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Walkürenwerkstattritt

Walkürenwerkstattritt
Durchaus bedrohliche und ziemlich gesangsstarke Weiblichkeit beim Walkürenritt in der Rheinopernwerkstatt. FOTO: Susanne Diesner
Wanheimerort. Am Sonntag hat "Die Walküre" – längst ausverkaufte – Premiere im Opernhaus Düsseldorf. Zumindest den berühmtesten Teil daraus, den Walkürenritt, gab's für ausgesuchtes Publikum schon in Duisburg. Ein ziemlich beeindruckender Blick hinter die Kulissen, dahin, wo Duisburg ein bisschen Hollywood ist. Von Thomas Warnecke

Alfred Hitchcock hat gesagt, wenn ein Film in Paris spielt, muss man den Eiffelturm zeigen, damit alle Bescheid wissen. Woran denkt umgekehrt der Filmzuschauer, wenn er den Walkürenritt hört? Genau, an "Apocalypse Now", Napalm am Morgen und so. Regisseur Dietrich Hilsdorf und Bühnenbildner Dieter Richter tun das offensichtlich auch, jedenfalls ist sofort die Assoziation da, als die geladenen Mitglieder des Rheinopern-Freundeskreises, Opernscouts und Operntester den großen Raum des Produktions- und Probenzentrums in Wanheimerort betreten. Im Bühnenbild liegt das Gehäuse eines ausgebrannten Helikopters.

Dietrich Hilsdorf nennt noch einen weiteren Film, Viscontis "Die Verdammten", der ihn zu seiner Umsetzung des Walkürenritts inspiriert hat, und vor allem sagt er, dass er kein Konzept hat. Weil er Konzepte ablehnt. Stattdessen schaut er lieber nach, was im Text steht bzw. in den Noten. Was – wer seine Inszenierung des ersten Teils von Richard Wagners Ring des Nibelungen, "Das Rheingold", gesehen hat, wird das bestätigen können – zu einer sehr kurzweiligen und immer bestens zu verstehenden (jetzt nicht nur akustisch) Deutung des vermeintlichen Opernschwergewichts führt.

Alle Sänger der Premierenbesetzung waren da, nur die Walküren mussten – oder durften – auch singen und spielen, das aber gewaltig!

Fast genauso beeindruckend war, was es auf den Kurzführungen durch die Werkstätten zu sehen gab. Wie in den klassischen Hollywood-Studios wirkte das wie eine Vereinigung aller Handwerkskünste zur Herstellung der perfekten Illusion. Tatsächlich gibt es hier noch Maler, die das scheinbar längst verloren gegangene Wissen hüten, wie man Dinge so malt, dass man sie auch erkennt ... Bedauerlich nur, dass auch hier die Personaldecke so dünn ist, dass in den Produktionswerkstätten (die ja auch Nicht-Opernfreunde begeistern würden) keine Besucherführungen angeboten werden können. Dafür aber gibt's "Die Walküre" ab 31. Mai auch in Duisburg.

(Niederrhein Verlag GmbH)