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Wagner schafft den Weltrekord

Wagner schafft den Weltrekord
Startschuss für den Weltrekordversuch: Matthias Wagner auf seinem Board. FOTO: BG Klinikum Duisburg
Duisburg/Xanten. Der beinamputierte Stand-Up-Paddler Matthias Wagner hat den Weltrekord geschafft. 24 Stunden am Stück stand er auf dem Board.

Es ist 13.43 Uhr am gestrigen Sonntag, und der Stand-Up-Paddler auf dem Wasser der "Xantener Südsee" geht unermüdlich seinem Sport nach. Fast 24 Stunden ohne Pause steht der beinamputierte Patient des BG Klinikums Duisburg Matthias Wagner jetzt auf seinem Board und paddelt. Die letzten paar Minuten bei über 30 Grad Hitze und Sonnenschein schafft er auch noch – Weltrekord.

"Ich bin erschöpft, aber auch sehr glücklich, dass ich als erster beinamputierter Stand-Up-Paddler einen Tag rund um die Uhr auf dem Wasser verbringen konnte", sagt Wagner nach einer kurzen Erholungspause. Er habe ein Zeichen setzen wollen, dass man auch nach dem Verlust von Gliedmaßen Höchstleistungen im Sport und im (Arbeits-)Alltag vollbringen kann.

Wagners Motto ist: Es gibt keine Ausreden und Grenzen, man muss nur wollen. Benötigt wird zudem eine maßgeschneiderte Prothese, die das intensive Training fünf- bis sechsmal die Woche und den Wettkampf ermöglicht, ohne Schäden am Beinstumpf zu verursachen.

Den Weltrekordversuch selber hat der Stand-Up-Paddler trotz aller Anstrengungen und Mühen sehr genossen: "Es ist ein tolles Gefühl, wenn das Wetter passt und man von 200 Mitpaddlern aus dem ganzen Bundesgebiet bei der Aktion begleitet wird", so Wagner. In kleinen Paddelpausen, die aus medizinischen Gründen notwendig waren – Stumpfkontrolle, Krämpfe und Kreislaufprobleme –, wurde die Zeit gestoppt. "Die verlorene Zeit habe ich dann am Ende hinten drangehängt", sagt der Extremsportler.

Faszinierend sei für ihn die Nacht auf dem Wasser gewesen. "Wenn man nichts sieht, schärfen sich die anderen Sinne, und man riecht etwa das Wasser viel intensiver", beschreibt Wagner seine Erfahrungen bei dem erfolgreichen Event, das am Wochenende rund 3.500 Zuschauer live vor Ort verfolgten.

Dass es zu dem Weltrekord kommen konnte, ist nicht selbstverständlich. Erst knapp drei Jahre ist es her, dass dem selbstständigen Schweißwerkmeister im BG Klinikum das linke Bein im Bereich des Oberschenkels amputiert wurde. In Buchholz habe er die nötige Hilfe erhalten, um nach einer langwierigen, sehr schmerzhaften Gelenkerkrankung – einer so genannten Arthrofibrose – zurück ins Leben zu finden.

Auch beim Weltrekordversuch selbst stand die Unfallklinik dem Stand-Up-Paddler intensiv zur Seite. So wurde etwa der orthopädische Check für die Aktion vom Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. Peter-Michael Hax durchgeführt.

Das BG Klinikum Duisburg spendet zudem 1.000 Euro an den Bundesverband für Menschen mit Arm- und Beinamputation. Ziel der von Wagner initiierten Spendenaktion anlässlich des Weltrekordversuchs ist es, ein kostenloses Sommercamp für Mädchen und Jungen durchzuführen, die seit Geburt keine Gliedmaßen oder diese durch schlimme Krankheiten und Unfälle verloren haben.

(Niederrhein Verlag GmbH)