| 17.12 Uhr

Olaf Thon und Peter Neururer beim 40. Landhaustreff
Der Professor und der Lautsprecher

Olaf Thon und Peter Neururer beim 40. Landhaustreff: Der Professor und der Lautsprecher
Olaf Thon, Peter Neururer und Manni Breuckmann schwadronierten sich schon mal in Weltmeisterstimmung. FOTO: tw
Huckingen. Manni Breuckmann würde alles auf Spanien setzen. Auch die als WM-Experten geladenen Olaf Thon und Peter Neururer machten bei feinen Speisen nur verhalten Appetit aufs Turnier in Russland. Von Thomas Warnecke

Hintersinnige Vorspeise vorm Talk: Mare e Monti aus gebeiztem Lachs, Parmigiano und Arrosto. Mare e Monti, dass steht für die Herkunft der Hauptzutaten Fisch und Fleisch, Wasser und Land, gab aber auch die Frage vor, die sich für die Italiener schon erledigt hat: Wird die WM zum Reinfall oder geht's auf den Gipfel?

"Ich prophezeie, dass Deutschland im Halbfinale gegen Spanien ausscheiden wird", legte Moderator Manni Breuckmann vor – schob aber hinterher, dass er 2014 auch ein deutsches Aus im Halbfinale gegen Brasilien vorhergesagt hatte. "Das ist ja bekanntlich geringfügig anders gekommen."

"Mr. Landhaustalk" war überhaupt schwer in Redelust, kriegte sich über das 6:1 der Spanier gegen Argentinien – "Setzen Sie alles, was Sie haben, auf Spanien" – überhaupt nicht mehr ein. Doch mit Peter Neururer stand ihm ein weiterer Dampfplauderer zur Seite, so dass es eine ganze Weile dauerte, bis auch der zweite Talkgast zu Wort kam – der ja immerhin O. Thon heißt und ob seiner gestelzten Ausdrucksweise gerne als Professor tituliert wird. Und der außerdem Mitglied einer Weltmeistermannschaft war, auch wenn es trotz finalen Elfmeters gegen England nicht für eine Berücksichtigung im Finale gereicht hat. "Die Dümmsten schießen immer die besten Elfmeter", kommentierte Breuckmann die Nacht von Rom, und es wäre nur verdient, wenn ihm Landhaustreff-Organisatorin Sigrid Köllmann bei einem der nächsten Male Andi Brehme vorsetzen würde.

Dass Ilkay Gündogan oder Mesut Özil jemals zum Landhaustreff eingeladen werden, scheint mehr als fraglich angesichts des polternden Applauses, den Neururer für sein Urteil in Sachen Trikot-für-Erdogan bekam: "Absolute Katastrophe", dass der DFB die beiden nicht rausgeschmissen habe. Wobei ihm die politische Seite egal ist, aber: "Das bringt schlechte Stimmung in die Mannschaft."

Für Optimismus sorgten Neururer und Thon allerdings auch nicht. Immerhin: "Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt", attestierte Neururer, "wir haben noch mehr Tempo als bei der letzten WM." Was die "Rakete" Reus angeht, hat Thon so seine Zweifel: "Er hat noch kein großes Turnier gespielt und ist auch bei Dortmund oft verletzt." Neururer sieht generell Probleme im Sturm. Für die kurz zuvor bekanntgegebene Nichtberücksichtigung von Leroy Sané, da waren sich Thon und Neururer einig, könne es keine sportlichen Gründe geben, "da muss was anderes vorgefallen sein." Manuel Neuer wiederum habe "gezeigt, dass er auf den Punkt fit ist", so Olaf Thon, der ansonsten Breuckmanns Prognose unterbot: WM-Aus ebenfalls gegen Brasilien, aber schon im Achtelfinale.

Weniger trübsinnig waren die launigen Ausflüge ins Abseits der beiden Gäste; gerade Neururer gibt da ja einiges her. Trotzdem bleibe ich dabei: Die Schiedsrichter-Ahlenfelder-Anekdote, die er wie schon bei seinem letzten Landhaus-Auftritt auch diesmal wieder zum Besten gab, die hat er bei Paul Breitner geklaut.

Ingrid Kühne, aus dem niederrheinischen Karneval noch als "Agnes Kasulke" bekannt, machte nach dem Hauptgang (Involtini San Marzano) Witze über ihr eigenes (Über-)Gewicht, wärmte "Die jungen Leute kennen gar keine Telefone mit Wählscheibe mehr"-Witze auf und stellte fest: Heute interessiert der BMI mehr als der IQ." Wobei Landhaustreffbesucher sich wohl am meisten für BMW interessieren.

Und wir uns dafür, dass die WM jetzt endlich Fahrt aufnimmt. Weshalb wir, wie Thon, Neururer und Breuckmann wohl selber, darauf warten, das Nörgler und Unkenrufer von der bekanntlich "besten Turniermannschaft" widerlegt werden.

(Niederrhein Verlag GmbH)