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Moerser Bürgermeister mit schlechter Prognose für schnelle Lösung der "Cölve-Brücke"-Problematik
Druck auf die Deutsche Bahn erhöhen

Moerser Bürgermeister mit schlechter Prognose für schnelle Lösung der "Cölve-Brücke"-Problematik: Druck auf die Deutsche Bahn erhöhen
Machten wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung des „Cölve-Brücke"-Problems (vl): Carsten Tum (Baudezernent der Stadt Duisburg), Christoph Fleischhauer (Bürgermeister Stadt Moers) und Lutz Hormes (Vorstand Enni Moers). FOTO: TV
Rheinhausen/Moers. Das Problem-Thema "Cölve Brücke" wurde am Donnerstag in der Bezirksvertretung (BV) Rheinhausen behandelt und war so wichtig, dass es direkt zu Beginn der Sitzung noch vor der Wahl der neuen Bezirksbürgermeisterin, Astrid Hanske, rangierte. Von Thorsten Vermathen

Ein Grund dürfte sicherlich gewesen sein, dass der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer höchstpersönlich der BV Bericht erstattete, leider auch für die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger auf der Zuschauertribüne einen recht ernüchternden. Zuvor wurde auf Antrag noch die "Interessengemeinschaft Cölve Brücke" gehört. Sprecherin Doris Göbel machte noch einmal eindringlich auf die fatale Situation seit der Sperrung der maroden Cölve Brücke für Bürger/innen und Gewerbetreibende aufmerksam und plädierte für "eine schnelle Lösung mittels Behelfsbrücke". Die Verkehrsprobleme im Wohngebiet Bergheim seien unerträglich und die Einbußen für die örtlichen Gewerbetreibenden existenziell. "Man darf uns nicht sitzen lassen, sonst ist der Ortsteil am Ende", so die Bergheimer Künstlerin.

Der eloquente Moerser Bürgermeister hatte dann die undankbare Aufgabe schlechte Nachrichten zu überbringen: "Selbst bei einer Behelfsbrücke sind Machbarkeitsstudien einzubringen und Genehmigungsverfahren zu durchlaufen, die sich nicht zuletzt durch die Beteiligung der Deutschen Bahn, über deren Gleise die Brücke verläuft, in enormen Zeiträumen bewegen." Er wolle keine falschen Hoffnungen wecken, sondern lieber eine realistische Prognose aufgrund der Faktenlage kundtun. "Bis zu einer Genehmigung für einen Bau, egal ob Behelfsbrücke oder Neubau, vergehen mindestens drei Jahre, wenn man denn bis zum 28. Februar diesen Jahres entsprechend belastbare Entwürfe bei der Deutschen Bahn einreichen könnte." Er gehe aber nicht davon aus - so werde das ganze Verfahren bis zur Baugenehmigung wohl mindestens noch vier Jahre dauern. Bis dann eine neue Brücke stehe, müsse man - Stand jetzt - von fünf Jahren und mehr ausgehen.

Die Bezirksvertretung Rheinhausen und die anwesenden Zuhörer/innen ergingen sich nach der Ernüchterung in Sachen Cölve-Brücke in der formalen Wahl der neuen Bezirksbürgermeisterin von Rheinhausen/Rumeln-Kaldenhausen, Astrid Hanske. FOTO: TV

Lutz Hormes, Planungsexperte der Enni Moers, ergänzte, man werde alles versuchen, um das Genehmigungsverfahren bei der DB zu beschleunigen; er sehe sich da im Bündnis mit der Stadt Duisburg, dessen Baudezernent Carsten Tum vollste Unterstützung bei der Machbarkeit zusagte.

Diese Machbarkeit ginge auch soweit, dass die Stadt Duisburg sich mit der Stadt Moers darauf einigen würde, die Brücke in einer Gebietsabtretung in die Verantwortung der Stadt Duisburg zu übergeben. Dies würde das eigentlich Brücken-Verfahren wahrscheinlich nicht beschleunigen, aber ein derartiges Szenario könne sich Tum parallel vorstellen "zu verhandeln mit Blick auf die Zukunft." Fakt ist, die Brücke hat für Duisburg auch in Zukunft mehr Bedeutung als für Moers.

Das gab Bürgermeister Fleischhauer auch noch einmal als Grund und gleichzeitig als Entschuldigung an. "Die vergangenen 20 Jahre war die Brücke an der Cölve sicherlich nicht ein prioritäres Projekt und im Fokus der Kommunalpolitik, weil für Moers schlicht nicht besonders wichtig". Dennoch könne man der Stadt Moers nicht vorwerfen, man habe sich überhaupt nicht gekümmert. "In 2014 haben wir versucht die Brücke provisorisch zu stabilisieren, dies sollte eigentlich für rund sieben Jahre halten. Parallel brachten wir einen Bauplan ein." Leider habe das Provisorium jetzt nur drei Jahre gehalten und auch die Anforderungen der Deutschen Bahn hätten sich zwischenzeitlich verändert, so dass man 2017, ob der neuen Gegebenheiten, fast wieder am Anfang stand.

Ernüchterung machte sich auf der Zuschauertribüne und im Kreis der Bezirksvertretung breit. Nachfragen, ob eine Behelfsbrücke nicht schneller zu realisieren sei, oder das alte Bauwerk als Übergangslösung noch einmal provisorisch instand gesetzt werden könnte, erteilten die Planer eine Absage. Nach derzeitiger Faktenlage sei dies unrealistisch. Es wäre blauäugig zu glauben, eine Behelfsbrücke könne bis Ende des Jahres realisiert werden. Auch das alte Bauwerk ließe sich nicht mehr ertüchtigen, um noch ein paar Jahre durchzuhalten. Der Eingriff in die Statik der Brücke sei zu gravierend, erklärte Lutz Hormes von der Enni mit technischem Sachverstand.

Was bleibt scheint also lediglich das Verfahren zu beschleunigen. Einige Bezirksvertreter bemerkten, dass bei ähnlich gelagerten Brückenbauprojekten in Duisburg, wie der Brücke am Stellwerk in Friemersheim zum Anschluss des Logport Container-Terminals, erheblich schneller verfahren wurde. Man müsse Druck auf die Deutsche Bahn ausüben. Es könne nicht sein, dass es drei Jahre brauche, bis ein Genehmigungsverfahren durchlaufen ist. Die betroffenen Menschen erwarten eine schnellere Lösung.

Der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer und der Duisburger Baudezernent Carsten Tum versprachen zum Ende erneut, dass man alle Mittel und Wege nutzen werde, um das Verfahren so schnell wie möglich zur Realisierung zu bringen. Die Machbarkeitsstudie, welche drei Varianten einer Behelfsbrücke durchspielt, soll möglichst bis Ende des 1. Quartals 2018 stehen, so die Hoffnungen der Planer.

Die BV stimmte abschließend noch zwei Anträgen in diesem Zusammenhang zu. Zum einen der Bildung einer Kommission, die den Planungsprozess für mehr Transparenz begleiten solle und zum anderen einer Aufnahme zu Gesprächen über eine Gebietsübertragung des Brückenareals von der Stadt Moers an die Stadt Duisburg.

Für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger sieht das alles jedenfalls nicht nach einer schnellen Lösung des Problems aus.