| 17.58 Uhr

Tapfere Duisburger spielen 3:3 in Magdeburg
Daschner setzt den Schlusspunkt

Tapfere Duisburger spielen 3:3 in Magdeburg: Daschner setzt den Schlusspunkt
Der Schlusspunkt: Lukas Daschner netzt zum 3:3-Endstand ein. FOTO: Nico Herbertz
Magdeburg. Der MSV Duisburg hat in einem wahnsinnig intensiven Spiel in Magdeburg einen Punkt geholt. Obwohl den Zebras beim 3:3 der letzte Treffer des Spiels gelang, haderten die Meidericher - mit dem eigenen Fehlverhalten und mit einer abermals unglücklichen Schiedsrichterentscheidung.   Von Steffen Penzel

Dustin Bomheuer war geschafft und bedient. Und das, obwohl seinen Zebras der letzte Schlag des Spiels gelungen war. 3:3 stand es nach aufreibenden, nervenzehrenden 93 Minuten. "Klar wollen wir ein kontrolliertes Spiel und keinen offenen Schlagabtausch", machte der Abwehrchef klar. Klar war ihm aber auch, dass sich der MSV mindestens zwei der drei Tore quasi selbst eingeschenkt hatte. "Wir lassen uns zweimal überrumpeln, das darf uns einfach nicht passieren. Wer drei Auswärtstore schießt, muss so ein Spiel einfach gewinnen", haderte Bomheuer. Gemeint waren die Situationen vor dem 1:1 und dem 1:2 aus MSV-Sicht. Erst per Einwurf und dann per Freistoß wurde die Zebra-Defensive überrumpelt. "Der Einwurf hatte was vom Dresden-Spiel. Und auch den Freistoß haben wir uns fast selber reingelegt."

Richtig geärgert hat sich Bomheuer auch über die Entstehung des letzten Magdeburger Treffers, der nach einem zweifelhaften Eckstoß-Pfiff fiel. "Wie in fast jedem Spiel kam mal wieder eine Schiedsrichter-Entscheidung dazu. Daran alleine liegt es natürlich nicht, aber da war das Glück mal wieder definitiv nicht auf unserer Seite", zuckte Bomheuer enttäuscht mit den Schultern. Das sah auch sein Trainer so. "Das war niemals ein Eckstoß, das hat jeder gesehen. In unserer Situation zählt jede Entscheidung. Und es war jetzt die vierte klare Fehlentscheidung gegen uns in sieben Spielen. Das ist schon bitter."

Positiv anzumerken: Der MSV hat Moral bewiesen, hat gefightet und gebissen - und sich so am Ende noch einen Punkt verdient. "Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen und hatten auch ausreichend Chancen dazu. Leider schießen wir uns zwei Tore selber rein. Trotzdem: Ich bin stolz auf die Jungs, dass sie es geschafft hat, wieder zwei Mal einen Rückstand aufzuholen und wieder eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters wett zu machen."

Der Schlusspunkt eines furiosen Schlagabtauschs war Youngster Lukas Daschner vorbehalten. Der spitzelte kurz vor Abpfiff den Ball zum Endstand ins Netz. "Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe einfach gehofft, dass der Ball dahinkommt und ihn dann reingemacht. Ich bin sehr sehr glücklich", schwärmte Daschner nach dem Abpfiff im Spielertunnel. Und auch sein Trainer war stolz. "Ich freue mich sehr für ihn, dass er sich für seine harte Arbeit belohnt hat." Nach dem Spiel war Daschner noch zum Trainer gekommen und widmete den Treffer seinem Coach. Der wollte davon aber nichts wissen. "Das Tor war nicht für mich, sondern für ihn. Das hat er sich mehr als verdient."

Zum Spiel: Bei seiner Aufstellung verzichtete Ilia Gruev auf Überraschungen und bot die gleiche Startelf auf wie am vergangenen Spieltag beim 1:2 gegen Aue. Überraschend jedoch die Tatsache, dass sich John Verhoek nach seiner Schulterverletzung und seinem ersten Trainingseinsatz am Vortag bereits im Kader wiederfand. "Ich will der Mannschaft unbedingt helfen", kündigte der Sturmneuzugang kurz vorm Anpfiff an. Und das durfte er auch: Eine Viertelstunde vor Schluss wurde der Niederländer für Boris Tashchy eingewechselt. 

Die Marschroute für den Auswärtsauftritt der Zebras beim Aufsteiger in Sachsen-Anhalt war eine klare: "Wir müssen gewinnen", machte MSV-Chefcoach Gruev vor dem Spiel klar. Es waren noch keine drei Minuten gespielt, da hatte Kevin Wolze von Halblinks die erste gute Abschlusschance, verzog aber klar. Mehr war vorerst nicht, der abgelaufene Spieltag schien bei beiden Teams seine Spuren hinterlassen zu haben. Der MSV war nach dem Nackenschlag aus dem Aue-Spiel um Struktur, Kontrolle und sauberen Spielaufbau bemüht, die Hausherren agierten nach dem 4:4-Scheibenschießen in Paderborn vorerst reichlich abwartend.

In der 20. Minute dann Jubel in der Gästekurve und auf der MSV-Bank. Per Außenrist bediente Kevin Wolze Stanislav Iljutcenko mustergültig, der alleine vor Alex Brunst im FCM-Kasten die Nerven behielt und zur 1:0-Gästeführung einschob. Zwei Minuten später dann eine Dreifach-Chance im Getümmel vor dem Magdeburger Tor - allerdings diesmal ohne Torerfolg. Und es lief weiter gut für nun selbstbewusste Gäste. In der 26. Minute hatte Cauly Souza nach schönem Gegenstoß die Chance zum 2:0, verzog aber aus zentraler Position deutlich. Im direkten Gegenzug waren die Duisburger im Glück, dass Nils Butzen aus fünf Metern frei übers Tor säbelte. Und auch die nächste Chance gehörte nun mit breiterer Brust auftretenden Hausherren. Diesmal war es Michel Niemeyer, der aus kurzer Distanz weit über den zuvor unsicher faustenden Daniel Mesenhöler schoss. Eine noch bessere Möglichkeit ließ Björn Rother kurz darauf liegen. 30 Sekunden später durfte sich auch Marcel Costly mal alleine vor Mesenhöler probieren, machte es aber auch nicht besser als seine Teamkollegen. Mehr passierte in der ersten Halbzeit nicht, die die zum Ende arg schwimmenden Zebras nur dank der Abschlussschwäche der Magdeburger schadlos überstanden.

Die Pausenansprache von Ilia Gruev schien seinen Mannen zunächst gut getan zu haben. Der MSV präsentierte sich nun wieder geordneter. Aus stabiler, defensiver Ordnung heraus waren die Gäste auf Nadelstiche aus. Die Rechnung hätte aufgehen können, wenn sich Sebastian Neumann & Co. nicht, wie schon in Dresden passiert, mit einem einfachen, schnell ausgeführtem Einwurf hätten überrumpeln lassen. Christian Beck sagte Danke und schob zum Ausgleich ein. Und es kam noch dicker. Nach Engin-Foul trat Philip Türpitz in der 64. Minute zum Freistoß aus 18 Metern an - und verwandelte an der schlecht gestellten Zebra-Mauer vorbei trocken ins kurze Eck zur Führung. Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Es waren keine weiteren 60 Sekunden gespielt, da jubelte der MSV wieder. Diesmal war es Kevin Wolze, der per Freistoß zum 2:2 traf.

Magdeburg spielte nun auf Sieg, aber auch der MSV hatte die Hoffnung auf drei Punkte noch nicht aufgegeben. Nach langer Abstinenz durfte Lukas Daschner in der 82. Minute mal wieder Pflichtspielluft schnuppen. Der vermeintlich entscheidende Punch war aber den Hausherren vorbehalten. Und wieder mal haderten die Zebras mit dem Unparteiischen. Nach arg zweifelhaftem Eckstoßpfiff von Schiedsrichter Daniel Schlager nickte Christopher Handke in der 83. Minute zum 3:2 für den FCM ein. Aber die Zebras gaben sich noch nicht geschlagen und kamen durch den jungen Lukas Daschner zurück, der aus kurzer Distanz zum 3:3-Endstand traf.