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Zebras starten mit einem unglücklichen 0:1 bei Dynamo in die Saison
Ein bitterer Schluss

Zebras starten mit einem unglücklichen 0:1 bei Dynamo in die Saison: Ein bitterer Schluss
Simon Brandstetter vor der gelb-schwarzen Wand. Der Stürmer zeigte eine klasse Leistung, verpasste es aber kurz vor Schluss freistehend, sein Team zum Sieg zu schießen. FOTO: Nico Herbertz
Dresden. Fabian Schnellhardt war erschöpft, niedergeschlagen und stolz in einem. "Wir haben eine gute Leistung gezeigt und können zufrieden sein", befand der Mittelfeldstratege. Von Steffen Penzel

88 Minuten lang zeigten sich die Gäste auf Augenhöhe mit dem Tabellenfünften der vergangenen Zweitliga-Saison, hatte der MSV die Dresdner am Rande einer Niederlage. Dann kamen die letzten beiden Minuten. Und die brachen den Zebras das Genick. Erst köpfte Lucas Röser vollkommen unbedrängt aus kurzer Distanz ein -  Mark Flekken hatte keine Chance.  Und dann gab's kurz darauf und Sekunden vor dem Abpfiff noch Gelb-Rot für den bis dahin bärenstarken Lukas Fröde. "Das ist einfach extrem bitter", befanden Schnellhardt und Ivo Grlic unisono. Und der Sportdirektor legte noch nach: "Wir hatten hochkarätige Chancen, hatten die besseren Möglichkeiten und gehen trotzdem als Verlierer vom Platz. Beim Gegentor schlafen wir. Davor haben wir es aber sehr gut gemacht", lobt der Manager, der die Gelb-Rote für Fröde nicht weiter kommentieren wollte. "Das weiß Lukas ganz alleine, dass das dumm war." Bedient war auch der emsige Moritz Stoppelkamp, der bei gleich zwei guten Möglichkeiten die Führung auf dem Fuß hatte. "Ärgerlich, beide Schüsse waren ganz knappe Dinger." Und auch MSV-Chef Ingo Wald war nach dem Abpfiff bedient. "Das war ein guter Auftakt. Aber schade, dass die Jungs sich nicht belohnt haben." Wie üblich sachlich und aufgeräumt bewertete Ilia Gruev die unglückliche Niederlage. Trotzdem merkte man ihm eine halbe Stunde nach Abpfiff an, dass er die Schlussphase noch lange nicht verdaut hatte. "Wir standen kompakt, haben aggressiv gespielt und uns viele Torchancen kreiert, was auswärts nicht selbstverständlich ist. Schade ist wirklich, dass wir hier nicht mindestens einen Punkt mitnehmen und uns durch Gelb-Rot noch so schwächen für das nächste Spiel."

Gruev ging mit der folgenden Elf in die Partie: Im Tor stand wenig überraschend Mark Flekken, das Innenverteidiger-Duo bildeten Dustin Bomheuer und Gerrit Nauber, flankiert von Kevin Wolze (links) und Nico Klotz (rechts). Im zentralen Mittelfeld schenkte Gruev erwartungsgemäß Fabian Schnellhardt und Lukas Fröde das Vertrauen. Links spielte Moritz Stoppelkamp, rechts Neuzugang Cauly Souza, der den Vorzug vor Ahmet Engin und Andy Wiegel erhielt, der erst gar nicht mit nach Sachsen gereist war. Im Sturm begann neben dem zunächst gesetzten Borys Tashchy der in der Vorbereitung so starke Simon Brandstetter. Schiedsrichter der Partie war Felix Zwayer.

Die Zebras ließen sich zu Beginn von der beeindruckenden Atmosphäre im voll besetzten DDV-Stadion nicht einschüchtern, spielten schnell durchs relativ offene Dynamo-Mittelfeld und starteten mit drei Halbchancen für Simon Brandstetter (2. und 14. Minute) und Cauly Souza (6.). Zwei vielversprechende Kontersituationen konnten die Gäste zudem nicht ganz zu Ende spielen. Aber auch die Hausherren kamen mit Druck ins Spiel und kombinierten sich einige Mal gefährlich in Richtung MSV-16er. Es war das typische erste Saisonspiel mit offenen Visieren, Nervosität und vielen Räumen auf beiden Seiten.

Die erste Hundertprozentige hatten dann die Schwarz-Gelben, als Erich Berko nach Sahne-Pass vom Lumpi Lambertz alleine vor dem MSV-Kasten in Mark Flekken seinen Meister fand. Kurz darauf war Manuel Konrad per Flachschuss aus 16 Metern zur Stelle, doch wieder parierte Flekken stark. Auch die Großchance von Pascal Testroet vereitelte der Holländer, knallte dabei aber mit Testroet zusammen, der daraufhin mit dick bandagiertem Knie verletzt das Feld verlassen musste. Ab dem Zeitpunkt kassierte Flekken bei jedem Ballkontakt gellende Pfiffe von der gelb-schwarzen Wand hinter ihm. Bis zur Halbzeitpause passierte bis auf einen Wolze-Freistoß aus 18 Metern und einer guten Stoppelkamp-Möglichkeit nicht mehr viel. Und so ging es mit einem 0:0 in die Kabinen, das Mut auf mehr machte.

Die erste Gelegenheit in Halbzeit zwei gehörte den Hausherren. Beim Distanzschuss von Patrick Möschl war Mark Flekken mit den Fäusten zur Stelle. Und weiter ging's auf der anderen Seite: Der wuselige Cauly Souza hatte in Minute 62. die Gäste-Führung auf dem Fuß, verzog aber aus halbrechter Position alleine vor Dynamo-Keeper Marvin Schwäbe. Dann wieder Dresden, wieder eine gute Chance -  diesmal durch Rico Benatelli - wieder eine starke Flekken-Parade (68.). In der 70. Minute kam Tugrul Erat für Cauly Souza. Zwei Minuten später hatten die 800 MSV-Fans den Torjubel schon auf den Lippen, aber der abgefälschte Schuss vom emsigen Moritz Stoppelkamp klatschte nur an den Pfosten. Wieder drei Minuten später stand Simon Brandstetter komplett blank vor Marvin Schwäbe, schoss dem Dynamo-Torwart aber aus kürzester Distanz nur vor die Brust. Und anstatt, dass der MSV mit 1:0 als Sieger vom Platz ging, kam die bittere Schlussphase. Der MSV wird daraus lernen müssen. Stolz auf einen couragierten ersten Auftritt in Liga zwei dürfen sie aber trotzdem sein...