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Zebras verlieren 1:3 gegen Regensburg
Gruev droht das Aus beim MSV

Zebras verlieren 1:3 gegen Regensburg: Gruev droht das Aus beim MSV
Lange Gesichter bei Ilia Gruev, Yontcho Arsov und den MSV-Verantwortlichem um Jürgen Marbach nach dem Abpfiff. FOTO: Volker Nagraszus
Duisburg. Die Partie war abgepfiffen und Ilia Gruev machte sich auf. Auf, jeden Spieler nochmal abzuklatschen, kurz in den Arm zu nehmen. "Das war nichts Besonderes, das macht er immer so", wollte Fabian Schnellhardt das Ganze nach dem Abpfiff nicht überinterpretieren. Aber es wirkte nun mal wie eine Verabschiedung von seinen Jungs. Von den Rängen schallten Pfiffe und "Gruev raus"-Rufe aufs Feld. Es muss ein harter Gang für den Coach gewesen sein. Jener Coach, der den MSV so sehr lebt und mit dem die Verantwortlichen eigentlich noch einen langen Weg gehen wollten. Eigentlich. Von Steffen Penzel

Aber nach acht Spielen ohne Sieg und einem immer größer werdenden Abstand zu den gesicherten Mittelfeldplätzen müssen Ingo Wald, Ivo Grlic und Peter Mohnhaupt jetzt wohl handeln. Wer wird gegen Köln auf der Trainerbank sitzen? "Wir werden uns jetzt zusammen setzen und dann gemeinsam entscheiden, was das Beste für den Verein ist", sagte ein sichtlich mitgenommener Ingo Wald nach der Partie. Er habe aber nicht das Gefühl, dass die Mannschaft nicht mehr hinter dem Trainer stünde. "Das ist definitiv nicht so." Einen Schnellschuss, so der MSV-Präsident, werde es nicht geben. "Wir lassen uns jetzt ein, zwei, drei Tage Zeit und fällen dann eine Entscheidung. Wir müssen den Bauch aus- und den Kopf einschalten." Er sprach es nicht aus, aber es ist eigentlich klar: Ingo Wald & Co. müssen und werden jetzt handeln. Und der Trainer? Der sagte in der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Wir haben heute nach dem 0:2 nicht aufgegeben und werden auch nicht aufgeben. Wir leben das Wir-Gefühl auch weiterhin." Ob er glaubt, auch in Köln noch auf der Bank zu sitzen? "Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich kann nur hart arbeiten. Aufgeben ist für mich keine Option. Und ich weiß, dass es zwischen Trainer und Mannschaft funktioniert. Alles andere kann ich nicht beurteilen."

Im Prinzip waren die Geschehnisse in der 78. Minute bezeichnend für die ganze Partie. Es war eine erneute Fehlerkette, an deren Ende der Deckel auf die Partie kam. Erst ließ sich Dustin Bomheuer an der Eckfahne im Zweikampf abkochen, dann kam der tapfere, aber in der Situation übermotivierte Andy Wiegel gegen Marco Grüttner zu spät und holte ihn ungeschickt im Elfmeterraum von den Beinen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Jann George zum 1:3-Endstand, während Wiegel noch wütend den Rasen der schauinsland-reisen-Arena bearbeitete. Es waren nur zwei Fehler von viel zu vielen. Klar, Fehler passieren. Und ja, manchmal entstehen daraus auch Gegentreffer. Aber in der Qualität und Anzahl, wie sie der MSV momentan auf den Rasen bringt, rächen sich Fehler immer. Zwei Mal patzte der zu Spielbeginn komplett desorientierte MSV in Mittelfeld und Defensive entscheidend, zwei Mal sagten die konterstarken Gäste aus Bayern Danke und netzten zur frühen 2:0-Führung ein.  

Im Vergleich zum Magdeburg nahm Ilia Gruev zwei Änderungen vor: Für Cauly Souza begann Joseph-Claude Gyau, für Sebastian Neumann startete Gerrit Nauber in der Innenverteidigung. Für Neumann war es der ersten Bankplatz der laufenden Spielzeit, für das Duo Nauber/Bomheuer ihr erster gemeinsamer Startelf-Einsatz. Duisburg begann gegen stets gefährliche Bayern mit viel Druck. Gerade Ahmet Engin wirbelte auf Links die Regensburger Defensive anständig durcheinander. Die beste Duisburger Chance in der Anfangsphase hatte Stanislav Iljutcenko, der sich nach neun Minuten frei vor Philipp Pentke im Regensburger Kasten durchwühlte, dann aber aber am Jahn-Keeper scheiterte. Wie man es besser machte, zeigte im direkten Gegenstoß Marco Grüttner, der Daniel Mesenhöler das Leder zur 1:0-Führung durch die Beine schob. Zwei Minuten später dann ein Missverständnis zwischen Daniel Mesenhöler, der fatalerweise auf seiner Linie kleben blieb, und seiner konfusen Defensive, die auch nicht verhindern konnte, dass Sebastian Stolze seelenruhig und komplett blank zur 2:0-Vorentscheidung einschob. "Wieder zwei so dumme Gegentore, wieder zwei Schläge direkt in die Fresse", stand Lukas Fröde nach der Partie fassungslos im Spielertunnel.

Die Reaktionen der Hausherren auf das drohende Debakel? Wütende Angriffe. Kevin Wolze per Freistoß (19.) hatte eine gute Möglichkeit, fand aber im stark reagierenden Pentke seinen Meister. Fünf Minuten später sah die MSV-Welt schon wieder besser aus, als Joe Gyau am langen Pfosten eine feine Engin-Flanke zum 1:2-Anschlusstreffer in die Maschen jagte. Der MSV drückte weiter aufs Gas, Jahn sah sich immer weiter in die eigene Hälfte gepresst. Doch auch zwei gute Kopfballchancen von Nauber und Fröde nach Ecken brachten nichts Zählbares  - und so ging es mit 1:2 aus MSV-Sicht in die Kabinen. "Wir sind gut zurück gekommen und hatten dann ja noch unsere Chancen in der ersten Halbzeit. Nur wir müssen sie dann auch einfach machen", hatte Fröde beobachtet.  

In Halbzeit zwei waren neun Minuten gespielt, da hatte Ahmet Engin aus zentraler Position eine gute Abschlusschance. Nach 62 gespielten Minuten reagierte Gruev zum ersten Mal und brachte John Verhoek für den glücklosen Boris Tashchy. Sieben Minuten später kam dann Souza für den Torschützen Gyau, was der MSV-Anhang nur mäßig klasse fand und mit gellenden Pfiffen und "Gruev raus"-Rufen quittierte. Dann kam die beschriebene 78. Minute - und damit war die Partie gegessen.

Als nächstes müssen die Zebras in Köln antreten. Es gibt sicherlich dankbarere Aufgaben. "Das wird nicht einfach. Aber was sollen wir jetzt machen? Wir müssen uns jetzt fokussieren und weiter Gas geben um die Überraschung in Köln zu schaffen", verkündete Lukas Fröde.