| 17.03 Uhr

Werner Hansch beim 38. Landhaustreff
„Lesen muss man!“

Werner Hansch beim 38. Landhaustreff: „Lesen muss man!“
Werner Hansch und Manni Breuckmann beim launigen Schlagabtausch, wer denn nun die Stimme des Reviers ist. FOTO: tw
Huckingen. Eine Legende zu Gast beim 38. Duisburger Landhaustreff: Werner "Ein geiles Tor!" Hansch, die Stimme des Ruhrgebiets, im Talk mit Kollege Manni Breuckmann. Ein großer Spaß und ein echter Festakt 20 Jahre nach dem Uefa-Pokal-Sieg von Schalke 04 in Mailand. Von Thomas Warnecke

Noch vor der Kürbissuppe mit Krokosschaum und Zimtcroutons tut Manni Breuckmann seiner Chronistenpflicht Genüge und verkündet die Trennung des 1. FC Köln von Sportdirektor Jörg Schmadtke – "in beiderseitigem Einvernehmen, da muss ich immer weinen." Schmadtke wäre vor ein paar Jahren beinah auch mal Talkgast im Landhaustreff gewesen, musste sich dann aber von Trainer Peter Stöger vertreten lassen. Jetzt kann er's ja nachholen ...

Nach der Suppe ging's los. Grob gerechnet 65 Jahre gute alte Fußballzeit stehen mit den beiden Hörfunk- und TV-Kommentatoren auf der Bühne. Die beiden kennen sich bestens, Breuckmann kennt Hansch sogar auswendig: "Wer hinten so offen ist, der kann nicht ganz dicht sein." Hansch hatte das "geile Tor" zum Einstieg erwartet und erzählt dessen Zustandekommen gleich nach. Breuckmann: "Das kann jetzt länger dauern ..." Na klar: "Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht die zwei Oppas aus der Muppet-Show machen", sagt Manni Breuckmann, als ob sich das Publikum nicht genau das (auch) wünscht. Werner Hansch, der im nächsten Jahr 80 wird, kann beruhigen: "Ich habe eine Menge Abstand gewonnen", sagt er zum irre kapitalisierten Fußball heute. Ist sich aber sicher, dass es mit Tuchel bei den Bayern nie was geworden wäre: "Der ist ein Brocken, der Kerl."

Hansch hat's noch drauf. Auf einmal ist die ganze versammelte Duisburger Businesselite im Giuseppe-Meazza-Stadion, es ist der 21. Mai 1997, nach Hin- und Rückspiel steht es zwischen Schalke 04 und Inter 1:1 und Ingo Anderbrügge tritt zum ersten Elfmeter an, trifft – und tritt tatsächlich an. Der ja auch gewiefte Entertainer Breuckmann zaubert den Eurofighter wie ein Kaninchen aus dem Hut, großes Hallo auf der Bühne.

In schönstem Tiki-Taka tänzeln Breuckmann und Hansch dann durch Hanschs alles andere als geradlinige Karriere vom Pottkind über den Trabrennsprecher, der beim ersten Einsatz auf Schalke Norbert Nigbur die "Startnummer eins" verpasst, den ersten Radiokommentar (Breuckmann: "Ich dachte: Ist da einer entsprungen?") und die Zeit bei "ran" bis zum entspannten Gelegenheitsmoderator heute, der zum Beispiel am 18. November im Theater Duisburg durch die DRK-Operngala führen wird. Was man ja auch nicht jedem Fußballreporter zutrauen würde. "Ich höre da oft das Papier rascheln", sagt Hansch über heutige Kollegen; er als Radiomann habe noch gelernt, fünf Sätze unfall- und eben überhaupt frei hintereinander zu bringen. "Stimme" muss man haben, sagt die Stimme schlechthin, und Sprachwitz, und den bekommt man wie? "Man muss lesen!" Dann gelingen auch unvergessliche Sätze wie "Dressels Beitrag zum Mozartjahr: Ein Foul aus dem Knöchelverzeichnis", die auch versteht, wer's Köchelverzeichnis nicht kennt.

Hansch kann auch ernst, wenn er vom Stolz auf seinen Vater erzählt, der '32 in die Kommunistische Partei eintrat, erst ins Gefängnis und dann nach Buchenwald musste, während "95 Prozent der Deutschen dem Rattenfänger mehr oder weniger hinterherliefen", und als es um Rudi Assauer geht, für dessen Stiftung Hansch sich engagiert. "Es geht ihm nicht gut. Ich bin sicher, er erkennt mich nicht mehr."

Zum versöhnlichen Schluss sagt Hansch, wenn er "dieses eine" Spiel seiner Karriere nennen müsste, dass es dann doch wohl das Finale von Mailand 1997 war. Breuckmann ist erleichtert wie nie: "Das zeigt mir, dass Du doch ein Schalker bist."

Aus der Küche kommt dann ein allerzartestes Filet Mignon, aus Dorsten kommt Sophie Schwerthöfer, die vor drei Jahren schon hier war und immer noch nicht 18 ist, aber weiter Fortschritte macht auf dem Weg zur Opernkarriere und mit Arien von Dvorak, Puccini und Mozart für Standing Ovations sorgt. Vielleicht auch, weil sie dem nicht so opernaffinen Teil des Publikums dezent Hilfestellung leistet: "Jetzt ist zu Ende." Nachtisch gab's aber noch.

(Niederrhein Verlag GmbH)