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Hella von Sinnen kämpft gegen Schubladendenken beim Landhaustreff
„Dicke, laute Lesbe“

Hella von Sinnen kämpft gegen Schubladendenken beim Landhaustreff: „Dicke, laute Lesbe“
Da war durchaus Feuer drin: Zauberer Kai Wiedermann, Hella von Sinnen, Manni Breuckmann und Musiker Alex Bruxmeier (v.l.). FOTO: Foto: Andreas Probst
HUCKINGEN. Es dauerte ein wenig, bis der Talk zwischen Vor- und Hauptspeise beim 30. Landhaustreff am Montagabend im Hotel Milser in die Gänge kam. Moderator Manni Breuckmann wusste nicht so recht, wo er bei Hella von Sinnen den Hebel ansetzen sollte. Von Thomas Warnecke

Die Küche jedenfalls hatte gut vorgelegt, mit Lachs-Kräuterterrine und Wachtelbrust auf Friseespitzen an Apfel-Balsamicocreme. Breuckmann versuchte es bodenständiger, mit Karneval und Fußball. Hella von Sinnen erzählte von frühen Erfolgen im Familienkreis und ihren über 80 Auftritten als Putzfrau Schmitz. Sie würde ja bis heute immer fürs schrille, exaltierte Fach besetzt, hakte Breuckmann nach: „Bist Du das?“ Sie habe halt eine laute Stimme und Temperament, aber sie könne schon ernst sein. „Du hast vermutlich gedacht, ich komme mit Tortenresten an der Nase.“ Ob sie denn Ängste habe, vorm Tod etwa? „Vor Krankheit ja, vorm Tod nicht.“ Doch die Einschläge seien schon näher gekommen in den letzten Jahren, und über den Tod von Dirk Bach – „die Liebe meines Lebens“ – würde sie lieber nicht reden wollen, das ginge ihr immer noch zu nahe. Sie gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass nach dem Tod noch was kommt. „Ich habe nur Angst, als WDR-Sportreporter wiedergeboren zu werden.“

Breuckmann rächte sich: „Du bist ja im Unterschichtenfernsehen zu Hause.“ Brachte sie aber auch nicht aus der Fassung: „Mir egal, für wen ich arbeite.“ Ohne RTL wäre sie nicht, was sie ist, „und für die Öffentlich-rechtlichen bin ich doch in einer Schublade als dicke, laute Lesbe, so dass die da alle mit eingeklemmten Schwanz dasitzen. Das wäre nie was geworden.“

Derzeit plant sie eine neue Show, „Der Klügere kippt nach“, mit Wigald Boning und anderen „Leuten, mit denen ich gerne zusammenarbeite“. Da machte Breuckmann den Moralapostel, eine Show, in der die Gäste sich die Kante geben, „Saufen als Konzept“, das könne es doch nicht sein. „Das ist wieder diese WDR-Attitüde“, konterte Hella von Sinnen, zahlreiche Fernsehformate hätten das schon vorgemacht. Außerdem sei das Konzept doch erstmal nur eine Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen, „und Hugo Egon Balder mag halt den Titel“. Dann erzählte von Sinnen noch von ihren Leseabenden mit Andersen-Märchen und ihrer Liebe zu Stofftieren.

Nach dem Filet vom irischen Weidenochsen mit Kartoffel-Duchesse und gratiniertem Blattspinat konnte Breuckmann ein echtes Duisburger Talent vorstellen, den „Comedy-Magier“ Kai Wiedermann. Der ließ Bowling-Kugeln aus Zeichenblöcken fallen und einen Tisch über die Bühne schweben – und der bessere Moderator war er an diesem Abend auch. Auf ein Neues Anfang Juni, Manni! Zum versöhnlichen Abschluss gab’s ein Duetto von Panna cotta.

(Niederrhein Verlag GmbH)