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Experiment fehlgeschlagen

Experiment fehlgeschlagen
Zufriedenheit sieht anders aus: Die Spieler nach dem Abpfiff der Dresden-Partie vor den pfeifenden Fans in der Nordkurve. FOTO: nagr
Duisburg. Mit derben Kopfschmerzen ging es für die MSV-Profis nach der 1:3-Offenbarung gegen Dynamo Dresden in die Winterpause. Nach der bitteren Pleite zeigte sich Neu-Trainer Torsten Lieberknecht, der notgedrungen viel ausprobieren musste, restlos bedient. Von Steffen Penzel

Als Fußball-Fan hat man es mitunter nicht leicht. Da ist von Zeit zu Zeit Leidensfähigkeit gefragt. Als Unterstützer des MSV Duisburg macht es zur Zeit aber vermutlich besonders wenig Spaß. Der positive Trend nach dem Trainerwechsel von Ilia Gruev zu Torsten Lieberknecht hat sich ins Gegenteil verkehrt. Die starke Stabilität, die der neue Übungsleiter seiner Truppe verpasst hat - weg, verpufft. In den vergangenen vier Partien gab es drei ganz böse Reiben. Positiver Ausreißer: das Heimspiel gegen Hamburg. Was aber auch verloren ging. Womit es sich in guter Gesellschaft befindet. Denn von neun Auftritten vor den eigenen Fans schlichen die Zebras in dieser Spielzeit acht Mal als Verlierer vom Platz.

Vor dem Dresden-Spiel stellte Lieberknecht treffenderweise fest: „Wenn du in dieser Liga die Klasse halten willst, musst du Zuhause natürlich erfolgreicher auftreten.“ Bei seinen Spielern hat der Pfälzer „einen schweren Rucksack“ bei Heimspielen ausgemacht. Und den schleppen Moritz Stoppelkamp & Co. in dieser Saison mit sich durch die Gegend, schaffen es aber irgendwie nicht, ihn auch mal abzulegen.

Vor der Dresden-Partie quälten den MSV-Chefcoach arge Personalsorgen. Durch Sperren (Schnellhardt und Albutat) sowie Formkrisen (Fröde) brach ihm seine komplette Schaltzentrale weg. Dazu musste der bisher so stabil und stark auftretende Rechtsverteidiger Andy Wiegel angeschlagen passen. In solchen Situationen entstehen Chancen für Spieler aus der zweiten Reihe. Yanni Regäsel ist so einer. Der zeigte sich gegen die Sachsen aber derart überfordert und taktisch von der Rolle, dass Lieberknecht ihn nicht nur zur Halbzeit vom Feld nahm, sondern auch arg zu bezweifeln ist, dass die MSV-Anhänger ihn so bald über längere Zeiträume auf dem Platz sehen werden. Ein anderer ist Lukas Daschner. Der Youngster ist hoch veranlagt, keine Frage. Das zeigt er jede Woche bei den Trainingseinheiten. Doch gegen Dresden und auch in Heidenheim tauchte er nahezu gänzlich ab, schaffte es nie, dem Duisburger Spiel Tiefe, Antrieb und Struktur zu verleihen. Klar, der Acker in der Arena beraubte Daschner seiner größten Stärke, seiner Technik. Aber da fragt am Ende auch keiner nach. Er nutzte die Chance (noch!) nicht, sich nachträglich auf den Trainerzettel für Startelf-Einsätze zu spielen. Was schade ist. Denn ein Daschner mit breiter Brust würde die Zebras ein gutes Stück unberechenbarer machen und ihnen extrem gut zu Gesicht stehen.

Eines der größten Fragezeichen tut sich aktuell beim Blick auf die Leistungen von Moritz Stoppelkamp auf. Der technisch versierte Routinier ist komplett von der Rolle. Er weiß das. Und spricht es auch aus. „Das ist bisher noch nicht meine Saison, das weiß ich auch. Ich habe noch nicht richtig den Anschluss gefunden.“ Dafür wird es aber Zeit. Denn der MSV in der aktuellen Verfassung braucht jetzt einen erfahrenen Haudegen, der mit guten Leistungen und Selbstbewusstsein voran geht.

Einer, der seine Chance genutzt hat, ist Young-Jae Seo. „Der Junge muss mir mehr anbieten im Training“, gab es vor wenigen Wochen unverhohlene Kritik von Torsten Lieberknecht. Zwei sehr souveräne und abgeklärte Auftritte in Vertretung für Kevin Wolze über 90 Minuten später dürfte Lieberknecht sein Urteil revidiert haben.

Vorne im Sturm ist volle Flaute angesagt. Das liegt natürlich auch daran, dass der tapfer ackernde Stanislav Iljutcenko und seine wechselnden Mitstreiter kaum gefüttert werden. Das liegt aber auch daran, dass auch „Stana“ beste Chancen nicht nutzt und besser postierte Mitspieler wie gegen Dresden übersieht. Fest steht: Der verletzte Borys Tashchy fehlt an allen Ecken und Enden.

Die Pressekonferenz nach der Dresden-Partie war eine seltsame. Denn so sauer und fast schon fahrig hatte man Torsten Lieberknecht bisher noch nicht erlebt. Seine Worte wirkten fast schon wie eine Drohung. „Die Art und Weise, wie wir das Spiel bestritten haben, hat mir gar nicht gefallen. Das werde ich in der Form nicht akzeptieren“, presste der bitter enttäuschte Lieberknecht heraus. Was er damit meinte, und wie etwaige Konsequenzen aussehen könnten, verriet er allerdings nicht wirklich. So oder so, es kommen auch in der Winterpause spannende Wochen auf den Tabellen-16. zu. Spannend weil: Schafft es der Trainer, das schlingernde Zebra wieder auf Kurs zu bringen? Und schafft es Sportdirektor Ivo Grlic trotz des engen Korsetts, in der Pause auf dem Transfermarkt tätig zu werden?

(Niederrhein Verlag GmbH)