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Umweltverschmutzung, Insektensterben... - Moerser Landwirt wehrt sich gegen Vorwürfe
"Ich bin stolz, Bauer zu sein!"

Umweltverschmutzung, Insektensterben... - Moerser Landwirt wehrt sich gegen Vorwürfe: "Ich bin stolz, Bauer zu sein!"
Matthias Meiwes bei der Rindtierfütterung: In dem bäuerlichen Familienbetrieb in Kapellen ist mittlerweile die vierte Generation tätig. Das Hauptgeschäft ist die Schweinemast. Das Futter für die Tiere wird selbst angebaut, Zuckerrüben und Raps gehen aber auch in den Markt. FOTO: cb
Niederrhein. Bauern sind schuld am Insektensterben. Bauern vergiften den Boden. Bauern schaden uns. Matthias Meiwes, staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt aus Moers-Kapellen, wehrt sich gegen diese Vorwürfe und kontert: "Wir arbeiten mit der Umwelt, nicht gegen sie." Von Claudia Basener

Matthias Meiwes ist gerne Bauer. Doch momentan fällt es ihm schwer, stolz auf seinen Beruf sein zu dürfen: "Landwirte stehen ständig am Pranger. Unser Ansehen ist am Tiefpunkt." Umweltverschmutzung, Insektensterben - für alles müsse der Bauer herhalten: "Landwirte eignen sich prima als Sündenböcke. Sie sind eine kleine Gruppe mit zu wenig Zeit, sich entscheidend an der aktuellen Diskussion zu beteiligen." Sitzungen etwa fänden zur besten Ackerzeit statt, der Bauer könne sich so nicht politisch einbringen. "Die Politik ist sehr einseitig geprägt", stimmt Vater Herbert Meiwes, promovierter Dipl.-Ing. agr. Agrarbetriebswirt, zu. Die Diskussionen sieht er daher unsachlich geführt; sein Beispiel: "Studien haben kürzlich erst belegt, dass LED-Licht, wie etwa von einer Straßenbeleuchtung, ebenfalls Anteil am Insektensterben hat. Darüber spricht niemand. Nur die Bauern sind immer schuld."

Und was ist mit Monokulturen, dem Anbau einer einzigen Pflanzenart über mehrere Jahre hinweg auf derselben Fläche, der die biologische Vielfalt zerstört? "Landwirte bauen keine Monokulturen an!", sagt Matthias Meiwes dazu und führt aus: "Die Fruchtfolge ist wichtig für die Gesundheit der Pflanzen. Bei uns folgt auf Raps, Weizen, Gerste und Zuckerrübe."

Und was ist mit dem Thema "Gülle"? Meiwes erklärt: "Pflanzen brauchen Stickstoff - ob biologisch (Gülle) oder chemisch (mineralischer Dünger). Da immer mehr Menschen versorgt werden müssen, wird immer mehr angebaut und immer mehr Gülle ausgebracht. Der Landwirt muss auch rechnen, damit am Ende was übrig bleibt. Schließlich leben wir davon." In der Gülleverordnung sei aber klar geregelt, was erlaubt sei. Man dürfe nicht mehr Gülle fahren als die Pflanze brauche. "Leider gibt es immer wieder ein paar schwarze Schafe, die dagegen verstoßen und das fällt auf uns alle zurück", merkt Matthias Meiwes an. Dass Dünger und Pflanzenschutzmittel die Gewässerqualität verschlechtern würden, wolle man gar nicht abstreiten, aber auch hier trage die Landwirtschaft nicht alleine die Schuld, wie Herbert Meiwes anmerkt: "Dämme, Sperren - das geht alles auf Kosten der Wassergüte."

Was in der öffentlichen Debatte oft vergessen werde, sei, "dass die Arbeit der Landwirte ethisch geprägt ist". Dazu gehöre der sorgsame Umgang mit Tier und Natur, das Herstellen qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel und die Offenhaltung der Kulturlandschaft.

Dass Nahrungsmittel immer weniger Wert bekommen, stößt daher bei Vater und Sohn auf Unverständnis. "Wir entscheiden längst nicht mehr selbst, wie viel unser Fleisch wert ist, das macht der Lebensmittelhandel. Nehmen wir nicht, was geboten wird, finden wir keinen Abnehmer. Fleisch wird heutzutage unter Wert verkauft." Problematisch sei in diesem Kontext auch das Kaufverhalten des Endverbrauchers: "Früher gab man 20% des Einkommens für Lebensmittel aus, heute sind es nur noch 10%. Am Essen wird gespart und Nahrungsmittel werden verramscht." In der Öffentlichkeit falle dies wieder auf die Bauern zurück. "Das schaffen die doch nur mit Massentierhaltung", sei das Vorurteil. "Blödsinn!", entgegnet man in Kapellen: "Wir kümmern uns gut um unsere Tiere und sie danken es uns mit guter Leistung."

Matthias Meiwes denkt daher gerne an seine Zeit in Kanada zurück, wo er 2006 arbeitete. "Dort genießen Bauern ein hohes Ansehen, weil sie 'unsere' Nahrungsmittel produzieren." "I'm proud to be a farmer" sollte daher auch wieder auf deutsch gelebt werden dürfen.