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Neues Konzept für die kommenden zwei Markttage will Perpektiven für den Ortskern aufzeigen
Ist der Markt die Zukunft des Dorfes?

Neues Konzept für die kommenden zwei Markttage will Perpektiven für den Ortskern aufzeigen: Ist der Markt die Zukunft des Dorfes?
Prof Nicolas Beucker ("Spuren der Zukunft"), Martha Schlothmann, Doris Wystok (beide Dorfmasche), Anne Gies (Neukirchener Buchhandlung) sowie Ester van de Wiel und Horst Manja diskutieren, wie sie sich den Markt der Zukunft vorstellen. An den kommenden beiden Donnerstagen werden an dieser Stelle 16 Stände zum neuen Markterlebnis einladen. FOTO: cb
Neukirchen-Vluyn. An den kommenden beiden Donnerstagen, 14 bis 18 Uhr, lädt der "Markt der Zukunft" auf dem Areal vor der Neukirchener Buchhandlung dazu ein, darüber nachzudenken, ob ein neues Marktkonzept die Zukunft des Dorfes Neukirchen sein könnte. Von Claudia Basener

Ein Markt ist mehr als nur ein Markt. Davon ist Ester van de Wiel überzeugt. Die niederländische Sozialraum-Designerin hat im Rahmen des Projektes "Spuren der Zukunft" den Neukirchener Ortskern unter die Lupe genommen und eine Idee entwickelt, welche das Dorf wiederbeleben und dem Leerstand langfristig entgegenwirken könnte.

Im Mittelpunkt ihres Modells steht ein Markt, der über ein reines "Essensmanagement" hinausgeht. "Er soll ein Treffpunkt sein. Hier wird nicht nur gekauft, sondern auch produziert. Jeder sollte mitmachen können - ob Privatpersonen oder Geschäftsleute." Gemeinsam mit lokalen Akteuren lädt sie sowohl am 29. September als auch am 6. Oktober ein, solch einen Markt kennenzulernen.

Es wird an diesen beiden Tagen 16 Stände auf der Fläche vor der Neukirchener Buchhandlung geben, an denen Verkauf und Produktion Hand in Hand gehen. So werden beispielsweise am Kräuterstand Pflegeprodukte hergestellt, bei der Tuwas Genossenschaft eG kann man einem Schneider über die Schulter schauen. Der Monterkamps Hof bietet den Besuchern an, Äpfel aus dem eigenen Garten mitzubringen und diese auf dem Markt zu "Nachbarsaft" pressen zu lassen. Der Blickfang schlechthin wird vermutlich die Schafherde von Horst Manja sein: "Ich möchte den Leuten den Wert der Wolle wieder ins Bewusstsein rufen", so sein Anliegen. Unterstützt wird er dabei von der Dorfmasche, die vor Ort die Wolle verarbeitet und fleißig strickt. Natürlich werden aber auch die Beschicker des Niederrheinischen Bauernmarktes teilnehmen. Aus ihren Produkten werden vor Ort Eintöpfe zubereitet, die von 17 bis 19 Uhr serviert werden.

"Man muss wieder ins Gespräch kommen und die Lethargie der Leute aufbrechen, die denken: Ach das Dorf ist doch sowieso tot", sind sich alle Beteiligten einig. Daher wird es am 13. Oktober ein Suppen- und Eintopf-Gespräch geben, an dem jeder teilnehmen, die beiden Markttage aufarbeiten und die Idee dahinter vertiefen kann. Bilden das vielgestaltige Angebot von Dienstleistungen, Begegnungen und lokalen, ausgefallenen, selbst gemachten und saisontypischen Produkten in der Summe eine Alternative für die Betriebe, die verschwunden sind? Könnte der Leerstand dann statt mit Geschäften mit Wohnungen oder einer Kombination aus Wohn-Arbeitsstätten gefüllt werden? Könnte altmodisch die Zukunft sein?

Ester van de Wiel hat in vielen Gesprächen mit Neukirchen-Vluyner Akteuren den Eindruck gewonnen, dass das "Dorf wieder zum Bauernhof" werden müsste: "Wir sollten nachdenken, ob man alte Strukturen nutzt, um das Dorf wieder neu zu beleben."

Bei der Stadt Neukirchen-Vluyn ist man offen für die Idee: "Wir hoffen, mit dem Markt zum Nachdenken anregen zu können und so auch aus der Bevölkerung neuen Input für das Integrierte Handlungskonzept zu bekommen", zeigt sich Ulrike Reichelt von dem Markt der Zukunft angetan. Passenderweise steht am 29. September der Workshop zum Thema "Vorplatz Erziehungsverein" an, in dem Ideen erarbeitet werden sollen, was mit der Fläche passieren könnte. Wäre ein Markt der Zukunft eine Perspektive?