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Entfesselt aufspielender MSV verliert 1:3 bei Fortuna Düsseldorf
Ein Wahnsinn von einem Fußballspiel

Entfesselt aufspielender MSV verliert 1:3 bei Fortuna Düsseldorf: Ein Wahnsinn von einem Fußballspiel
Und wieder nicht drin. Stanislav Iljutcenko und Kingsley Onuegbu können es nicht fassen... FOTO: MaBoSport
Düsseldorf. Eines kann man dem MSV Duisburg in Liga zwei ganz sicher nicht vorwerfen: dass seine Spiele langweilig wären. Denn was die Gruev-Elf da im emotional und atmosphärisch dicht gepacktem Straßenbahn-Derby auf den Rasen gebracht hat, war mal wieder aller Ehren wert. Das Problem dabei: Das Ergebnis wurde dem enormen Aufwand, den die Gäste betrieben, nicht gerecht. Denn die Hausherren präsentierten sich, anders als der MSV, vor dem gegnerischen Kasten eiskalt.  Von Steffen Penzel

Das Spiel in der Düsseldorfer Esprit-Arena war noch gar nicht angepfiffen, da kochte die Atmosphäre im MSV-Gästeblock zum ersten Mal über. Eine Salve von Kanonenschlägen gefolgt von einer nicht mehr enden wollenden Pyro-Show in Blau und Rot hatten einige MSV-Fans im Gepäck. Es dauerte, allen Appellen im Vorfeld des Hochsicherheitsspiels und allen Beschwichtigungsversuchen des Stadionssperchers zum Trotz, bis weit in die erste Halbzeit hinein, ehe auch das letzte Feuerwerk abgebrannt war. Und so war früh klar: Ein unterkühltes Derby wird es mit Sicherheit nicht geben. Und: Das wird ein ziemlich teueres Auswärtsspiel für den MSV. Auf dem Rasen ließen beide Teams auch keine Langeweile aufkommen. Es waren keine drei Minuten gespielt, da musste Mark Flekken im Zebra-Kasten das erste Mal hinter sich greifen. Der heillos überforderte und verunsichert wirkende Tugrul Erat hatte seinen Gegenspieler Benito Raman ziehen lassen. Der flankte präzise und gänzlich ungestört auf Rouwen Hennings, der keine Probleme hatte, zum 1:0 für die Hausherren einzunicken. Und es ging weiter Schlag auf Schlag. Zeit, sich auszuruhen - Fehlanzeige! In der sechsten Minute war es wieder Erat, der sich einen Bock erlaubte. Darauf zog Jean Zimmer ab, traf seinen Kapitän Oliver Fink, der unhaltbar für Flekken zum 2:0 für die Fortunen abfälschte. Auf den Rängen rieben sich über 41.000 Zuschauer die Augen, während es im Gästeblock weiter munter brannte.

Pyro-Wahnsinn: In der ersten Halbzeit brannte es unaufhörlich im MSV-Block. FOTO: MaBoSport

Der MSV schüttelte sich ein Mal kurz und wechselte dann in den Angriffsmodus. Die Folge war eine Angriffswelle nach der nächsten, die auf das Tor von Raphael Wolf rollte. Die dickste von vier Großchancen inklusive Lattentreffer vergab Moritz Stoppelkamp vom Elfmeterpunkt. Nach der Pause gings nahtlos weiter. Der MSV schnürte die Hausherren in ihrer Hälfte fest und erspielte sich mit viel Courage weiter beste Möglichkeiten. Die verrückteste vergab Enis Hajri, dessen Ball vom linken zum rechten Innenpfosten seelenruhig über die Torlinie hoppelte. Und auch das anschließende Gestochere auf der Torlinie ging unfassbarerer Weise zugunsten der zu dem Zeitpunkt nur noch glücklich führenden Fortunen aus. Kurz darauf folgte die kalte Dusche. Die Fortuna, ganz Spitzenmannschaft, zeigte, wie es gemacht wird: Ein präziser Konter, erfolgreich abgeschlossen durch Raman - und das Spiel schien nahezu entschieden.

Fabian Schnellhardt war wieder zurück auf dem Platz und zeigte eine starke Leistung. FOTO: MaBoSport

Doch, weit gefehlt. Der MSV dachte gar nicht daran, klein beizugeben und stürmte einfach weiter. Moritz Stoppelkamp traf per Flachschuss zum 1:3 - und der mit sicherlich 7000 MSV-Fans besetzte Gästeblock bebte. Der MSV stürmte weiter, während die Fortunen auf weitere Konter lauerten. Das Spiel wog ohne Pause hin und her. Offene Visiere und Hochgeschwindigkeitsfußball auf beiden Seiten - mit dem am Ende besseren Ende für glückliche Düsseldorfer, die also weiter an der Spitze der 2. Liga trohnen. "Wir mussten heute hart arbeiten, denn der MSV hat es uns nicht leicht gemacht", musste auch Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel nach der Partie zugeben. Sein Gegenüber Ilia Gruev trauerte bei der Pressekonferenz nach dem Spiel den vielen vergebenen Chancen hinterher: "Ich habe ein unglaubliches Spiel gesehen, leider mit dem falschen Endergebnis für uns. Wir bekommen nach jedem Spiel Applaus und Lob und sind am Ende trotzdem immer ohne Punkte, was mich sehr ärgert."

Der MSV muss sich weiter nach unten orientieren. Mit der Moral und der spielerischen Klasse im Gepäck muss den Meiderichern aber eigentlich nicht bange sein. Jetzt ist erst mal Länderspielpause. Zeit, sich von diesem denkwürdigem Wahnsinns-Kick in der Landeshauptstadt zu erholen. Am 13. Oktober kommt Eintracht Braunschweig in die MSV-Arena. Mal sehen, ob es dann mit dem ersten Dreier im heimischen Stadion klappt...