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MSV: Brust raus auf St. Pauli
„Wir fahren da nicht hin, um Weihnachtslieder mitzusingen“

MSV: Brust raus auf St. Pauli: „Wir fahren da nicht hin, um Weihnachtslieder mitzusingen“
Lukas Fröde drückt auch auf St. Pauli die Brust raus für Duisburg – was aufm Kiez ja auch ’ne schöne Ansage ist ... FOTO: Nagraszus/Archiv
Meiderich. Innerhalb von fünf Stunden waren die 2.500 Karten, die der MSV fürs Auswärtsspiel beim FC St. Pauli bekommen hatte, weg – schneller noch als gegen Düsseldorf. Der Kiezklub zieht. Aber St. Pauli steht auch mächtig unter Druck, während der MSV Duisburg sein Hinrundenziel schon erreicht hat. Von Thomas Warnecke

"Gegen St. Pauli ist immer was besonders, die Fans mögen sich", freut sich MSV-Coach Ilia Gruev auf die Fahrt nach Hamburg. "Vor so einer Kulisse ist es immer gut, zu spielen." Sportlich sieht die Sache schon anders aus: "Wir fahren nicht nach St. Pauli, um da Weihnachtslieder mitzusingen." Der Kiezklub ist nach zuletzt sieben Spielen ohne Sieg und seit Donnerstag mit neuem Trainer eine ziemliche Wundertüte. "Für uns ist alles möglich", sagt Gruev, "vom Ergebnis in Regensburg mal abgesehen haben wir uns auswärts eigentlich immer gut präsentiert."

"Auf St. Pauli ist immer Druck aufm Kessel", sagt Lukas Fröde, glaubt aber, dass seine Mannschaft nach dem souveränen Sieg gegen Greuther Fürth den positiven Schwung mitnehmen kann: "Wir fahren schon mit breiter Brust dahin."

Was Markus Kauczinski in knapp drei Tagen als neuer Chefcoach ausrichten kann, ist nicht nur für Gruev schwer auszurechnen. "In den ersten zwei Spielen ist das dieser 'Trainereffekt', da geht's vor allem um Psychologie, mit den Spielern reden", erinnert sich Gruev an seinen Einstand beim MSV, als er drei tage Zeit bis zum Spiel beim SC Freiburg hatte (1:1). "Ich bin aber auf jeden Fall überzeugt, dass die Mannschaft von Pauli mehr Potenzial hat als in den letzten Spielen abgerufen."

Lukas Fröde findet es ohnehin besser, auf sich selbst zu schauen: "Klar wird der Trainerwechsel bei Pauli für eine andere Stimmung sorgen; jeder Spieler möchte sich neu zeigen. Aber glaub mal nicht, dass es für uns schwieriger wird, weil die einen neuen Trainer haben." Womit er sagen will: So oder so muss der MSV sein Spiel machen, "konzentriert und gut strukturiert" (Gruev), "wir tun gut daran, uns auf uns zu konzentrieren."

Bitter ist da der Ausfall von Moritz Stoppelkamp, der mit seiner Bänderverletzung im linken Knöchel für die letzten beiden Spiele in diesem Jahr – nach St. Pauli der Rückrundenstart gegen Dresden am Sonntag drauf – ausfällt. "Aber er hatte Glück im Unglück", so Gruev – es hätte schlimmer kommen können. Trotzdem: Der MSV-Top-Scorer (mit Tashchy) wird nicht eins zu eins zu ersetzen sein. Ahmet Engin hat als Einwechselspieler verlässlich gute Leistungen gebracht, so Gruev – ansonsten ist eigentlich nur noch Erat für die linke Seite da. Oder Wolze geht nach vorne und Poggenberg spielt hinten links. Wer immer aufläuft – "wir werden Stoppelkamp kollektiv ersetzen müssen."

Gruev fährt trotzdem entspannt nach Hamburg. Im Verein "herrscht Ruhe, weil wir 22 Punkte haben." 40 Punkte für den Nichtabstieg waren das Saisonziel, mehr als die Hälfte haben die Zebras schon vor dem letzten Hinrundenspiel zusammen, also alles im Soll. Trotzdem ist der Vorsprung von vier Punkten auf den Relegationsplatz nicht groß, geht es in der zweiten Liga verdammt eng zu. So gesehen ist die Partie auf St. Pauli eine Art Sechs-Punkte-Spiel. "Die Leute gehen dahin, um ein Fußballfest zu feiern", sagt Lukas Fröde, der es beeindruckend findet, dass in der letzten Saison, als Pauli lange auf dem letzten Platz stand, das Stadion am Millerntor trotzdem immer ausverkauft war. Doch er möchte nicht noch einmal erleben, dass die Zebras vor Euphorie "den Kopf verlieren": "Wenn der Schiri anpfeift, geht es um Elf gegen Elf. Es geht um drei Punkte, das ist das oberste Gebot."

(Niederrhein Verlag GmbH)