| 18.12 Uhr

„Der Damm ist gebrochen“

„Der Damm ist gebrochen“
Elfmeter verwandelt, Sack (fast) zugemacht – Rückkehrer Branimir Bajic dreht ab. FOTO: Volker Nagraszus
Wedau. Nach vier sieglosen Spielen ohne eigenes Tor mit zuletzt zwei Niederlagen hat der MSV Duisburg seine Krise beendet. In einer spannenden Partie setzten sich die Zebras mit 3:2 daheim gegen Rot-Weiß Erfurt durch. Von Thomas Warnecke

Von Beginn an war zu erkennen, dass der MSV aus seinem Zwischentief herauswollte. Zebra-Coach Ilia Gruev hatte gegenüber dem 0:2 in Kiel dreimal umgestellt. Branimir Bajic feierte seine Rückkehr; Blomeyer blieb dafür auf der Bank. Poggenberg verteidigte anstelle von Kevin Wolze, Wiegel spielte für Janjic.

Schon nach einer knappen Viertelstunde aber der Schock: Bomheuer ließ sich beim Versuch, zu Flekken zurückzupassen, vom Erfurter Neuner Uzan den Ball abnehmen, der zum 0:1 verwandelte. „Das war ein Blackout von mir“, sagte Bomheuer nach dem Spiel, „das darf mir nicht passieren.“

Vier Minuten brauchten die Zebras, um sich ins Spiel zurückzukämpfen: Ein zügig vorgetragener Angriff über Wiegel und Engin wurde im Strafraum von Stanislav Iljutcenko sauber abgeschlossen. Nur sechs Minuten später ist wieder „na, sagen wir mal“ (Stadionsprecher Stefan Leiwen) Iljutcenko zur Stelle, der mit seinem Rücken einen Wiegel-Freistoß unhaltbar abfälscht. Damit war die Partie noch in der ersten Halbzeit gedreht. Und nur zwei Minuten später setzte sich Schnellhardt aussichtsreich alleine durch und wurde von den Beinen geholt, doch Schiedsrichter Schult gab nur Gelb. Der MSV zeigte, dass er mit Druck über die Außen richtig was reißen kann. „Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen. Nach dem Gegentor haben wir gemerkt, das wir mehr Gas geben müssen“, sagte Kapitän Bajic nach dem Spiel. „Wir haben es geschafft, das Spiel noch in der ersten Halbzeit zu drehen, das war wichtig für die Mannschaft.“

Die auch in der zweiten Halbzeit von Beginn an weiter Druck machte. Doch auch Erfurt hatte sich längst nicht aufgegeben, so dass die 11.087 Zuschauer eine abwechslungsreiche, phasenweise packende Partie sahen. Heftig umstritten war fast jeder Pfiff des Schiedsrichters – besonders der in der 67. Minute: Nach einer Freistoßflanke wollte Erfurt-Torwart Philipp Klewin vor Iljutcenko klären, riss Duisburgs Nummer elf dabei um, und Schult gab Elfmeter. „Ich hätte erwartet, dass er auf Freistoß für mich entscheidet“, sagte Klewin nach dem Spiel. „Ob er auch den Ball gespielt hat, kann ich nicht sagen, aber er räumt mich auf jeden Fall richtig ab“, sagte Iljutcenko, der damit nach seinen beiden Treffern auch noch quasi die Vorlage für den dritten lieferte. Branimir Bajic, wer sonst, verwandelte sicher vom Punkt.

Der MSV wurde dann zunehmend leichtfertiger, spielte aussichtsreiche Konter nicht mehr sauber zu Ende, auch Onuegbu für Iljutcenko (70.) und Janjic für Brandstetter (78.) brachten keine neuen Ideen, um den Deckel draufzumachen. Stattdessen kam Erfurt tatsächlich noch zum Anschluss: Schnellhardt war im Strafraum einen Schritt zu spät gekommen und traf statt Ball den Gegner. Erb verwandelte sicher (83.) Zehn Minuten Zitterpartie – dann war der Sieg perfekt und die Tabellenführung weiter gesichert. „Nach zwei Niederlagen war das wichtig für unsere Fans“, sagte Ahmet Engin, der ein gutes Stück zur Wiedergutmachung beigetragen hatte. „Ich stand zweimal richtig“, freute sich Iljutcenko über seine ersten und gleich zwei Treffer in 2017. „Es war wichtig, eine Reaktion zu zeigen. Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, so der Matchwinner: „Der Damm ist gebrochen.“

(Niederrhein Verlag GmbH)