| 13.23 Uhr

Enis Hajri im Portrait
Die WM als Sahnehäubchen?

Die Bilder aus dem Trainingslager: Tag drei in Bildern
Die Bilder aus dem Trainingslager: Tag drei in Bildern
Almancil/Portugal. Nach dem Regenintermezzo vom Vortag war sie heute wieder da, die wärmende Sonne Süd-Portugals. Doch faul in der Sonne liegen galt natürlich nicht für die MSV-Profis. Ganz im Gegenteil: Athletik-Coach Miro Lusic hatte sich ein feines Zirkel-Training für die Zebras zurecht gelegt. Einer, der da gar keinen Stress mit hat, ist Enis Hajri, der mit 34 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu sein scheint. Von Steffen Penzel

Bei lauter Chartmusik aus der Boombox ließ der neue Fitness-Mann im MSV-Stall die Profis schwitzen. Auf dem Programm standen Stabilisierungs-, Koordination- und Kraftübungen. Die Spieler ertrugen es mit Fassung. Und es durfte auch mal gelacht werden - zum Beispiel als Lusic die schwitzende Runde mit Breakdance-Moves aufheiterte. Das wollte Enis Hajri nicht einfach so unkommentiert lassen und zeigte eindrucksvoll, dass auch 34-Jährige in Sachen Breakdance noch lange nicht zum alten Eisen gehören. "Da habe ich gezeigt, was ich in den 90ern mal gelernt habe", kicherte Hajri.

Ilia Gruev applaudierte lachend und zog danach ein positives Fazit der morgendlichen Workout-Runde. "Das waren richtig harte Übungen. Ich freue mich, dass alle so gut mitgezogen haben. Da sieht man, dass die Jungs in der Winterpause alle fleißig waren und ihre Hausaufgaben gemacht haben." In den nächsten Tagen wird Gruev den Fokus mehr aufs Spielerische und Taktische legen, ehe dann am Samstag und Montag die Testspiele gegen Bejing und Ajax, "beides richtig starke Teams, die uns komplett fordern werden", so Gruev, anstehen.

Enis Hajri ist trotz seiner bald 35 Jahre immer noch einer derer, die ganz vorne mit dabei sind, was Fitness und Leistung angeht. Und das hat sich auch in der Hinrunde niedergeschlagen, in der der Tunesier auf der rechten Abwehrseite dem MSV-Spiel seit der Düsseldorf-Partie Stabilität verleiht. "Der Trainer hat mich reingeholt, damit ich für Stabilität sorge. Dass das so gut geklappt hat, macht mich natürlich stolz", so Hajri, der zum Schluss der Hinrunde auch in der Offensive für einige Akzente sorgen konnte. "Wir waren zunehmend dominant. Und das eröffnet mir dann natürlich auch die Wege nach vorne", so Hajri, der aber weiß, wo die Priorität zu liegen hat: "Die Null muss stehen, das ist das Allerwichtigste."

Seine gute Form kommt dabei nicht von ungefähr. Hajri gibt in jedem Training Vollgas, streut Ergänzungssportarten wie Boxen in seinen Trainingsplan ein, geht jeden Tag in den Fitness-Raum und macht seine Übungen, "damit ich gelenkig und kräftig bleibe und den Vorteil, den jüngere Spieler haben, ausgleiche." Dazu kommt, dass der 34-Jährige vor eineinhalb Jahren seine Ernährung komplett umgestellt hat und seit dem nahezu vollständig auf Kohlenhydrate und Milchprodukte verzichtet. Das Ergebnis ist ein komplett austrainierter Körper. "Ich habe einfach gemerkt, dass das für mich der richtige Weg ist und mir gut tut. Ich habe mich noch nie so fit und gut gefühlt wie momentan. Und ich laufe mit 34 Jahren immer noch in der ersten Gruppe - das sagt doch alles." Ein Körperfett-Anteil von unglaublichen sechs Prozent ist der Lohn für die harte Arbeit und den Verzicht.

Seine guten Leistungen haben dafür gesorgt, das auch andere Vereine auf ihn aufmerksam geworden sind, so dass für ihn klar ist, "noch ein, zwei Jahre hinten dran zu hängen." Am liebsten natürlich beim MSV, mit dem er in Bälde über einen neuen Vertrag verhandeln könnte. "Ich würde am liebsten meine Karriere hier beenden. Hier fühle ich mich wohl, hier kenn ich die Leute, hier habe ich in den letzten vier Jahren tolle Momente erleben dürfen."

Zur Krönung seines guten Laufes könnte im Idealfall sogar noch die Einberufung zur tunesischen Nationalelf für die WM im Sommer folgen. "Ja, es gibt Kontakt zum Verband", berichtet Hajri, der den Ball aber flach hält. "Ich mache mir nicht zu viele Hoffnungen. Das wäre schon Weltklasse, wenn ich das noch mitnehmen könnte. Klappt es nicht, ist das aber auch kein Beinbruch."

Für die Zeit nach der aktiven Karriere hat er auch schon konkrete Pläne. Von Stuttgart aus, wo seine Familie herkommt, will er dem Fußball am liebsten "als Teammanager, Sportdirektor oder Berater" erhalten bleiben. Ein Plan, der vermutlich aufgehen wird. Denn wenn Enis Hajri eines ist, dann wohl ehrgeizig und zielstrebig, was seine Ziele angeht...