| 14.55 Uhr

Restauration der Lohmühle in Baerl vor dem letzten Bauabschnitt: mit Video
Wer "verleiht" die Flügel?

BAERL. "Es ist vollbracht!", so schreibt es der 1. Vorsitzende des Mühlenvereins Baerl, Norbert Nienhaus, in einem Infobrief an die Freunde und Förderer der Lohmühle in Baerl. Der 4. Bauabschnitt sei beendet und damit ist der größte Teil der Mühlentechnik restauriert. Von Thorsten Vermathen

Jetzt fehlen noch das Flügelkreuz und die Überarbeitung des Krühwerkes am Stertbalken (letzter Bauabschnitt) sowie kleinere Arbeiten, die zu Beginn bei der Kalkulation der Restaurierung noch nicht erkannt wurden, und die Mühlsteine können sich wieder drehen. "Hierzu fehlen uns allerdings noch die finanziellen Mittel", gesteht der Vereinsvorsitzende und ergänzt: "Im Laufe der gesamten Restaurierungsarbeiten mussten immer wieder unvorhergesehene Zusatzleistungen erbracht werden. Wir haben sie finanziell auffangen können durch Ausgleich mit Arbeiten mit geringeren Kosten". Rund 60.000 Euro muss der Verein noch zusammenbekommen. Zuversichtlich sucht man für 2015 bereits "Freiwillige Müller", die nach einer Ausbildung an der Lohmühle tätig werden wollen.

Wer Interesse hat, einen Lehrgang bei Martie te Brake in den Niederlanden zu absolvieren, melde sich bitte beim Mühlenvereinsvorsitzenden Norbert Nienhaus, Ruf: 02844/3649984. Weiterhin sind neue Vereinsmitglieder sowie Unterstützer stets herzlich willkommen.

 

Im Folgenden ein Bericht über die Restaurierung der Mühlentechnik von Norbert Nienhaus: "Zunächst einmal musste der Läuferstein des rechten Mahlwerks ausgebaut werden, da er an mehreren Stellen gerissen war und unweigerlich in voller Funktion auseinander gebrochen wäre. Da hätte auch das ihm umgeschnallte Eisenband nicht geholfen. In einer äußerst schwierigen Aktion wurde er zunächst mit dem Steingalgen aus der Mehlbütte gehoben und senkrecht in Höhe des Sackaufzuges gelagert.

Mittels hydraulischer Seilkette wurde er bewehrt und durch die Bodenöffnungen des Sackaufzuges langsam auf die Anlieferungsebene im großen Tor gehievt. Dazu mussten die Böden im Stein- und Mehlsöller aufgesägt werden. Die Seilkette wurde in der Kappe an der Flügelwelle befestigt, da der Stein fast 30 Zentner wiegt. Dazu musste die Kappe um 30 Grad gedreht werden. Deshalb steht sie nun auch nicht mehr in ihrer angestammten Lage der zurückliegenden Jahre. Auf gleichem Wege wurde der neue Natur-Läuferstein noch oben gehievt. Ein weiteres ungeplantes Investment. Der alte Stein ziert nun die Außenwand unserer Mühle als sichtbares Zeichen der Müllerei. Auf dem Mehlsöller kommt das fertig gemahlene Mehl über die Mehlrutsche in den Mehlsack.
Die Lohmühle hat ein doppelgängiges Mahlwerk. Der Vorstand hatte in einer seiner Vorstandssitzungen aus Kostengründen beschlossen, zunächst nur ein Mahlwerk zu restaurieren und das andere zu Schauzwecken herzurichten. So haben wir auf dem Mehlsöller rechts und links neben der Treppe zum Steinboden zwar jeweils eine Mehlrutsche mit dem entsprechenden Lichtwerk aber nur eine ist in Funktion.
Sehr schön ist der Hebebaum des Lichtwerks zu erkennen, mit dem der Müller den Läuferstein anheben kann, je nachdem welche Mehlqualität er haben möchte. Die Mehlrutsche lässt das Mehl dann aus der Mehlbütt in die Säcke gleiten. Die Mehlbütt, ein dreigeteilter zylindrischer Holzkasten, umgibt die Mahlsteine und lässt an einer bestimmten Stelle das Mehl nach unten gleiten.


Der Mehltrichter, der neu angefertigt werden musste, sitzt oberhalb des Läufersteins und nimmt das Mahlgut auf. Ein Rüttelschuh transportiert es dann durch das Steinauge des Läufersteins zwischen die Mahlsteine.
Die Mahl- oder Stockspindel treibt den oberen Mahlstein (Läufer) an. An ihrem unteren Ende greift eine Gabel in die sog. "Haue", die mit ihren Klauen im Mühlstein eingelassen ist. Der untere Bodenstein bewegt sich nicht. Den Bodenstein konnten wir erhalten, den Läuferstein dagegen nicht. Auch in dem gegenüber liegenden Mahlwerk sind die Steine nicht zu verwenden, da sie andere Dimensionen haben. Das gilt auch für den Eifeler Basaltstein, der an der Wand des Steinsöllers lagert.
Der Boden des Rönzelrades und die Rönzelstöcke mussten komplett erneuert und verkeilt werden. Auch der Hebestock für das Lichtwerk wurde neu eingesetzt.
Das Stirnrad am unteren Ende der Königswelle treibt die Spindeln mit den Rönzelrädern der Mahlgänge an. Es ist leider an einer Stelle leicht angebrochen. Eine Erneuerung würde unseren finanziellen Rahmen sprengen. Für drei- bis viermaliges Mahlen pro Jahr wird es aber hoffentlich noch halten. Der Eisenring wird über die Eisenwelle des Elektromotors im Keller der Mühle angetrieben. Die Restaurierung des Motors ist für die nächsten Jahre vorgesehen.


Komplett überarbeitet wurde auch die Sackaufzugsanlage. Die Lager wurden gängig gemacht und neu gefettet. Die im Seilaufzugsrad gesteckten Seilkrampen wurde gerichtet und für die Aufnahme des Rundumlaufseils angepasst. Bei zu schnellem Ziehen des Seils kann es dennoch immer wieder mal vorkommen, dass das Seil aus den Seilkrampen rutscht. Hier ist Sensibilität gefordert. Das Sackaufzugsseil wickelt sich dann um die Aufzugswelle.
Das senkrechte Zahnrad für den Antrieb des Sackaufzugs wurde neu verkeilt, defekte Zähne ausgetauscht und mit Stahlband umspannt. Schön ist zu erkennen, dass die Aufzugswelle 1947 erneuert wurde.
In der Mühlenkappe befinden sich Flügelwelle, Kammrad, Bunkler und Bremse. Der Bunkler/Kronrad wurde komplett neu gebaut und bereits im 2. Bauabschnitt neu eingebaut. Er war das einzige Teil der Mühlentechnik, das nicht mehr original vorhanden war. Er ist die Übersetzung von Kammrad mit Flügelwelle und treibt die senkrechte Königswelle, das Herzstück der Windmühle, an. Um zu verhindern, dass das Kammrad auf der Flügelwelle den Bunkler, und damit die Königswelle, in Bewegung setzt, wurde ihm sechs Zähne "gezogen". So konnte auch in Ruhe auf den anderen Ebenen der Mühle restauriert werden.


Die Bremsanlage ist von elementarer Bedeutung in der Kappe. Sie wird mittels einer Kette und einem verbundenen Seil von außen an der Mühle bedient. Durch Zug wird der Bremsbalken gehoben und dieser setzt damit die Bremsbacken am Kammrad frei. Das Flügelkreuz beginnt sich zu drehen. Die schwierigste Aufgabe der Müllerin/Müller ist die sensible Handhabung des Bremszugs. Zu schnelles Bremsen kann zu verstärkter Reibungshitze führen und damit die aus Pappelholz gefertigten Bremsbacken in Brand setzen. Ein Viertel Kreisabschnitt der Bremstrommel wurde erneuert und der Bremsbalken mit Gewichten beschwert.
Somit sind alle Restaurierungsarbeiten in der Kappe, auf dem Aufzugs-/Stein- und Mehlsöller abgeschlossen."