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Borys Tashchy - Duisburgs neue Sturmhoffnung
"Das fühlt sich nach Familie an"

Borys Tashchy - Duisburgs neue Sturmhoffnung: "Das fühlt sich nach Familie an"
FOTO: Penzel
St. Johann. Borys Tashchy ist die neue Sturmhoffnung im Team des MSV Duisburg. Das Gespräch im Spielerhotel in St. Johann führen wir auf Englisch, auch wenn sein Deutsch nach nur drei Jahren im Lande schon richtig gut ist. "Wir können auch deutsch sprechen, aber auf Englisch kann ich einfach noch präziser sein", sagt er und lächelt dabei tiefenentspannt. Der baumlange Ukrainer, dessen Vater aus Bulgarien stammt, soll die Tormaschine in der Zebra-Offensive ein wenig auf Vordermann bringen. Von Steffen Penzel

Wobei, und da wird der sehr sympathische 23-Jährige im Gespräch mit uns gleich deutlich, er hat bei seinem neuen Club keine Sturmkrise ausgemacht. "Wenn eine Mannschaft so eine starke Saison spielt und immer ganz oben steht, finde ich es unfair, von einer Sturmkrise zu sprechen." Schließlich würden Stürmer ja auch abseits des Toreschießens wichtige Arbeit verrichten. Und genau so interpretiert der Offensivmann seine Rolle auch. "Wichtig ist doch, dass man nicht nur auf seine Torchance wartet, sondern, dass man mitspielt und seine Mitspieler in gute Positionen bringt", findet der Neuzugang vom VfB Stuttgart. Er selber sei flexibel einsetzbar, will sich gar nicht auf einen speziellen Typ Stürmer reduzieren lassen. "Mein Spiel ist variabel. Ich warte vorne nicht nur auf Kopfballflanken, sondern setze  meinen Körper, meinen Kopf und meine Technik ein, um mir und meinen Kollegen Chancen zu erarbeiten. Ich kann die Neun spielen, ich kann die falsche Neun spielen. Ich kann aber auch über die Flügel kommen."

Nach seiner Ausleihe im Winter ins tschechische Brünn, war dem 1,92 m großen Koloss klar, dass der VfB Stuttgart und er in diesem Sommer wohl getrennte Wege gehen werden. Und so ließ er Urlaub Urlaub sein und trainierte hart mit einem Fitnesstrainer, um sich auf neue Aufgaben vorzubereiten. Anfang Juni gab es dann den ersten Kontakt zu Ivo Grlic und Ilia Gruev. Der MSV war auf der Suche nach einem robusten, technisch guten und jungen Offensivspieler, der noch Entwicklungspotenzial hat - da passte Borys Tashchy bestens ins Schema. Die ersten Gespräche mit Grlic und Gruev verdeutlichten dem 23-Jährigen dann, dass der MSV die richtige Adresse für ihn ist. "Das waren sehr gute, angenehme Gespräche. Beide haben mich mit ihrer Philosophie überzeugt. Und der MSV ist ein großer Verein mit großer Tradition - das ist für mich auch immer wichtig."

Die ersten Tage mit seinen neuen Teamkollegen scheinen ihn in seiner Einschätzung zu bestätigen. Denn der "Neue" fühlt sich sichtlich wohl im Kreis der Zebras. "Das fühlt sich nach Familie an hier. Die Jungs haben mich toll aufgenommen und die Chemie im Team ist super." Sein Mannschaftsziel für die Saison ist klar. "Wir wollen die Klasse in dieser starken, ausgeglichenen und qualitativ hochwertigen Liga halten." Er selber würde gerne irgendwann seinen zehn Bundesligaspielen weitere hinzufügen. "Jeder sollte hohe persönliche Ziele haben, das ist eben mein großes Ziel."

Ob Stuttgart oder Duisburg - Borys Tashchy ist Deutschland-Fan, mag die Mentalität, mag das Leben hier. Und auch mit der Sprache klappt es schon sehr gut - gerade wenn man bedenkt, dass er erst seit drei Jahren hier ist und ohne jegliche Vorkenntnisse von Moskau nach Deutschland kam. "Ich habe lange nur zugehört und gesammelt. Dann, eines Tages, habe ich einfach angefangen zu sprechen. Und es klappt immer besser", freut er sich. Seine Freundin Jana ist gerade auf Wohnungssuche in Duisburg. Sportlich steht dann beim Cup der Traditionen das erste Highlight an. Denn mit Aston Villa kommt John Terry  am 23. Juli nach Duisburg. Eine Sache, von der Borys Tashchy erst im Pressegespräch erfährt. "John Terry, wow unglaublich, eine echte große Legende. Das wird eine tolle Erfahrung für uns alle." Und, wie wäre es, gegen den großen Terry ein Tor zu schießen? "Das wäre schon was! Ich bin auf jeden Fall vorbereitet", schmunzelt Borys Tashchy. Und in seinen Augen sieht man die Vorfreude blitzen...