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Die ärgerlichen Standards

Die ärgerlichen Standards
Georg Margreitter fliegt heran zum 2:0. FOTO: Volker Nagraszus
Wedau. Zwei Kopfballtore nach Ecken besiegelten letztlich das Aus für den MSV Duisburg in der ersten Runde des DFB-Pokals. Die Zebras rannten bis zum Schluss gegen den Rückstand an, doch Wolzes Elfmetertor in der Nachspielzeit kam zu spät; 1:2 hieß es nach 95 Minuten gegen den 1. FC Nürnberg. Von Thomas Warnecke

"Jeder hat gesehen, dass wir unbedingt gewinnen wollten", sagte MSV-Trainer Ilia Gruev nach dem Spiel, und sein Gegenüber Michael Köllner stimmte zu: "Wie wir es im Vorfeld erwartet hatten, so war es auch: Der MSV hat uns bis zum Schluss extrem gefordert." Beide Mannschaften kamen richtig gut ins Spiel, zeigten Drang nach vorne. Nürnberg wurde mit Weitschüssen gefährlich – einmal aufs Tordach, einmal von Flekken abgewehrt, dann hatte Simon Brandstetter, der sich wieder richtig viele Gelegenheiten erarbeitete, das 1:0 auf dem Fuß, kam mit seinem Flachschuss aus knapp zehn Metern aber nicht am Nürnberger Schlussmann vorbei (15. Minute). Wenig später dann erneut eine der gefährlichen Nürnberger Ecken, Behrens am kurzen Pfosten köpft unhaltbar für Flekken unter die Querlatte (21.). Der MSV versucht zu antworten, doch Brandstetter zieht volley zwei Meter daneben. Danach häufen sich die Fouls, der Spielfluss lahmt, Tashchy (33.) versucht es aus der Distanz. Dann wieder Ecke für Nürnberg, 0:2. "Ich lauf zwei Schritte rückwärts und komme dann nicht richtig hoch", erinnert sich Lukas Fröde, "da kommt er auch schon angerauscht." Er ist Georg Margreitter und drückt das Leder mustergültig mit dem Kopf ins Netz. "Diese Ecken brechen uns momentan das Genick", sagt Lukas Fröde, nachdem ja auch schon zum Ligaauftakt in Dresden ein später Standard den K.o. bedeutete; "das muss aus den Köpfen raus."

In Halbzeit zwei lassen es die Nürnberger dann langsam angehen und beschränken sich weitgehend darauf, ihren Vorsprung zu verteidigen. Was ihnen auch gelingt, weil sie hinten sehr gut stehen und weil der MSV jetzt teilweise kopflos wirkt. Fehlpässe und zu schnelle Ballverluste bringen das Aufbauspiel immer wieder ins Stocken. Mit Kingsley Onuegbu für Brandstetter (59.) kommt neuer Schwung – mit einem alten Rezept: weite Flanken hoch nach vorne. "Da haben wir gemerkt: Wenn wir sie vorne unter Druck setzen, dann spielen die auch nicht mehr so sauber hinten raus", sagt Fabian Schnellhardt. Doch erst eine Viertelstunde vor Schluss machen die Zebras auf und so richtig Druck – zu spät? "Wir wollten kontrolliert spielen, unseren Stil nicht ändern", sagt Gruev. "Klar haben wir das 1:2 zu spät gemacht. Aber zu spät aufgemacht – nein, mit dem Druck, mit den Emotionen, da verdienen wir Respekt."

Und es war wirklich Druck und Emotion drin, die 15.576 Zuschauer machten richtig Lärm. Club-Coach Köllner beklagte nur den frühen Anstoß, "sonst wären wir nicht nur mit 1.000 Leuten hierhergekommen." Auch die Duisburger Standards wurden gefährlicher, Onuegbu köpft nach Wolze-Ecke knapp drüber (78.), der für Stoppelkamp eingewechselte Iljutcenko bekommt nach einer vom King verlängerten Ecke kurz vorm Tor nicht genug Druck hinter den Ball (83.), ein abgefälschter Versuch von Onuegbu geht an die Querlatte (86.), Fröde verzieht aus 20 Metern knapp (90.). In der Nachspielzeit wird der zum Kopfball abgehobene Tashchy von hinten geschoben, es gibt Elfmeter, Wolze schnappt sich sofort die Kugel und verwandelt sicher – aber zu spät.

"Was mich richtig geärgert hat, war, dass wir durch zwei Standards in Rückstand geraten sind", resümiert Gruev nachher. "Und uns fehlt die Ruhe beim Abschluss." Doch physisch konnte der MSV bis zum Schluss mithalten. "Das sind alles Kleinigkeiten, dafür werden wir jetzt abgestraft", meinte Fabian Schnellhardt. Lukas Fröde ist trotzdem zuversichtlich: "Das sind Sachen, die kann man korrigieren; Standards kann man trainieren. Wir sind noch früh in der Saison." Die geht in der Zweiten Liga für den MSV am Samstag um 13 Uhr beim 1. FC Heidenheim weiter; nächstes Heimspiel ist am Freitag, 25. August, um 18.30 Uhr gegen Darmstadt.

(Niederrhein Verlag GmbH)