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Lieberknecht mit Einstand nach Maß

Lieberknecht mit Einstand nach Maß
Ahmet Engin und Cauly Souza nach dem 2:1 in Köln. FOTO: Herbertz
Köln. Der MSV hat im ersten Spiel unter seinem neuen Trainer Torsten Lieberknecht beim 1. FC Köln eine Sahne-Leistung abgeliefert und beim 2:1-Auswärtssieg gleich alle drei Punkte aus der Domstadt entführt. Von Steffen Penzel

Am Ende gehörte den über 3000 MSV-Fans das riesige RheinEnergyStadion fast alleine. „Der MSV ist wieder da“ skandierte der jubelnde und mittlerweile konkurrenzlose Zebra-Anhang und rieb sich verwundert die Augen. „Wahnsinn, was die Fans hier abgerissen haben“, staunte auch Fabian Schnellhardt nach dem Abpfiff nicht schlecht. Was für eine Leistung des MSV im ersten Spiel von Torsten Lieberknecht als Chefcoach! Der saß nach 94 aufreibenden Minuten im Presseraum des FC und probierte tapfer, sich den Stolz nicht zu sehr anmerken zu lassen. „Das war mal ein Einstand nach Maß“, freute sich Lieberknecht - vor allen Dingen „für die Spieler und die Vereinsmitarbeiter“.

Die Devise der mit neuer Rauten-Ordnung im Mittelfeld und der neuen Sturmspitze Iljutcenko/Gyau ins Rennen geschickten Zebras war klar: Brust raus, mutig mitspielen, nicht einigeln. Bereits nach drei Minuten hätte es 1:0 für die Zebras stehen können, aber Cauly Souza schloss frei vor Timo Horn überhastet und schwach ab. In der 10. Minute war es dann soweit: Cauly Souza zog nach Schnellhardt-Ecke zentral vom Strafraum ab und drosch den Ball flach zum verdienten 1:0 für zu dem Zeitpunkt hoch überlegene Duisburger ins Netz.

Duisburgs Plan ging auf: Der FC hatte zunächst keinen Zugriff, geschweige denn vernünftige Anspielstationen im Mittelfeld, wo die Zebras mit ihrer galligen Raute Fröde/Souza/Schnellhardt/Tashchy massiv und laufintensiv vertreten war. „Wir haben heute ein paar andere Dinge probiert. Die Kölner haben uns so nicht erwartet. In der ersten Halbzeit waren wir sehr präsent und haben das richtig gut gemacht“, analysierte Fabian Schnellhardt.

Dann kam die Minute 35 und Duisburgs Problem Nummer eins, das schwache Verteidigen von Standards, wieder zum Vorschein. „Da ist mir mein Mann ein wenig weggelaufen“, entschuldigte sich Schnellhardt nach der Partie. Nach Jonas Hectors Kopfballtor zum 1:1 war der FC wieder im Spiel. Das auch mit einer MSV-Führung in die Pause hätte gehen können, aber Timo Horn parierte in der 44. Minute bärenstark gegen Dustin Bomheuer und lenkte den Kopfball des Innenverteidigers irgendwie noch an die Latte.

Die Geschichte der zweiten Hälfte ist schnell erzählt. Köln baute Dauerdruck auf, aber die Gäste aus Duisburg wehrten sich tapfer und mit hohem kämpferischem Einsatz gegen die Angriffswellen des Tabellenführers. Chancen für die Zebras? Gab’s eine. Nach Sahnevorlage des eingewechselten Ahmet Engin war es Matthias Bader, der per Eigentor und bedrängt von Souza den Ball zur 2:1-Führung für den MSV ins Netz legte (71. Minute).

Die Angriffe der Hausherren wurden nun noch wütender, aber Daniel Mesenhöler war zur Stelle als er gebraucht wurde. Schnellhardt: „Die zweite Hälfte war nur Kampf. Und Glück, das uns zuletzt ein wenig gefehlt hat.“ Jetzt ist Länderspielpause. Die verbringt der MSV auf Relegationsplatz 16. Am 22. Oktober kommt Pauli nach Duisburg. „Und dann“, meint Fabian Schnellhardt, „müssen wir unbedingt nachlegen.“ Das findet auch sein Coach: „Das war ein erster schöner Schritt für uns - mehr aber auch nicht.“

(Niederrhein Verlag GmbH)