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MSV siegt 2:0 gegen Pauli und wird Siebter
Baja verabschiedet sich mit Heimsieg

MSV siegt 2:0 gegen Pauli und wird Siebter: Baja verabschiedet sich mit Heimsieg
Die MSV-Spieler lassen ihren Kapitän Branimir Bajic zum Abschluss seiner Karriere in die Luft fliegen. FOTO: Volker Nagraszus
Duisburg. Der MSV Duisburg hat eine starke Zweitliga-Saison mit einem 2:0-Heimsieg gegen St. Pauli und als Tabellensiebter beendet. Emotionale Verabschiedung von Branimir Bajic.   Von Steffen Penzel

Vor dem Anpfiff wurde es emotional. Vor seinem letzten Pflichtspieleinsatz für die Zebras wurde Branimir Bajic vor der Nordkurve der schauinslandreisen-arena verabschiedet. Die schmetterte ihrem Kult-Kapitän donnernden Applaus und "Branimir Bajic"-Sprechchöre entgegen. Schon da kämpfte "Baja" mit den Tränen. Als dann aber auch noch sein Konterfei auf der Legenden-Wand in der Nordkurve enthüllt wurde, war es um seine Fassung endgültig geschehen, und der 38-Jährige ließ seinen Tränen freien Lauf. Sofort war auch sein Team zur Stelle – und alle Mitspieler nahmen den gerührten Bajic in ihre Mitte. "Das war sehr emotional heute. Es war auch vor dem Spiel schon schwer für uns. Baja ist eine Legende und er hat genau so einen Abschied verdient", befand Kevin Wolze, der für das Spiel gerne auf seine Kapitänsbinde verzichtet hat. "Wir haben so viele Jahre zusammen gespielt. Und wir sind in der gemeinsamen Zeit gute Freunde geworden. Das war auch für mich sehr sehr emotional. Ich musste die ein oder andere Träne verdrücken. Gott sei Dank haben wir für ihn und für unsere Fans gewonnen", freute sich Wolze, dass es mit dem Abschiedssieg für Bajic geklappt hatte. Und auch Lukas Fröde war froh, dass er noch "ein Jahr mit der Legende Branimir Bajic" zusammen spielen durfte. "Das war ein richtiges Gänsehautspiel heute. Wir haben alles reingehauen, um Baja diesen Sieg zum Abschied zu schenken." Auch sein Trainer freute sich für Branimir Bajic. "Das war die Bühne und der Abschied, die er sich absolut verdient hat."

Neben Bajic wurden auch Daniel Zeaiter, Dan-Patrick Poggenberg, Nico Klotz, Tugi Erat, Marius Krüger und Kingsley Onuegbu verabschiedet – allerdings erst in der Halbzeitpause. Und natürlich gab es gerade für den Publikumsliebling "King" Onuegbu, der von Ivo Grlic mit Krone und Zepter bedacht wurde, und Nico Klotz, "den Mann mit Beinen wie Nähmaschinen" (O-Ton Peter Mohnhaupt) nochmal eine anständige Extra-Portion Applaus. Der "King" ließ es sich dann auch nicht nehmen, sich noch mal persönlich auf dem Zaun der Nordkurve huldigen zu lassen.

Fußball wurde auch noch gespielt. In der Zebra-Startelf stand nicht nur Bajic als Kapitän. Auch Christian Gartner war von Ilia Gruev in die Startelf beordert worden. Vorne ackerte Borys Tashchy diesmal ohne die Unterstützung von Stanislav Iljutcenko. Ilia Gruev hatte schon vor der Partie auf ein "schönes, munteres Fußballspiel" gesetzt – schließlich ging es für beide Clubs "nur noch" um die Abschlussplatzierung. Und der MSV-Coach sollte zumindest grob recht behalten. In der mit fast 26.000 Zuschauern trotz fiesem Wetter gut besetzten Arena ging es direkt mit einer Wolze-Chance nach Schnellhardt-Ecke (4. Minute) munter los. Aber St. Pauli, von allen Abstiegsängsten befreit, spielte kombinations- und gedankenschnell und mit ordentlich Druck auf den Kasten von Daniel Davari, der erneut Mark Flekken vertrat. Die Abstände zwischen den Positionen beim MSV stimmten nicht – und so liefen die Hausherren den pfeilschnellen Hamburgern um Dimitrios Diamantakos zunächst meistens hinterher.

Das besserte sich dann im Laufe der ersten Halbzeit . Aber auch auf den Rängen passierte etwas. Die vielen Tausend Pauli-Fans suhlten sich im HSV-Abstieg. "Endlich 2. Liga – HSV" skandierten die Kiez-Fans. Das fand auch der MSV-Anhang spaßig und stimmte kurzerhand mit ein. Kurz vor dem Halbzeitpfiff dann Jubel im MSV-Lager. Nach einer Ecke und guter Vorarbeit von Tashchy musste Moritz Stoppelkamp nur noch am langen Pfosten einnicken. Der Weg des Torschützen führte ihn, natürlich, zu seinem Kapitän Branimir Bajic.

Die Gäste waren es dann in Halbzeit zwei, die mit ordentlich Dampf aus der Kabine kamen – allerdings ohne, dass es Ertrag gebracht hätte. Ansonsten glich das Spiel nun mehr und mehr einem Freundschaftsspiel. Das Highlight aus MSV-Sicht in Minute 59: Nach acht Jahren in Zebrastreifen war für Branimir Bajic Schluss. Der Abwehrchef, in seinem letzten Pflichtspiel ohne Gegentor geblieben, verneigte sich noch ein Mal. Das Stadion stand – und jeder einzelne MSV-Spieler herzte Baja im Mittelkreis. Ein sportliches Highlight gab es auch noch. Nämlich als Christian Gartner sich für seine gute Leistung mit dem 2:0 kurz vor Abpfiff belohnte. Durch den Sieg schließt der MSV die Saison als Tabellensiebter ab – ein toller Erfolg für den Aufsteiger. Ilia Gruev: "Hut ab vor meinen Spielern. Das war eine überragende Saison von uns. Wir waren nicht ein Mal unten in den gefährlichen Regionen. Umso schöner, dass wir die Saison positiv zu Ende gebracht haben." Das fand auch der MSV-Anhang, der sein Team mit Standing Ovations in die wohl verdiente Sommerpause verabschiedete. "Alle auf den Zaun" skandierten die Fans, die Mannschaft gehorchte brav. Und so wurde noch bis weit nach Abpfiff im Stadion gefeiert...