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Wann ist der richtige Zeitpunkt? Versorgung & Unterstützung Angebote für Duisburger Bürger

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Versorgung &  Unterstützung Angebote für Duisburger Bürger
„So weit ist es doch noch gar nicht“, hören Andrea Braun-Falco, Geschäftsführerin der Hospizbewegung Duisburg-Hamborn und ihre Mitarbeiterinnen sehr häufig. Von Volker Wieczorek

Es war einer von den Anrufen, die sehr regelmäßig die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. erreichen. Frau S. meldet sich, weil sie sich völlig überlastet fühlt. Ihr Mann, der eine Tumorerkrankung hat, lehne jede weitere Therapie ab. Nun sei klar, dass er, auch wenn es ihm derzeit noch recht gut gehe, voraussichtlich bald sterben werde. Aber reden über diese absehbar begrenzte Lebenszeit könne in der Familie keiner mit ihm. Nun würde die Familie nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen solle.

Jeder hat andere Fragen: Ob Herr S. besser ins stationäre Hospiz ziehen sollte? Ob die Mutter nicht mit der Versorgung des Vaters überlastet sein würde, wenn dieser pflegebedürftig werde? Wie sollen sie miteinander über all dies reden? Wer könnte ihnen zu Hause helfen?

Die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. bietet in dieser Situation ihre Hilfe an. Diese sieht so aus, dass zunächst eine der beiden Koordinatorinnen zum Erstbesuch kommt, zuhört und berät, welche Möglichkeiten der weiteren Versorgung und Unterstützung es gibt– und dass später zudem einer der zahlreichen speziell durch einen Kurs auf Begleitung vorbereiteten Ehrenamtlichen regelmäßig zu Besuch kommt. Das Angebot der Ehrenamtlichen ist das Da-Sein, ebenso wie die Begleitung und Unterstützung innerhalb der Familie. Wenn diese ersten Punkte geklärt sind, und die Hospizbewegung ihren ersten Hausbesuch anbietet, heißt es dann mitunter: „Ja, aber soweit ist es doch noch gar nicht!“

Der Schreck über das deutliche Wahrnehmen des nahenden Abschieds bewirkt, dass manch einer die kostenlose Unterstützung der Hospizbewegung nicht annimmt. Dabei könne, so die Geschäftsführerin Andrea Braun-Falco, gerade ein möglichst frühzeitiger Besuch bewirken, Sicherheit zu geben. Das Aussprechen der Sorgen und Ängste und auch der Wünsche aller Beteiligten, das Angebot regelmäßiger Gespräche, das Kennenlernen der verschiedenen Unterstützungsangebote in Duisburg beim Verbleib zu Hause - all dies bringe etwas Ruhe in diese emotional belastende Situation der letzten gemeinsamen Lebenszeit. Ein frühzeitiges Kennenlernen der Ehrenamtlichen ermöglicht zudem den Aufbau einer helfenden tragenden Beziehung, die gerade in der letzten Lebensphase zusätzliche Stärkung bietet. Auch Familie S. habe, so Braun-Falco, letztlich einem ersten Besuch zugestimmt.

Und auch von Herrn S. wurde dies dankbar aufgegriffen. Gerade ihm lag es am Herzen mit einem Mann über seine Situation zu sprechen. Diese Besuche erleichterten auch die Ehefrau und nach kurzer Zeit war die gesamte Familie in der Lage über die Situation zu kommunizieren und weitere Schritte zu planen und zu gehen. Es war also doch schon so weit, dass die Hospizbewegung Duisburg-Hamborn e.V. kommen konnte.

Begleitung durch die Hospizbewegung bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Mensch sofort sterben muss, aber sie bedeutet in jedem Fall Unterstützung auf diesem letzten Weg - egal, wie lange er noch dauert.

(Niederrhein Verlag GmbH)