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MSV unterliegt Dresden mit 1:3
Schön ist anders

MSV unterliegt Dresden mit 1:3: Schön ist anders
Bezeichnend: Ahmet Engin vergibt in der 11. Minute eine Großchance für seinen MSV kläglich. FOTO: Volker Nagraszus
Duisburg. Der MSV Duisburg unterliegt in einem ganz gruseligen Fußballspiel mit 1:3 gegen Dynamo Dresden. Damit überwintern die Zebras, die in dieser Saison bisher acht ihrer neun Heimspiele verloren haben, auf dem Relegationsplatz 16.  Von Steffen Penzel

Okay, es war ja irgendwie klar, dass da am Vorweihnachtstag auf dem zerpflügten, durchtränkten Duisburger Geläuf, welches früher mal ein Rasen war, kein schmackhafter Leckerbissen serviert wird. Ein bisschen weniger bieder hätte es dann aber doch sein können. In einem ganz gruselig anzuschauenden Fußballspiel unterlag ein arg dezimierter und ziemlich umgekrempelter MSV der Dynamo aus Dresden mit 1:3. "Wir haben wirklich alles vermissen lassen. Das war vermutlich die schlechteste erste Halbzeit, die wir jemals gespielt haben. Das war indiskutabel. Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Und auch im zweiten Durchgang haben wir es zwar versucht, alles nach vorne zu werfen - alles in allem ist diese Leistung aber nicht rechtzufertigen", versuchte ein restlos bedienter Dustin Bomheuer nach dem Abpfiff erst gar nicht, das Ganze irgendwie schön zu reden. Dem wollte auch sein Coach in nichts nachstehen: "Wir haben uns ganz viel vorgenommen und der Mannschaft viel mit auf dem Weg gegeben. Leider hat man davon von der ersten Minute an nichts gesehen. Wir haben uns im Eins-gegen-Eins schlecht verhalten, hatte keine Zuordnung und haben viele falsche Entscheidung mit dem Ball am Fuß getroffen. Die Art und Weise, wie wir das Spiel bestritten haben, hat mir gar nicht gefallen. Das werde ich in der Form nicht akzeptieren"

Gegen das Team aus Elbflorenz musste Torsten Lieberknecht arg umplanen. Lieberknecht hatte schon während der Woche angekündigt, er müsse mal schauen, dass er nach den Sperren von Fabian Schnellhardt und Tim Albutat aus dem HSV-Spiel überhaupt 18 Spieler für seinen Kader zusammen bekomme. Hat er geschafft.

Die Knappheit in Sachen Personal führte zu einem 4:1:4:1-System zu Beginn des Spiels. Wieder fit und damit an Bord war Dustin Bomheuer, der gemeinsam mit Gerrit Nauber das angestammte Innenverteidiger-Duo bildete. Ihnen zur Seite standen Yanni Regäsel (rechts) und Young-Jae Seo (links). Zentral vor der Abwehr lief Kapitän Kevin Wolze auf. Das offensive Mittelfeld bestückten Lukas Daschner, der erstmals in der Liga von Beginn an ran durfte, und Moritz Stoppelkamp im Zentrum gemeinsam mit Cauly Souza und Ahmet Engin auf den Flügeln. Vorne probierte Stanislav Iljutcenko sein Glück.

Von der Theorie her stand das Zebra-Konzept also. Doof nur, wenn alle Theorie nach 120 Sekunden über den Haufen geworfen wird. Der ziemlich von der Rolle agierende Regäsel ließ den wuseligen Baris Atik auf seiner Abwehrseite locker flanken – und im Zentrum war Lucas Röser noch in der Luft auf der Suche nach irgendeinem Gegenspieler und nickte entspannt und komplett unbedrängt zum 1:0 für Dresden ein. Der MSV war in der Folge gegen abwartende Gäste auf Wiedergutmachung aus. Allerdings fehlte es an Mitteln bzw. an Kaltschnäuzigkeit, wenn sich denn dann mal so gute Chancen wie für Ahmet Engin (11.) und Dustin Bomheuer (8.) ergaben. Ansonsten zeigte diese erste Halbzeit, dass aus Kevin Wolze wohl kein Mittelfeldspieler mehr wird, und dass Moritz Stoppelkamp nicht mehr der Moritz Stoppelkamp aus der Vorsaison ist.

Klar ist auch, dass wenn ein technisch starker Gegenspieler wie Baris Atik bis zur Strafraumgrenze nicht verteidigt wird, der vermutlich den Abschluss suchen wird. Tat er auch. Und nagelte das Leder mit freundlichem Geleitschutz des MSV-Mittelfelds kurz vor dem Halbzeitpfiff zur 2:0-Vorentscheidung in die Duisburger Maschen. Der Duisburger Anhang fand das alles überschaubar witzig und verabschiedete seine Schützlinge mit einem gellenden Pfeifkonzert zur Lieberknecht'schen Halbzeit-Standpauke in die Kabine.

Lieberknecht, der die Pfiffe "absolut verständlich" fand, musste reagieren und brachte mit Joe Gyau und Richard Sukuta-Pasu zwei neue Akteure für den komplett überforderten Yanni Regäsel und den arg unauffälligen Lukas Daschner. Wieder waren zwei Minuten gespielt. Doch diesmal hätte der MSV-Anhang jubeln müssen. Allerdings schaffte es Stanislav Iljutcenko irgendwie, den Ball komplett blank aus acht Metern nicht im Gästekasten unterzubringen. Noch besser als der Schuss in den Duisburger Regenhimmel wäre ein Pass in die Mitte gewesen, doch auf den wartete der einschussbereite und ungedeckte Sukuta-Pasu vergebens.

Wie man es besser macht, zeigten die effektiven Sachsen. Moussa Koné wuselte sich in der 53. Minute durch die indisponierte Zebra-Innverteidiger und schenkte dem ebenfalls wenig souverän auftretenden Daniel Mesenhöler das 3:0 durch die Beine ein. Damit schien die Sache durch. Die soliden Dresdener spielten ihren Stiefel runter – und die Hausherren hatten keine Mittel, dem etwas entgegenzusetzen. Etwas Hoffnung kam dann jedoch in Minute 67 auf. Da traf Cauly Souza flach durch das Gewusel vorm Dynamo-Kasten hindurch zum 1:3-Anschlusstreffer. "Wir haben uns so viel vorgenommen, waren so gut vorbereitet. Schade, dass dann so eine Leistung dabei rumkommt", sagte der Torschütze nach dem Abpfiff. Der MSV spielte nach dem Anschluss etwas druckvoller und zielgerichteter. Mit John Verhoek für Stoepplekamp brachte Lieberknecht in der 76. Minute mehr Offensivpower. Nur: der erhoffte Effekt blieb aus, am Spielstand änderte sich bis zum Abpfiff nichts mehr.

Damit geht sie weiter, die gruselige Heimserie in dieser Spielzeit. Acht von neun Heimspielen gingen für die Zebras verloren. Lieberknecht: "Das ist eine verheerende Bilanz. Wenn wir die Klasse halten wollen, wovon ich immer noch überzeugt bin, dann müssen wir zuhause punkten." Und so muss der MSV mit 13 mageren Pünktchen auf dem Relegationsplatz überwintern. An der Chemie in der Truppe läge die maue Punktausbeute nicht, versicherte Cauly Souza noch im Spielertunnel. "Die Stimmung in der Mannschaft ist trotzdem gut. Wir halten alle zusammen und kämpfen alle zusammen." Ob die Zebras das auch in Punkte ummünzen können, wird man dann nach der Winterpause sehen ...