| 16.54 Uhr

Kooperationsprojekt von Friedensdorf, Bethanien und Lions
Medizinische Versorgung kriegsversehrter Kinder ermöglichen

Kooperationsprojekt von Friedensdorf, Bethanien und Lions: Medizinische Versorgung kriegsversehrter Kinder ermöglichen
Die Welt wird nicht besser, das Friedensdorf braucht daher starke Kooperationspartner. Und hat sie mit dem Bethanien und dem Lions Club Moers gefunden: Dr. Ralf Engels (Vorstand der Stiftung Krankenhaus Bethanien), Annika Schmitz (Friedensdorfs International), Dr. Christoph Chylarecki (Chefarzt der Fachklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie), Wolfgang Mertens (Stellv. Leiter des Friedensdorfs International), Dr. Thomas Voshaar (Ärztlicher Direktor, Bethanien), Philipp Schneider (Lions Club Moers), Prof. Dr. Robert Hierner (Plastischer Chirurg, Bethanien Moers), (dahinter) Dr. Reimund Göbel (Präsident, Lions Club Moers) und Dr. Michael Wallot (Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Bethanien). FOTO: KBM/fotolulu
Moers. Seit 30 Jahren besteht das Kooperationsprojekt zugunsten kriegsversehrter Kinder zwischen dem Lions Club Moers, dem Friedensdorf Oberhausen und der Stiftung Krankenhaus Bethanien. Beim diesjährigen Lions-Erntedankfest darf für diesen guten Zweck gefeiert werden. Von Claudia Basener

Friedensdorf International e.V. ist eine Hilfseinrichtung in Oberhausen, die kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten (derzeit aus neun verschiedenen Ländern, hauptsächlich Afghanistan und Angola) zwei Mal im Jahr zur medizinischen Versorgung nach Deutschland holt. Hier kooperiert sie mit Krankenhäusern, um die nötige medizinische Behandlung zu ermöglichen.

300 Kinder seien permanent zu betreuen, erklärt der stellvertretende Leiter Wolfgang Mertens, doch momentan gebe es nicht genug Betten. Dass die Kooperationsbereitschaft in diesem Bereich rückläufig sei, bestätigt auch Bethanien-Stiftungsvorstand und Klinikdirektor Dr. Ralf Engels: "Wir wollen mit der Weiterführung der Kooperation daher ein klares Statement abgeben."

Das Bethanien übernimmt Fälle, in denen es um rekonstruktive Maßnahmen geht: Häufig sind es Defekte des Knochen, wo 20 bis 25 cm fehlen. 70 dieser jungen Patienten hat die Einrichtung bisher behandelt, vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen; am Montag werden wieder zwei Kinder aus Afghanistan erwartet. "Wir nehmen meist zwei Kinder zusammen auf und sorgen dafür, dass sich die Kinder gut aufgehoben fühlen", erklärt Dr. Michael Wallot, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Zu Beginn des Aufenthalts steht eine ausführliche Untersuchung. Keime, Infektionen, Krankheiten wie Malaria - eine Gefährdung für das Kind im Laufe der Behandlung und die Ansteckung des Klinikpersonals und der anderen Patienten müssen ausgeschlossen werden. "Die Keime, mit denen wir zu kämpfen haben, werden immer resistenter und schwieriger zu bekämpfen", weiß Dr. Christoph Chylarecki, der sich als Chirurg um die eigentliche Kriegsverletzung kümmert: "Wenn wir ein Arm oder Bein retten, schenken wir dem Kind nicht nur die funktionstüchtige Gliedmaße, sondern auch die Möglichkeit im Ursprungsland zu überleben", so der Chefarzt der Chirurgischen Klinik II.

Ihm zur Seite steht mit Prof. Dr. Robert Hierner ein plastischer Chirurg, der Experte für Wunden und Brandverletzungen ist. Häufig seien mehrere Operationen nötig, berichtet der Leiter des Department für Plastische, Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie über den Ablauf des Aufenthaltes: "Bis ein Knochen heilt dauert es schließlich drei Monate, bei größeren Defekten kann es auch ein halbes bis ein Jahr dauern, ehe der kleine Patient nach Hause kann." In der Regel sind die Kinder nicht so lange im Krankenhaus, sondern ziehen ins Friedensdorf, von wo aus die ambulante Nachversorgung gewährleistet wird. Aber es hätte auch schon Patienten gegeben, die bis zu drei Jahre stationär aufgenommen werden mussten.

Ziel sei es jedoch immer, die Kinder so schnell wie möglich in einen Zustand zu bringen, der ihnen eine Teilhabe am Leben in der Heimat ermögliche, erklärt Dr. Wallot: "So tapfer viele der Kinder auch sind, sie sind hier schließlich ganz allein in einem fremden Land."

Aufenthalt und Behandlung - das kostet. 4,5 bis 5 Mio. Euro im Jahr muss das Friedensdorf über Spendengelder generieren, um die rund 300 Kinder zu versorgen. Schon für die Flüge werden pro Kind 700 bis 1000 Euro fällig. Auch im Bethanien ist die Finanzierung ein großes Thema, denn für die Behandlungen von ausländischen Kindern ohne Krankenversicherung stehen keine öffentlichen Gelder zur Verfügung. "Die operative, psychische und sozial-therapeutische Arbeit leisten unsere Mitarbeiter in ihrer freien Zeit", erklärt Dr. Ralf Engels, "die Sachkosten sind die andere Seite. Aber das ist Geld, was wir gerne bezahlen und das bekommen wir dank der Unterstützung der Lions auch gut hin."

Die Lions sind ebenfalls von Anfang an mit an Bord. "Dies ist eines unserer wichtigsten Engagements", bestätigt Dr. Reimund Göbel, Präsident des Moerser Clubs. Daher werden die Erlöse des Erntedankfestes in diesem Jahr für die medizinische Versorgung kriegsverletzter Kind eingesetzt. Kommen Sie am 22. September, 11 bis 18 Uhr, zum Musenhof Moers und feiern Sie mit für den guten Zweck. Es gibt Verkaufsstände, gutes Essen und Musik, Kinder können zudem auf das Programm der mittelalterlichen Lernstadt zurückgreifen. Auch das Ärzteteam des Bethanien wird an diesem Tag vor Ort sein und fleißig helfen: Dr. Christoph Chylarecki schenkt Kaffee aus und der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Voshaar den Wein.