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Circus-Roncalli-Gründer Bernhard Paul beim 41. Landhaustreff
Der Clown bekommt den Staatspreis

Circus-Roncalli-Gründer Bernhard Paul beim 41. Landhaustreff: Der Clown bekommt den Staatspreis
Bernhard Paul nahm sich schön viel Zeit im Gespräch mit Manni Breuckmann. Bis er mal beantwortete, ob er heute noch ein Clown sei, hatte er von Fellini bis MTV erstmal die halbe Bildgeschichte der letzten hundert Jahre durchschritten ... FOTO: tw
Huckingen. Timing ist alles: Am Montagabend war Bernhard Paul der Stargast beim 41. Duisburger Landhaustreff. Erst wenige Tage vorher war bekanntgegeben worden, dass der Gründer und Direktor des Circus Roncalli die höchste Auszeichnung des Landes NRW erhält. Von Thomas Warnecke

Mit seinem Circus Roncalli ist Bernhard Paul zur Legende geworden. Umso leibhaftiger, bodenständig, ruhig und witzig präsentierte er sich am Montagabend. Beim Business-Talk im Landhaus Milser war natürlich der erfolgreiche Unternehmer gefragt. Dabei wollte Bernhard Paul das gar nicht werden, "aber als Clown hat mich kein Zirkus genommen, da musste ich mir selbst einen bauen."

Was er dann mit seinem Landsmann André Heller tat. Bei dem Namen fällt Moderator Manni Breuckmann ein: "Der war ein Arschloch." Darauf Bernhard Paul im schönsten Wiener Singsang: "Das hast jetzt Du gesagt. Er war ein großes Arschloch." Mit dem sich Paul nach einem Jahr verkrachte. Auf den bereits bedruckten Plakaten überklebte er Hellers Konterfei mit einem Kamel. "André Heller ist ein mit fremden Federn geschmückter Heino der Scheinintellektuellen", hatte Paul damals einem Journalisten in die Feder diktiert.

Es kamen zwischen Ochsenschwanzsuppe und Kalbsfilet so einige Kraftausdrücke zusammen, "Köln sieht scheiße aus" so Breuckmann, wo Paul nur von einem Kulturschock sprach. Der Circus Roncalli ist seit einem Jahr tierfrei, verkündete Bernhard Paul unter Applaus, aber dabei bleibt er: Die vermeintliche Tierrechtsorganisation "Peta ist ein Arschloch."

Bernhard Paul dagegen ist vor allem ein Poet. Er schwärmte von den langen ungeschnittenen Einstellungen in Fellini-Filmen, in denen es so viel zu entdecken gibt. "Will man sich bei MTV was anschauen, ist es schon wieder weg." Mit seiner Entdeckung der zauberischen Langsamkeit für den Zirkus war Roncalli damals so erfolgreich, dass ein weniger erfolgreicher Konkurrent seine Plakate mit einer Banderole überklebte: "Jetzt mit Poesie". Ein Patriarch kann der Zirkusdirektor aber auch sein, gibt er zu: "Wenn's um was Wichtiges geht ..." Nationalität, Religion, Hautfarbe, das sei ihm alles egal: "Wichtig ist, dass einer ein guter Mensch ist und seine Arbeit gut macht." Wenn nicht, wenn einer unkollegial ist, "dann fliegt er raus." Damit ist Bernhard Paul gut gefahren, getreu seiner Überzeugung: "Zirkus ist die älteste Multi-Kulti-Kulturstätte, die es gibt."

Mittlerweile sind zum Circus Roncalli noch Varietés hinzugekommen; in Hamburg macht Bernhard Paul den historischen Weihnachtsmarkt. Demnächst will er seine unfassbar umfassende Zirkussammlung als Museum öffentlich machen, und weil "Sgt. Pepper's" als Zirkusoper konzipiert gewesen sei, hat er auch noch jede Menge Gitarren und Kostüme der Beatles gesammelt.

Auszeichnungen hat er auch einige bekommen; am 27. November wird ihm Ministerpräsident Armin Laschet im Kölner Gürzenich den Staatspreis NRW umhängen, "für den Erhalt und die Wiederbelebung von Kulturgütern". Bernhard Paul ist selbst eins.

Vorm Pistazieneis auf Cheese-Cake und Granatapfel-Pannacotta zeigte Sänger Holger Ries dann noch, dass er die Erinnerung an Gesangsmonumente wie Ray Charles und Joe Cocker wach halten kann. Dann schoss der HSV noch das 1:0 gegen Köln, aber wie hatte Bernhard Paul gesagt, als Manni Breuckmann zur Begrüßung von Ivo Grlic und Torsten Lieberknecht eine Brücke zwischen MSV und Zirkus schlagen wollte: "Mir als Österreicher brauchst Du über Fußball nichts zu erzählen."

(Niederrhein Verlag GmbH)