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MSV ist zurück in Liga zwei!
„Ich liebe diesen Verein“

MSV ist zurück in Liga zwei!: „Ich liebe diesen Verein“
Grenzenlose Erleichterung und Freude bei Tim Albutat & Co. nach dem Abpfiff im Kölner Südstadion. Fotos(4): MaBo Sport
Köln/Duisburg. Der MSV hat es endlich gepackt! Nach dem souveränen 3:0 bei Fortuna Köln ist die Mannschaft von Ilia Gruev zurück in Liga zwei. Der Coach zeigt sich nach Abpfiff sehr emotional und wird von den Fans auf Händen getragen. Von Steffen Penzel

Als endlich Schluss war, als die Rechenschieber endlich eingepackt werden konnten und der Wiederaufstieg endlich eingetütet war, brach alles raus aus Ilia Gruev. Der sonst so kontrollierte und stets disziplinierte MSV-Coach ballte seine Fäuste, ging in die Knie und brüllte seine ganze Freude in den sonnigen Kölner Nachmittagshimmel. "Jaaaaaaa, wir haben es gepackt!!!", jubelte Gruev mit seinem Co Yontcho Arsov. Und dann kam sie schon, die blau-weiße Fanlawine, die Gruev und seine Spieler verschluckte. Kurze Zeit später trugen die MSV-Fans ihren Aufstiegs-Coach auf Händen und Schultern über den Fortuna-Rasen. Der saß da oben, schwenkte Fahnen, klatschte ab, herzte Fans und schrie weiter seine Freude raus. Tugrul Erat, so eben dem Jubelknäuel entkommen, strich sich den Schweiß aus dem Gesicht, grinste sein breitestes Grinsen und probiert zu erklären, was gerade in ihm vorgeht. "Das ist einfach nur geil hier mit den ganzen Fans zu feiern. Das ist mein erster Aufstieg und ich bin einfach nur glücklich. Jetzt wird die Nacht durchgefeiert", verkündete der Abwehrspieler - und schob noch schnell nach. "Und dann kümmern wir uns darum, dass wir nächste Woche gegen Zwickau Platz eins verteidigen." Neben ihm stand Fabian Schnellhardt, das Herz der Duisburger Mannschaft. "Gott sei Dank. Für das hier haben wir ein Jahr lang jeden Tag hart gearbeitet", strahlte "Schnelli". Neben ihm hatten sich MSV-und Fortuna-Fans bereits verbrüdert. "Es gibt nur eine Fortuna", sangen beide Fan-Lager. Dann skandierten die Kölner "MSV,MSV"-Sprechchöre.

Zehn Minuten später hatte Ilia Gruev bei einer Flasche Bier kurz Zeit, über das Geschaffte nachzudenken. "Wir haben immer an uns geglaubt. Auch als es nicht so gut lief. Man kann halt nicht immer eine ganze Saison Top-Leistungen bringen", sagte Gruev, überlegte kurz und legte dann das nach, was ihm offensichtlich wirklich auf dem Herzen lag. "Ich liebe diesen Verein. Ich hab hier auch als Spieler so viel erlebt. Und jetzt das, das ist schon etwas ganz besonderes. Ich bin richtig stolz. Das ist ein Gefühl, das immer bleiben wird." Sagte es - und bekam die obligatorische Bierdusche von Kevin Wolze, Nico Klotz und Zlatko Janjic verpasst. Der konnte Manager Ivo Grlic vorerst noch entgehen. Auch Grlic war die Erleichterung natürlich anzumerken. "Wir sind immer ruhig geblieben, das hat sich jetzt ausgezahlt. Und die Mannschaft hat das Vertrauen, was wir in sie gesetzt haben, voll bestätigt." Jetzt wolle er alles einfach nur genießen. "Und dann", so Grlic weiter, "kümmere ich mich um unsere Wunschspieler für die nächste Saison." Auch MSV-Geschäftsführer Peter Mohnhaupt, frisch von Andreas Rüttgers biergeduscht, pustete nach Abpfiff kräftig durch. "Langsam wurde es auch Zeit. Die Erleichterung ist sehr sehr groß."

Abklatschen mit dem „King“ nach dem Abpfiff

20 Minuten vor Anpfiff im mit über 7000 MSV-Fans voll besetzen kleinen Südstadion nahm Kapitän Branimir Bajic seine Mitspieler noch mal eindringlich ins Gebet. Wie immer bei "Baja" ging das Ganze besonnen, ruhig, aber auch sehr bestimmt über die Bühne. Die Worte schienen bei seinen Mannen angekommen zu sein. Denn die Gäste kamen gut in die Partie, drückte die Hausherren schnell in die eigene Hälfte und hatten nach vier Minuten durch Zlatko Janjics Kopfball und kurz darauf durch den nach seiner Gelbsperre zurückgekehrten Stanislav Iljutcenko die ersten guten Chancen der Partie. In Minute 13. Tauchte Iljutcenko nach Schnellhardt-Sahnepass alleine vor Tim Boss im Kölner Kasten auf, vertändelte den Ball aber.

Thomas Blomeyer und Mark Flekken - ganz glücklich...

In der 24. Minute hätte "Stana" es dann aber machen müssen, nachdem ihn Andy Wiegel mustergültig zentral bedient hatte. Aber Iljutcenko traf den Ball bei seiner Grätsche nicht richtig, der dann knapp am Pfosten vorbeitrudelte. In der 41. Minute war es dann Andy Wiegel, der es aus fünf Metern nicht schaffte, den Ball über die Linie zu stochern. Kurz darauf machte es die Nummer sieben besser. Nach Traumkombination Iljutcenko/Janjic musste Andy Wiegel den Ball nur noch ins leere Tor schieben – 1:0 für den MSV!

Andy Wiegel sorgte für das wichtige 1:0

In Halbzeit zwei waren erst drei Minuten gespielt, da hätte es eigentlich schon 3:0 stehen müssen. Aber Kingsley Onuegbu und Tugrul Erat gingen zu schlampig zu Werke. Trotzdem: Fortuna war nun besser im Spiel und kam gleich mehrfach per Standards zu guten Möglichkeiten. Doch dann nahm der "King", bis dahin komplett abgemeldet, in der 71. Minute eine schöne Flanke von Enis Hajri mit der Brust an und versenkte zur Vorentscheidung. "Nie mehr 3. Liga" und "Spitzenreiter, Spitzenreiter", skandierten die völlig losgelösten MSV-Fans- die Aufstiegsparty nahm langsam Fahrt auf. Und da ging fast unter, dass auch der eingewechselte Simon Brandstetter mit dem 3:0 den Schlusspunkt setzte. Der Rest war Jubel. Grenzenloser und in weiß-blau gehüllter Jubel.

(Niederrhein Verlag GmbH)