineswegs die Verantwortung abschieben" wolle. "An erster Stelle steht aber, dass wir gemeinsam unser Ziel Klassenerhalt erreichen und ich der Mannschaft sportlich wieder richtig helfen und mich zu 100% auf den Fußball konzentrieren kann", so Wolze im Trainingslager. Zwist gäbe es wegen der Entscheidung keinen. "Natürlich gebe ich weiterhin alles für die Mannschaft und unterstütze Gerrit jederzeit." Und auch Gerrit Nauber bestätigt: "Da ist kein Keil zwischen uns, wir stehen nachwievor zusammen auf dem Platz."

Fakt ist: Kevin Wolze hat in der Hinrunde nicht das auf den Platz gebracht, was sein Trainer von ihm erwartet. Lieberknecht: "Auch wenn ich ihn beileibe nicht so schlecht gesehen habe, wie viele andere von außerhalb ihn bewertet haben." Nun hoffe er, dass "Ballast" von Wolze abfalle, "und er sportlich wieder alle seine Qualitäten auf den Platz bringt, die wir von ihm kennen." Und Fakt ist aber auch, dass es in der Mannschaft stimmungsmäßig in den vergangenen Monaten nicht gepasst hat. Das merkte man nicht nur auf dem Platz, das wurde in vielen Gesprächen auch von z.B Trainer und Präsident bestätigt. Da ist dann eben auch ein Kapitän als Mediator, Vermittler, Schlichter, Motivator stark gefragt. Ein Job, der nun Gerrit Nauber gebührt.

Bei der Wahl des neuen Mannschaftsrats, dem neben Wolze und Nauber auch Enis Hajri, Lukas Fröde und Co-Kapitän Stanislav Iljutcenko angehören, bekamen Stanislav Iljutcenko und Nauber, der auch in seiner Lotte-Zeit schon Kapitän war, mit Abstand die meisten Stimmen. Dem Urteil folgte dann auch Torsten Lieberknecht, der in Nauber einen "sehr sachlichen und reflektierten" Spieler sieht: "Gerrit ist ein Stück weit auch aus der Mannschaft gewählt worden. Das war für mich der Impuls, diese Entscheidung zu treffen. Gestern Nachmittag hatten wir ja frei, da hatte ich dann genügend Zeit, mich für einen Kandidaten zu entscheiden." Lieberknecht hoffe nun, dass der Impuls den die Mannschaft gesetzt hätte ein weiterer Schlüssel zum Erreichen des großen Ziels Klassenerhalt ist.

Worum es jetzt geht, macht der neue Kapitän, der sich "natürlich auf die Aufgabe und über den großen Zuspruch aus der Mannschaft" gefreut hat, in knappen Worten klar: "Das Zwischenmenschliche ist wichtig. Es ist wichtig, mit den Jungs aus den verschiedenen Mannschaftsteilen und -Gruppen zu sprechen und mal reinhören. Jeder Spieler ist wichtig und wir haben ein Ziel. Alle müssen ihre Stärken einbringen, um den Klassenerhalt gemeinsam zu schaffen." Er sehe sich als Sprachrohr der Mannschaft und als verlängerter Arm des Trainers.