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Punkt auf St. Pauli – der MSV liegt im Soll

Punkt auf St. Pauli – der MSV liegt im Soll
Wie schon am ersten Geburtstag seines Sohnes traf Stanislav Iljutcenko auch an dessen zweiten. Engin, Wolze und der Duisburger Anhang feiern den Ausgleich. FOTO: Nico Herbertz
Hamburg-St. Pauli/Duisburg. Zwei Elfmeter, vier Tore, eine Rote Karte – das Gastspiel des MSV Duisburg beim FC St. Pauli im ausverkauften Millerntor-Stadion hatte zum Hinrundenabschluss nochmal richtig was zu bieten. Das 2:2 war letztlich leistungsgerecht. Von Thomas Warnecke

15 Jahre wartet der MSV jetzt auf einen Sieg beim FC St. Pauli und muss sich weiter gedulden. Aber wenn’s bei den Meiderichern weiter so läuft und die Kiezkicker wieder in die Spur finden, sollte es im nächsten Jahr eine Wiederholung geben. Spaß gemacht hat’s beim gastfreundlichen Traditionsverein, auch wenn der Weg vom Clubhaus unter der Südkurve (warum gibt’s sowas eigentlich nicht in der MSV-Arena?) zum Gästeblock in der Nordkurve eine mittlere Tageswanderung war. So angenehm entspannt die Atmosphäre vorm Spiel, aufm Platz ging’s zunehmend heiß her, wozu der ziemlich indisponierte Schiedsrichter Christian Dietz nicht unerheblich beitrug.

Von Beginn an abgeklärt abwartend und auf Konter lauernd, überließ der MSV den sichtlich bemühten St.-Paulianern weitgehend den Spielaufbau, wurde aber mit Kontern und Standards immer wieder gefährlich. Hinten räumte die Abwehr mit dem überragenden Gerrit Nauber und dem ebenfalls sehr guten Bomheuer praktisch alles weg. Bomheuer hätte auch fast für die Führung gesorgt, doch sein Kopfball nach einem Eckstoß ging nur an den Pfosten. Die Führung erzielte dann Wolze vom Elfmeterpunkt, nachdem Fröde nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum und möglicherweise einem Ellenbogencheck zu Boden gegangen war. Dass Fröde später auch noch die Rote Karte „herausholte“, als Bouhaddouz ihm Wasser ins Gesicht spritzte, macht fast vergessen, dass der Sechser auch fußballerisch einen sehr guten Tag erwischt hatte.

So zeigte das letzte Spiel der Hinrunde, dass der MSV ein starkes Gerüst hat, aber auch, dass es Schwierigkeiten gibt, sobald einer der Leistungsträger ausfällt. Während Engin als Ersatz für Stoppelkamp seine Sache noch ziemlich ordentlich machte, den Assist zu Iljutcenkos Endstand-Ausgleich lieferte und die meisten Meter des Spiels lief, konnte Blomeyer Nauber nicht ersetzen. Nauber war mit Verdacht auf Gehirnerschütterung in der Kabine geblieben, nachdem er kurz vor der Pause einen Schuss voll an den Kopf bekommen hatte. Mindestens in der Anfangsviertelstunde von Durchgang zwei fehlten den Zebras Ordnung und Sicherheit, so dass Pauli das Spiel zwischenzeitlich drehen konnte, wobei der Elfmeter zum 2:1 wie eine Konzessionsentscheidung wirkte. In Überzahl gelang erst Hajri mit einem Volley-Schuss von der Strafraumecke fast das Tor des Monats, doch Himmelmann parierte glänzend, dann aber Iljutcenko der Ausgleich. Es wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, Gruev aber brachte Onuegbu für Tashchy und Albutat für Iljutcenko und war mit dem Punkt zufrieden: „Unser Ziel war es, kontinuierlich zu punkten. Das ist uns gelungen.“

Mit 23 Zählern hat der MSV auf Rang zehn nach der Hinrunde schon mehr als die Hälfte der anvisierten 40 Punkte für den Klassenerhalt zusammen. Bevor es in die Winterpause und ins Trainingslager nach Almancil in Portugal geht, kommt am Sonntag, 17. Dezember, um 13.30 Uhr Dynamo Dresden zum Rückrundenauftakt an die Wedau. Die Sachsen haben zuletzt dreimal in Folge gewonnen, zweimal davon auswärts (in Düsseldorf und bei Union Berlin), und sind punktgleich mit dem MSV. Der würde nur zu gern seinen positiven Heimtrend mit zuletzt zwei Siegen fortsetzen – es dürfte wieder eine heiße Nummer werden!

(Niederrhein Verlag GmbH)