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Zebras trennen sich 2:2 von Union Berlin
MSV besteht den Charaktertest

Zebras trennen sich 2:2 von Union Berlin: MSV besteht den Charaktertest
Stanislav Iljutcenko dreht nach dem 1:1 durch Cauly Souza jubelnd in Richtung MSV-Fans ab. FOTO: Nico Herbertz
Berlin. Der MSV Duisburg hat sich einen Punkt bei Union Berlin erkämpft. In einem hart umkämpften Match schoss der MSV zwei Treffer, führte bis zur 91. Minute - und musste sich am Ende doch mit einem Punkt "begnügen". Fürs Team und den zuletzt in der Schusslinie stehenden Trainer Ilia Gruev dürfte der Punkt aber Gold wert sein. Von Steffen Penzel

Kevin Wolze wusste nach dem Abpfiff nicht so recht, ob er stolz oder enttäuscht sein sollte. Bis zur 91. Minute lagen seine Zebras 2:1 in Front, "von daher überwiegt jetzt doch erst mal die Enttäuschung." Aber auch dem MSV-Kapitän blieb nicht verborgen, dass das Ergebnis unterm Strich ein gerechtes war. Seine Mannschaft stand kompakt, machte die Räume eng und war gut in die Zweikämpfe gekommen - vor allen Dingen hatte sie aber endlich die ersten beide Tore der Spielzeit geschossen. Zur schwelenden Trainerdiskussion sagte Wolze: "Wir haben auf dem Platz die richtige Antwort gegeben, haben Charakter gezeigt. Wir haben gezeigt, dass Leben im Team steckt, und dass bei uns der Trainer nicht zur Diskussion steht." Auf dem Gezeigten müsse man nun aufbauen, "und am nächsten Wochenende den ersten Dreier einfahren", befand Kevin Wolze.  

Dass ein MSV-Spieler von den Union-Fans mit Sprechchören gefeiert wird, passiert auch nicht alle Tage. Anders bei Daniel Mesenhöler. Der Ex-"Eiserne" erhielt von Ilia Gruev den Vorzug vor dem zuletzt unsicheren Daniel Davari - und die gewohnt lautstarke Alte Försterei skandierte ihrem ehemaligen Keeper aus 20.000 Kehlen ein donnerndes "Fußballgott" entgegen. Der Wechsel im Kasten hatte sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Für Mesenhöler natürlich ein ganz besonderer Moment, an alter Wirkungsstätte seinen ersten Ligaeinsatz für seinen neuen Club zu feiern.

Auf dem Spielfeld neutralisierten sich beide Teams zunächst. Man merkte dem MSV an, wie sehr das Team darauf brannte, Wiedergutmachung zu betreiben - nur die heimstarken "Eisernen" hielten den eigenen Laden erst mal mit eiserner Disziplin dicht. Aber auch die auf Sicherheit und Kompaktheit bedachten Gäste, diesmal mit Sebastian Neumann und Dustin Bomheuer in der Innenverteidigung, spielten gallig und standen stabil und gut gestaffelt. Nach zwei eher zufälligen Torsituationen für die Hausherren, inklusive einem Abpraller an die Unterkante der Latte des MSV-Gehäuses, nahm sich Fabian Schnellhardt in Minute 35 ein Herz und verzog nur knapp aus halbrechter Position. Und doch gingen die Gäste wieder mit der Hypothek eines 0:1-Rückstandes in die Halbzeit. Nachdem Kevin Wolze Akaki Gogia kurz zuvor schon nur noch per Notbremse am Strafraum stellen konnte, ließ der flinke Union-Offensivspieler in der 44. Minute den gelb verwarnten MSV-Kapitän nach Fröde-Ballverlust ganz alt aussehen und traf von der Strafraumgrenze trocken ins kurze Eck zur 1:0-Führung.  

In der zweiten Halbzeit waren zwölf Minuten gespielt, da gaben die Duisburger per Kullerschuss von Boris Tashchy ein erstes zartes Offensivzeichen von sich. Kurz darauf musste der bis dahin stark spielende Dustin Bomheuer mit einer Gehirnerschütterung vom Platz - für ihn kam Gerrit Nauber in die Partie. In der 76. Minute versuchte Ilia Gruev, das Angriffsspiel durch den Tausch Tashchy/Sukuta-Pasu zu beleben. Und das klappte sofort: Nach einem Querschläger kam Cauly Souza an der linken Strafraumgrenze an den Ball - und irgendwie legte er ihn per komischem Aufsetzer ins lange Eck. Ilia Gruev war nun an der Seitenlinie darum bemüht, seinen Spielern Ruhe zu verordnen. Ein Punkt beim Tabellendritten - das wäre schon ein Erfolgserlebnis für den Tabellenletzten. Und was machte seine Mannschaft? Die legte einfach noch einen nach. Nach starker Vorarbeit von Souza war es Joker Richard Sukuta-Pasu, der in der 83. Minute zur 2:1-Gästeführung einchippte. Doch das war es noch nicht. Es lief die erste Minute der Nachspielzeit, da stieg Florian Hübner, der sich kurz zuvor mit Richard Sukuta-Pasu noch eine kleine Ringeinlage geliefert hatte, zum Kopfball hoch und legte den Ball zum 2:2-Endstand in die Maschen.

Ilia Gruev klatschte sich trotz des späten Gegentreffers nach dem Abpfiff erleichtert mit Sportdirektor Ivo Grlic ab und  war nach dem Abpfiff der intensiven und hart umkämpften ganz bestimmt nicht unzufrieden: "Klar hätten wir gerne gewonnen. Und wir waren ja auch ganz nah dran. Aber es waren die ersten wichtige Schritte in die richtige Richtung gegen einen sehr starken Gegner. Wir haben zuletzt gut gearbeitet und hier eine gute, kompakte Leistung gezeigt."