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„Jeder Spieler bekommt eine faire Chance“

„Jeder Spieler bekommt eine faire Chance“
MSV-Sportdirektor Ivo Grlic. FOTO: Penzel
MSV-Sportdirektor Ivo Grlic hat sich zu den Fans im kleinen Stadion des Angerberger Fußball-Clubs gesetzt und das Testspiel seiner Zebras gegen den Karlsruher SC beobachtet. Und das, was er da und in den Trainingslagertagen zuvor gesehen hat, dürfte ihn zu großen Teilen zuversichtlich stimmen. Wir haben mit dem Sportlichen Leiter der Zebras über das Trainingslager, die Neuzugänge und die anstehende Saison in Liga zwei gesprochen. Von Steffen Penzel

Die wichtigste Frage vorab: Ist der Kader des MSV Duisburg für die Saison komplett oder kommt noch ein Spieler?

Wir sind zu 99 Prozent durch mit unserer Kaderplanung, soviel kann ich sagen.

Wie läuft das Trainingslager bisher und wie ist Dein Eindruck von der Mannschaft?

Ich bin bisher sehr zufrieden. Wir haben sehr gute Bedingungen, und die Jungs ziehen alle richtig gut mit.

Das erste Testspiel gegen Karlsruhe ist gelaufen, wie viel Aussagekraft haben solche Testspiele Deiner Meinung nach?

Nicht so furchtbar viel. Ich erwähne es ja immer: Ich habe selber als Aktiver Vorbereitungen gehabt, in denen wir alle Testspiele gewonnen haben, und der Start ging trotzdem daneben. Und es gab Vorbereitungen, in denen wir alle Testspiele verloren haben, und dann sind wir mit einem Sieg in die Liga gestartet.

Aber Erkenntnisse liefern solche Spiele doch schon, oder?

Ja sicherlich, Erkenntnisse bekommt man natürlich. Man darf dabei aber auch nicht vergessen: Die Jungs sind alle müde von den Trainingseinheiten. Aber sie haben ordentlich dran gezogen und Gas gegeben, das ist das Wichtigste.

Wie viel Aussagekraft hat die Aufstellung, die Ilia Gruev jetzt gegen Karlsruhe gewählt hat?

Auch das sollte man nicht überbewerten, wir sind schließlich mitten in der Vorbereitung. Wir haben ja noch ein wenig Zeit, bis es los geht. Und da wird nun auch mal ein bisschen was ausprobiert.

Wie wichtig wird der Start in die Saison sein?

Wir wollen auf jeden Fall einen besseren Start haben als vor zwei Jahren, das ist klar. Und da gilt es eben, eine harte, sehr gute Vorbereitung zu absolvieren, bei der sich jeder Spieler einbringt. Und anders als vor zwei Jahren wünsche ich mir, dass wir diesmal auch von einem solch extremen Verletzungspech verschont bleiben, damals ist uns ja fast ein Drittel des Teams ausgefallen – das kannst du einfach nicht kompensieren. Dann bin ich auch guter Dinge, dass wir vernünftig in die Saison kommen.

Was glaubst Du: Schafft das Team es, die Aufstiegseuphorie über die Sommerpause zu retten und in die neue Saison mit hinein zu nehmen?

Ich denke schon, dass sie das schafft. So wie die Mannschaft und jeder einzelne von ihnen sich präsentiert, sehen die Fans ja auch, dass hier sehr gute Stimmung herrscht. Und dann werden unsere Anhänger uns, so wie in den vergangenen Jahren auch schon, kräftig unterstützen. Die stehen immer wie eine Eins hinter uns. Die Euphorie werden wir sicherlich aufrecht erhalten.

Was muss anders laufen als vor zwei Jahren, wo der MSV ja einen Katastrophenstart in die 2. Liga erwischte?

Mathematisch gesehen ist es ganz einfach: Wir müssen mehr Punkte holen. Nein, aber mal im Ernst, ein guter Start in die Liga ist wichtig, aber auch nicht entscheidend. Die Saison hat 34 Spieltage und unser einziges Ziel ist es, am 34. Spieltag über dem Strich zu stehen.

Wie bewertest Du die Sommertransfers? Und wie sind die Neuen in der Mannschaft aufgenommen worden?

Wir haben charakterstarke Spieler geholt, die Mentalität haben und die Qualität mitbringen. Ich glaube, dass die Jungs, die wir geholt haben, perfekt nach Duisburg und in die Mannschaft passen. Und das Team hat die neuen Spieler sehr gut aufgenommen. Der Einstieg ist bei uns für die Neuzugänge aber auch einfach, weil wir eine intakte Mannschaft haben. Ich glaube, da gab es keine größeren Anlaufschwierigkeiten. Mein Eindruck ist, dass sich die neuen Spieler schon richtig wohl bei uns fühlen.

Die Konstellation Fabian Schnellhardt und Lukas Fröde im zentralen Mittelfeld scheint ganz gut zu funktionieren, oder wie ist Dein Eindruck?

Natürlich kann das richtig gut funktionieren. Lukas ist bekannt für seine Kopfballstärke, für seine Zweikampfstärke. Und Fußball spielen kann er auch richtig gut. Es ist aber nicht so, dass Lukas nur zum Absichern da ist und Schnelli für das Spiel nach vorne. Schnelli ist, und das vergessen viele ja auch manchmal, einer unserer besten Balleroberer in der Mannschaft und dementsprechend auch für die Absicherung zuständig. Dazu kommt, dass Lukas mit seiner Größe auch vorne eine Waffe bei Standards sein kann. Aber wir sind im gesamten Mittelfeld gut aufgestellt, haben einen gesunden Konkurrenzkampf, und werden sehen, wer am ersten Spieltag aufläuft.

Und Gerrit Nauber? Ist er Deines Erachtens schon jetzt ein Kandidat für einen Startplatz in der Innenverteidigung?

Jeder Spieler bekommt eine faire Chance in der Vorbereitung, jeder kann sich präsentieren. Und Gerrit ist in den Jahren zuvor ein Führungsspieler gewesen, hat Verantwortung in seinen Teams übernommen, war ja sogar Kapitän. Er hat richtig Qualität und auch er wird seine Chancen erhalten.

Wie ist Deine Prognose für die Saison in dieser 2. Liga, in der es vermutlich ziemlich eng zur Sache gehen wird?

Für mich sind Ingolstadt, Braunschweig, Union Berlin und Darmstadt die Mannschaften, die vorne mitspielen werden. Aber auch Heidenheim darf man keinesfalls unterschätzen. Für uns ist das Ziel, über dem Strich zu stehen. Wir werden sehen, mit wem wir da auf Augenhöhe sind. Vielleicht werden wohl Regensburg und Kiel direkte Konkurrenten sein. Aber, ehrlich gesagt, damit beschäftigen wir uns gar nicht. Wir schauen, wie immer eigentlich, nur auf uns. Wir wollen unser Ziel erreichen.

(Niederrhein Verlag GmbH)