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10 Jahre gerontopsychiatrische Beratungsstelle St. Josef Krankenhaus
Demenz, Depression und Sucht im Alter

10 Jahre gerontopsychiatrische Beratungsstelle St. Josef Krankenhaus: Demenz, Depression und Sucht im Alter
Geschäftsführer Ralf H. Nennhaus (links) und Pflegedirektor Thomas Weyers gratulieren Bettina Schilling zum Jubiläum. FOTO: cb
Moers. Die gerontopsychiatrische Beratungsstelle des St. Josef Krankenhauses feiert Jubiläum: Seit zehn Jahren berät Bettina Schilling hier ältere Menschen (ab 65 Jahren) mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörige in Rheinberg, Moers und Umgebung. Von Claudia Basener

"Den größten Beratungsbedarf gibt es bei Demenzerkrankungen. Aber auch Depressionen und Sucht, z.B. wegen jahrelangem Medikamentengebrauch, gehören zu den gerontopsychiatrischen Erkrankungen", erklärt Dr. Matthias Baier, Leitender Oberarzt im Rheinberger St. Nikolaus Hospital, in dem rund ein Viertel der Patienten in diese Kategorie fallen.

Das sind zu viele! Und daher setzt Bettina Schilling vorher an: "Ich will so beraten, dass sie gar nicht erst hier hin müssen!" Obwohl die Beratungsstelle zum St. Josef Krankenhaus gehört, ist sie nicht nur für Patienten der Einrichtung, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger von Moers über Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg bis hin nach Sonsbeck offen. Der Kreis Wesel übernimmt zu einem Großteil die Finanzierung, so dass die Beratung kostenlos ist.

Meist sind es die Angehörigen, die Wesensveränderungen feststellen, und nicht wissen, was zu tun ist. Das kann die Mutter sein, die ständig den Herd anmacht, ohne etwas kochen zu wollen. Oder der Vater, der plötzlich alles vergisst und aggressiv reagiert, wenn man ihn darauf anspricht. Hinter langanhaltender Traurigkeit, zunehmender Vergesslichkeit, Unruhe oder aggressivem Verhalten verberge sich oft eine psychische Erkrankung. "Wenden Sie sich so früh wie möglich an uns!", bittet Bettina Schilling.

Die Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für psychiatrische Pflege mit dem Schwerpunkt Gerontopsychiatrie berät in ihrem Büro in Moers und Rheinberg, macht aber auch Hausbesuche. Die wichtigste Frage zu Beginn sei: "Wo drückt der Schuh?" Anhand der geschilderten Symptome überlegt sich Bettina Schilling dann, was getan werden kann. So stellt sie Infos über das Krankheitsbild zusammen, berät zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, gibt Hilfestellung bei rechtlichen und finanziellen Fragen, unterstützt bei dem Stellen von Anträgen und vermittelt Betreuungs- und Entlastungsmöglichkeiten.

Ziel sei es, dass die erkrankten Personen so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Ist Hilfe nötig gelte "ambulant vor stationär". Und wer sich rechtzeitig über Tages- oder Kurzzeitpflege informiere, könne sich oft den Umzug ins Altenheim sparen bzw. diesen hinausschieben, so ihre Erfahrung.

"Rechtzeitig" ist dabei ein wichtiges Stichwort. "Ich höre häufig: 'Hätte ich gewusst, dass es sie gibt, wäre ich viel früher zu ihnen gekommen'", berichtet Bettina Schilling. Doch neben fehlender Vermittlung durch behandelnde Ärzte ("Ich wünsche mir eine bessere Zusammenarbeit") sei auch die Hemmung, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, ein Problem. Angehörige kämen häufig an ihre Grenzen, wenn sie versuchen würden, ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie Hilfe bräuchten. "Ich bin doch nicht bekloppt", heißt es dann immer wieder. Auch hier weiß die Expertin Rat.

Bettina Schilling betreut rund 250 neue Fälle im Jahr, zuzüglich der schon vorhandenen, denn "die Erkrankungen schreiten weiter voran und häufig besteht dann neuer Beratungsbedarf." Auch das Wohl der Angehörigen liegt ihr sehr am Herzen, daher hat sie zwei Angebote für Angehörige von Demenzerkrankten ins Leben gerufen: Jeden dritten Dienstag findet ein Gesprächskreis von 14.30 bis 16 Uhr im St. Nikolaus Hospital statt, regelmäßig gibt es zudem Kurse, die über die verschiedenen Demenzformen und den Umgang mit Menschen mit Demenz aufklären. Der nächste Kurs startet im April - hier sind noch Plätze frei.

Ralf H. Nennhaus, Geschäftsführer der St. Josef Krankenhaus GmbH Moers, ist froh, eine solche Institution in seinem Haus zu wissen: "Die Beratungsstelle ist eine nicht mehr wegzudenkende Hilfe. Hier wird ruhig und still eine Beratung angeboten, die aufsuchend ist, nach Hause kommt und Hilfe zur Selbsthilfe anbietet."

Beratungstermine
St. Josef Krankenhaus:donnerstags und freitags, 8 bis 16 Uhr, Tel.: 02841 / 1076843, Handy: 0160 / 88 90 655

St. Nikolaus Hospital Rheinberg, montags, dienstags und mittwochs, 8 bis 16 Uhr, Tel.: 02843 / 179148, Handy: 0160 / 88 90 655

Hausbesuche nach Vereinbarung

Bettina.Schilling@st-josef-moers.de