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Torsten Lieberknecht über Ilia Gruev
"Ein fantastischer Mensch"

Torsten Lieberknecht über Ilia Gruev: "Ein fantastischer Mensch"
Torsten Lieberknecht bei seiner heutigen Vorstellung an der Westender Straße. FOTO: Nico Herbertz
Duisburg. Ilia Gruev ist nicht mehr Trainer des MSV Duisburg. Nach fast drei Jahren im Job wurden Gruev und sein Co-Trainer Yontcho Arsov Montag Mittag von ihren Aufgaben entbunden. Der Neue an der Seitenlinie: Ex-Braunschweig-Coach Torsten Lieberknecht. Und der hält ganz große Stücke auf seinen Vorgänger. Von Steffen Penzel

Torsten Lieberknecht ist das, was man gemeinhin wohl als "geradeaus" bezeichnen würde. Eine ehrlicher Haut, kein Schaumschläger. Das zeigte sich direkt bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer Trainer des MSV Duisburg. Auf seinen Vorgänger Ilia Gruev, der nach der 1:3-Pleite gegen Regensburg am Samstag gemeinsam mit seinem Co-Trainer Yontcho Arsov "von seinen Aufgaben entbunden" wurde, wie es in der MSV-Pressemitteilung heißt, angesprochen, sagte Lieberknecht: "Ilia und mich verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Ich hätte gerne jemand anderen abgelöst." Gruev hätte ihm sofort eine Nachricht zukommen lassen und ihm viel Glück gewünscht. "Das zeigt ein mal mehr, was für ein fantastischer Mensch er ist", so der dreifache Familienvater.

Zwei Punkte aus acht Partien, dazu eine verheerende Anzahl an spielentscheidenden Abwehrfehlern - die MSV-Verantwortlichen sahen keinen anderen Ausweg mehr. Dass die Mannschaft gegen den Trainer spielen würde, oder die Chemie zwischen Team und Trainer nicht mehr stimmen würde, sei nie das Thema gewesen, so MSV-Präsident Ingo Wald, der betonte, dass die Entscheidung gegen Gruev "schweren Herzens"getroffen worden sei. Und auch Ivo Grlic betonte bei der Lieberknecht-Vorstellung, wie schwer allen die Trennung gefallen sei. "Er war sehr loyal, war immer mit dem Herzen dabei. Das hat es uns nicht leicht gemacht." Am Ende aber musste eine Entscheidung zum Wohle des Vereins gefällt werden, so Grlic.

Schweren Herzens hat auch Gruev seinen Spind geräumt. Denn an seiner besonderen Beziehung zu seinem Herzensclub, den er vor knapp drei Jahren in der Krise übernommen und zurück in die zweite Liga geführt hat, hat er nie irgendwelche Zweifel gelassen. "Die fast drei Jahre hier als Cheftrainer waren für mich mehr als ein Job. Der MSV lag mir immer am Herzen und er wird mir auch künftig nicht egal sein. Dieser Verein und die Fans der Zebras waren, sind und bleiben etwas ganz Besonderes", verabschiedete sich Gruev.

Der MSV, so der neue Zebra-Coach, sei genau die richtige Adresse für ihn: Er habe das Gefühl, dass er "genau hier hin" passe. "Ich mag Traditionsclubs. Und ich mag es, mich einer reizvollen Aufgabe voll und ganz und mit aller Macht zu verschreiben." Das wird auch nötig sein. Denn die Aufgabe ist keine kleine. Seine Agenda, so Lieberknecht, stehe: "Ich will die Mannschaft und ihren Zustand kennen lernen und dann schnell den Fokus auf das Köln-Spiel am Montag legen."
Seit vielen Wochen habe er sich, "da bin ich ganz ehrlich", schon mit den Zebras beschäftigt. Unter anderem. Für den Fall, dass einer der Krisenclubs einen neuen Trainer benötige, wollte er gewappnet sein. Was er gesehen hat? "Eine Mannschaft, die lebt, die eine tolle Moral hat." Was er verbessern will? "Wir müssen mehr Stabilität reinbekommen, müssen defensiv besser stehen." Und auch vorne könne man "noch mehr Kreativität reinbekommen." Motivationsprobleme beim Coach, der Eintracht Braunschweig zehn Jahre lang trainiert hat, wird es nicht geben, versichert der: "Der Akku ist voll und ich hab wahnsinnigen Bock auf diesen Club."