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„Keine Renditerennerei“

„Keine Renditerennerei“
Den Kaufvertrag für den Bahnhof Rheinhausen hat Dietmar Vornweg unterschriftsreif auf dem Tisch, bald soll Vollzug gemeldet und dann die Umgestaltung zum „Bürgerbahnhof“ in Angriff genommen werden. FOTO: tw
Friemersheim. Das klingt unspektakulär und ist wohl genau deshalb eine gute Nachricht: "2016 war ein ganz normales Geschäftsjahr", sagt Dietmar Vornweg, Vorstand des Gemeinnützigen Spar- und Bauvereins Friemersheim. Von Thomas Warnecke

Eine stabile Geschäftsentwicklung verzeichnet Vornweg; das Mietgeschäft läuft. Zum Monatswechsel können alle 47 Wohnungen und die neun Einfamilienhäuser, die der Bauverein an der Kirchfeldstraße/Ecke Friedhofallee in Rumeln gebaut hat, als bezogen bzw. vermietet gemeldet werden. "Die Leute rennen uns zu", sagt Vornweg, denn mit qualitativ vernünftigem Mietwohnungsbau habe man in Rumeln eine Nische besetzt. "Ich könnte mir mit Einfamilienhäusern eine goldene Nase verdienen, da sind die Preise selbst in Duisburg verdorben", aber, so Vornweg: "Wir müssen uns als Genossenschaft von den Privaten absetzen." Einfamilienhäuser bedeuteten einen erhöhten Flächenverbrauch, und die meisten Bauherren bzw. Käufer hätten zwar den monatlichen Kapitaldienst und die Grundsteuer auf der Rechnung, nicht aber zum Beispiel Reparaturkosten. "Man muss Rücklagen bilden", sagt Vornweg, "und das passiert bei uns ja per Knopfdruck." Und um Schimmelbildung etc. vorzubeugen, werden die Mieter sogar geschult, "wie man eine Wohnung richtig gebraucht": Lüften, heizen ... Drei bis vier Beratungen kosten 900 bis 1.200 Euro, "das nehmen wir noch auf unsere Kappe", sagt Vornweg, der fürchtet, dass nicht alle Mieter (zu schätzen) wissen, was der Bauverein für sie und teils mit viel Geld tut: "Das Gemeinsame müssen wir wieder schärfen."

Zum Beispiel mit moderaten Mieten. Bei 5,15 Euro liegt sie monatlich im Schnitt beim Bauverein. Im Vergleich zu 2012 sei das eine Steigerung um zwölf Prozent, dass sei knapp unterhalb der Teuerungsrate. "Von Entwicklungen wie in Münster oder Köln sind wir Lichtjahre entfernt. Wir machen keine Renditerennerei." Auch die von vielen befürchteten Verdrängungen durch "Luxusmodernisierungen" fänden in Duisburg nicht statt, so Vornweg: "Das gibt der Markt gar nicht her." Selbst die teuren Eigenheimneubauten im Duisburger Süden hätten auf die dortigen Wohnungsmieten kaum Einfluss. Die Mieten im Kirchfeld in Rumeln seien mit knapp über acht Euro angemessen; die Wohnungen seien barrierefrei, modern, übers eigene Blockheizkraftwerk könne bei den Energiekosten gespart werden.

Bis Ende des Jahres soll der Wohnungsbestand des Spar- und Bauvereins wieder bei 1.400 liegen. Und eine Immobilie kommt schon bald dazu: der Bahnhof Rheinhausen. 100.000 Euro beträgt der Kaufpreis, mit 1,2 Millionen werden die Sanierungs- und Umbaukosten für das denkmalgeschützte Gebäude veranschlagt. Bürgerbahnhof lautet die Leitidee des Umbaus; an einem so zentralen Punkt Rheinhausens sollte das mit Gewerbeansiedlung klappen.

Mit der Borgschenhofsiedlung nimmt der Bauverein mit neun anderen NRW-Unternehmen an einem Audit-Verfahren "Familiengerechtes Wohnen/Generationengerechtes Wohnen im Quartier" teil. Vornweg: "Da holen wir uns Akteure mit ins Boot und schauen, wie uns eine Bestandsverbesserung und vielleicht auch ergänzende Neubauten gelingen können. Wir wollen auch die Nachbarschaften reaktivieren." Im Herbst könnte es erste Ergebnisse geben. Bis es in Friemersheim zur Neuansiedlung eines Vollversorgers kommt – Vornweg: "Auf dem Marktplatz, wo sonst?" – dürfte noch etwas mehr Zeit vergehen.

(Niederrhein Verlag GmbH)