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Manchmal läuft’s halt

Manchmal läuft’s halt
Teilnehmer der Kleinen Serie bei ihrem Lauf über die 7,5 Kilometer-Distanz. FOTO: Abel
Duisburg. Teil zwei der AOK-Winterlaufserie des ASV Duisburg. Diesmal ging es für 1.385 Starter der Großen Serie, inklusive des Autors dieses Textes, über die 15 Kilometer-Distanz. Und was soll ich sagen? Es lief gut! Von Steffen Penzel

Mist, verzockt. Ich bin zu spät. Die Läufer der Kleinen Serie sind schon auf der Strecke - und die Zufahrtstraße zum Laufgelände natürlich gesperrt. Also schön außen rum um den Pudding, am Hochseilgarten parken und durch den Wald in Richtung MSV-Arena spazieren. Die Vögel zwitschern, ich auch. Nach nahezu drei verschnupften und fiebrigen Februar-Wochen im Anschluss an den ersten Lauf, bin ich rechtzeitig noch so ganz grob in Schuss gekommen. Ob es allerdings reicht, 15 Kilometer seitenstichfrei über die Bühne zu bringen? Man wird’s sehen. Der Vorteil: Meine Erwartungshaltung ist schön am Boden, und Ergebnisdruck gibt es sowieso nicht. Mit der Anmeldung zur Serie wollte ich mir ein Tritt in den faulen Hintern zu Beginn des Jahres verpassen, mehr nicht. Und die Rechnung ist ja auch aufgegangen...

Was ich allerdings gerade nicht kapiere, ist dieses Wetter. 15 Grad, Sonne, ein laues Lüftchen. Gestern waren es noch fast zehn Grad weniger - das soll mal einer verstehen. Am Startgelände angekommen und zum Beweis, dass die Winterlaufserie ihren Namen auch wirklich verdient, zeigt Friedhelm Abel vom ASV Duisburg mir auf seinem Laptop haufenweise Schneebilder von vergangenen Laufserien. Vereiste Straßen, zugeschneite Waldwege – Bilder wie aus einer anderen Zeit. Denn heute sind wir ziemlich weit von Winter entfernt, wie man beim Anblick von Hunderten Läufern in kurzen Hosen und T-Shirts unschwer erkennen kann.

Um Punkt 15 Uhr macht sich die motivierte Masse aus bunter Funktionskleidung auf den Weg. Diesmal kein Stauchaos auf der A59, der Startschuss erfolgt pünktlich. Ich hab meine Lehren aus dem 10 Kilometerlauf vor vier Wochen gezogen: Nicht zu schnell angehen, nicht auf die falschen Zugpferde setzen und nicht schon bei Kilometer drei an leckeres Essen und heiße Duschen denken. Es geht gut los. Ich hab mich bei den Läufern, die einen 5 Minuten-Schnitt laufen wollen, einsortiert. Meine Fixpunkte sind ein Hüne in schwarzen Klamotten und ein Läuferkollege im Gladbacher Oliver Neuville-Gedächtnistrikot. Mal schauen, wie es sich angeht.

Neuville, das merke ich schnell, ist mir ein bisschen zu schnell. Also konzentriere ich mich auf den Hünen. Ich merke zügig: Heute läuft’s gut. Der Kopf ist angenehm leer, der Rhythmus ein guter. Dazu kommt die Streckenführung. Die ist nämlich ein Mal mehr klasse. Gerade die große Schleife etwa ab Kilometer sechs durch den kühlen Wald rund um den Haubachsee macht Spaß. Als sich die ersten Gedanken über müde Beine in meinen Kopf schleichen, kommt Sonja ums Eck. Sonja ist die Freundin von Henning, dem Bruder meiner Schwägerin. Wir sind schon über 10 Kilometer etwa gleich schnell gewesen und tun uns ab Kilometer acht zusammen. Unser gemeinsames, kurzatmig abgesprochenes Ziel: unter 1:20 Stunde bleiben! Und es geht gut weiter. Nach dem Wald kommen wieder die Seen. Spaziergänger klatschen und feuern an. Eine ruft: „Ihr seid super in der Zeit. Weiter so! Und immer dran denken: Andere sitzen gerade auf der Couch und tun gar nix.“ Ich muss schmunzeln, merke aber, wie ich langsam platt werde. Dann die letzten drei Kilometer. Der DJ und die Sambaband pushen. Sonja schaut auf die Uhr und pusht auch. Ich probiere dran zu bleiben.

Dann kommt wieder der Turm der Sportschule ins Blickfeld. Wir geben Gas - und haben sogar noch Kraft für einen Schlussspurt im Stadion. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Knapp über 1 Stunde 15! Bääämm, sehr gut. High Five mit meiner Laufkollegin im Finishbereich. Sonja ist platt, ich auch. Das war ein gutes Gemeinschaftsprojekt. „Alleine hätte ich das Tempo nicht durchgezogen“, sagt sie. Ich stimme zu, atme, schwitze, trinke - und bin einfach nur verdammt zufrieden. Jetzt kann er ruhig kommen, der Endgegner Halbmarathon...

(Niederrhein Verlag GmbH)