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Kulturkippe
Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Kulturkippe: Wer ist die Schönste im ganzen Land?
FOTO: nvm
München/Duisburg. Ein bisschen schlapp für meinen Geschmack fällt die Bilanz des diesjährigen Duisburger Expo-Real-Auftritts aus. Ich meine, früher wurde sich das "Real" im Immobilienmessenamen redlich verdient, weil man sich über die Ideen königlich amüsieren konnte.

"floating homes", "living bridge", "waterfront ruhrort", "sky center" – mit kleingeschriebenen Projekten wollte eine Stadt groß rauskommen, und irgendwie musste man als Daheimgebliebener denken, die Stadtspitze tummelt sich da auf einer Veranstaltung der Lach- und Schießgesellschaft, einem Oktoberfest für Schnapsideen.
Und heuer? Kann man fürs "Marientor-Carree" (das Loch von Duisburg) einen Investor verkünden. Womit wiederum die wirklich schöne Idee der Partei "Die Partei" auch wieder nicht realisiert wird, die dort ein BUMS geplant hatte: "Berufskolleg UMS Marientor Süd" für das Modellprojekt "Fachkraft Sexgewerbe". Stattdessen investiert dort künftig das Familienunternehmen Hoff, dem wir an dieser Stelle eine baldige Hochzeit mit der Tochter des Bauunternehmers Nung wünschen ...
Aber dann vermeldet die Bilanz doch noch was Tolles, und zwar das Statement von GFW-Geschäftsführer Ralf Meurer. Der nämlich lässt wissen, dass "im Unterschied zum Vorjahr" Duisburg diesmal "gezielt aufgesucht und prior als Wunschstandort nachgefragt" worden sei. Ein Klostervorsteher als Wunschstandort? Na ... Und weiter: "Dabei wurde mir gespiegelt, dass die objektiven Fakten für Duisburg sprechen." Tatsächlich? Ungefähr so, wie der bösen Stiefmutter-Königin gespiegelt wurde, dass Schneewittchen noch tausendmal schöner sei als sie? So geht also Wirtschaftsförderung? Oder rächt sich hier einmal mehr, dass Duisburg meint, auf ein Sprechtheater verzichten zu können?
Keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich muss zu Tisch. Mir wurde gerade ein Ei gespiegelt.