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25. Ruhrorter Hafenfest
Weltrekorde, Welthäfen, Weltreisen in der Hafenidylle

25. Ruhrorter Hafenfest: Weltrekorde, Welthäfen, Weltreisen in der Hafenidylle
Mit einer Nussschale wie dem Parlevinker "Time is Money" wird es beim Weltrekordversuch in diesem Jahr nicht getan sein. FOTO: Silke Stutzinger
Ruhrort/Innenhafen. Gerald Kassner, Geschäftsführer und Inhaber von Schauinsland Reisen, übernimmt die Schirmherrschaft für das 25. Ruhrorter Hafenfest vom 27. bis 30. Juli. Diese "tolle Veranstaltung für Duisburg" (Kassner) fährt zum Jubiläum Feuerwerk, Musik, Kirmes und Akrobatik auf. Und nimmt nach der Sandburg den nächsten Weltrekord in Angriff. Von Thomas Warnecke

"Wir fühlen uns geehrt und sind ganz gerührt, dass wir gefragt wurden", erklärt Gerald Kassner bei der Programmvorstellung in der Schauinsland-Skylounge. "Jetzt wollen wir versuchen, der Sache auch einen Mehrwert zu geben."

Zum Beispiel mit Akrobatik: Im Juli bringt Schauinsland "Katta – Das Kindermusical. Die Reise zur leuchtenden Banane" im TaM heraus. Für die Akrobatik darin sorgen die preisgekrönten "Fliegenden Homberger". Sie werden am Hafenfestsonntag (29. Juli) Highlights aus der Produktion auf der großen Haniel-Bühne am Richard-Hindorf-Platz vorführen.

"Wir legen hohen Wert auf einen guten Schirmherren", sagt Walter Pavenstedt, Vorsitzender des Hafenfestvereins. Seit 1994 organisiert "Mr. Hafenfest die Veranstaltung. Josef Krings war der erste Schirmherr, 1995 beim zweiten Hafenfest. Die Veranstaltung war im Jahr zuvor aus einem Fest des Hafenchores entstanden. Günter Hahn, Wirt der legendären "Postkutsche", hatte gerade die Schifferbörse übernommen und war dankbar für den Auftrieb auf dem Vorplatz. Die Schützen taten sich etwas schwerer, aber mit einer Kunsthandwerkermeile wurde die Verbindung geschaffen von der Schifferbörse zur Mühlenweide. Und Krings gab den Hafenfestmachern mit auf den Weg: "Macht weiter!"

Das taten sie, das Hafenfest wuchs, ab 2007 organisierte der eigens dafür gegründete Hafenfestverein. "200.000 netto" beziffert Pavenstedt trocken den Etat. Da sind erstens die ganzen ehrenamtlichen Arbeitsstunden und viele freiwillige Leistungen nicht eingerechnet ("sonst wäre der doppelt so hoch"), die Summe stammt zweitens ausschließlich von Sponsoren, und drittens gehen allein 60.000 davon wieder drauf für Sicherheitsmaßnahmen.

Fünfstellig soll der Betrag fürs alljährliche halbstündige Hafenfest-Feuerwerk sein, aber eigentlich wäre er auch höher: "Der Feuerwerker ist mit uns groß geworden; wir bekommen einen Freundschaftspreis." Den wiederum sponsert wieder Duisport. "Und wenn Erich Staake mir nicht zusätzliches Budget zugesagt hätte, wäre es gar nicht möglich gewesen, solche Fahrzeuge wie die 'George Stephenson' hierher zu holen", erklärt Hafenkapitän Mario Adams, der das Wasserprogramm organisiert. Das beginnt mit der Einfahrt der historischen Schiffe wie "Jan de Sterke" am Freitagnachmittag und abends dem traditionellen Schiffskorso zum Feuerwerk; 22 Fahrgastschiffe haben sich bisher dazu angemeldet.

Die Museumsschiffe "Oscar Huber", "Minden" und "Fendel" sind natürlich im Programm, "Jan de Sterke" und andere bieten Hafenrundfahrten an; der Ruhrorter Bürgerverein empfängt Besucher auf der Tjalk "Gerda"; ein Feuerlöschboot und das Laborschiff "Max Prüss" präsentieren sich im Hafenmund. Vom Schiffshebewerk Henrichenburg kommt die "Nixe", ein Ausflugsdampfer Baujahr 1939. Angefragt sind außerdem das Tauchglockenschiff "Carl Straat" und die Tjalk Helena, mit der sich der Seehafen Rotterdam beim Ruhrorter Hafenfest präsentieren will.

Und dann die "George Stephenson". die war im letzten Jahr schon da, aber das macht überhaupt nichts. Mario Adams: "Ich bin 1965 das erste Mal zur See gefahren, aber so ein Schiff habe ich noch nie gesehen." In 35 Jahren Sammlertätigkeit auf der ganzen Welt hat Eigentümer Faas Strik den alten Dampfer zu einer Wunderkammer von einem Schiff um- und ausgebaut. Zwei Maschinenräume voll von Edelstahl, Kupfer und Chrom; Im Steuerhaus eine Mischung aus modernster Technik und historischem Chic inklusive der Seilzüge für das Orchester an Schiffspfeifen. Das noch komplettiert wird durch eine amerikanische Dampfpfeifenorgel, die einst den Mississippi mit Kirchenmusik beschallte, und zwei mannshohen Dampfpfeifen, die man nicht nur hören, sondern regelrecht spüren wird. "Da braucht keiner anzurufen wegen Ruhestörung", freut sich Adams auf den infernalischen Lärm: "Der Hafen muss toben, der Hafen muss brummen!"

Brummen soll auch das Bühnenprogramm. "Groß, kräftig, laut" sei Deluxe - the Radioband, die vorm Feuerwerk auf der Haniel-Bühne rockt, erklärt Bernhard Weber, im Hafenfestverein mit Stella Tarala fürs Musikprogramm zuständig. Und will das Samstagsprogramm am richard-Hindorf-Platz gar nicht näher erklären: Erst Männersache, Untertitel: "A capella mit Eiern", dann "She's Got Balls", eine AC/DC-Coverband nur aus Frauen. Noch nicht zu 100 Prozent sicher ist der Auftritt des ziemlich witzigen Angklung-Orchesters am Sonntag, abends jedenfalls sind die unverzichtbaren Sonny Boys um den Tante-Olga-Neffen Heinz Robert Martin wieder am Start. Bereits am Samstagabend werden die legendären Reeperboys wieder durch die Straßen des Hafenstadtteils eher wanken als walken ...

Auf der Imperial-Bühne am Gustav-Sander-Platz vor der Schifferbörse wird am Freitagnachmittag eröffnet ("Bitte während des Gottesdienstes kein Bier trinken"), Rockabilly, Cover, aber auch selbstgeschirebene Songs bringen die Bands dort mit. "Und fürs junge Publikum haben wir einen Youtuber eingeladen", sagt Stella Tarala: Mr. TriXXL am Sonntagmittag, ein Zauberkünstler mit reichlich Followern und "Merchandise-Gedöns". Familiär wird's Samstagabend beim Lichtermeer auf dem Neumarkt, am Sonntag gibt's dort den stetig wachsenden Kunstmarkt mit über 50 Ausstellern und einem Bühnenprogramm vom Theater Kreuz & Quer bis zu Anja Lerch.

Und während, wie Stadt-Panorama berichtete, Duisburg Kontor den Hafentrödel auf der Mühlenweide zugunsten der Hafenfest-Kirmes ausfallen lässt, werden sich nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr rund 80 Trödler in 25 Ruhrorter Hinterhöfen präsentieren.

Idyllisch lokal, aber auch große weite Welt: Zum Hafenfest hat der größte Binnenhafen den – nein, nicht weltgrößten – Seehafen Rotterdam zu Gast. "Wir sind der größte Seehafen Europas", sagt der Rotterdamer NRW-Repräsentant Wolfgang Hönemann, "aber weltweit sind nur Singapur und sieben chinesische Häfen vor uns." Wenn's klappt, kommt die historische Tjalk "Helena", dazu gibt's einen Infostand, an dem sich der Hafen Rotterdam präsentiert, und: "Wir machen 'Borrel'", so Hönemann, was so viel wie Stehempfang heißt, schön holländisch mit Frikandel und Bitterballen ...

Bitterkalt ist Ende Juli möglicherweise noch das Wasser im Hafenmund – egal. Alle, die im letzten Jahr beim "Schwimmer-ziehen-Schiff" dabei waren, wollen wiederkommen, Unterwasserrugby-Spieler vom ASCD, vom DSSC und Rettungsschwimmer der DLRG, und Freiwillige können sich gerne anschließen. Beim 25. Ruhrorter Hafenfest nämlich soll der Weltrekord im Schiffziehen nicht geknackt, sondern erstmal aufgestellt werden. "Es gab mal eine Aktion in der Schweiz, da haben 70 Schwimmer ein 300-Tonnen-Schiff gezogen", so Stella Tarala, "für 'Wetten, dass ..' war das, glaube ich", ergänzt Walter Pavenstedt. Zwar kein offizieller Weltrekord-Versuch, aber trotzdem gilt er als Messlatte. Also wird ein mindestens 350 Tonnen schweres Schiff im Hafenmund liegen und am Samstagnachmittag von den Schwimmern hoffentlich über die erforderliche Strecke gezogen, damit's nach der Sandburg den nächsten Duisburger Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gibt. Damit ein Prüfer live dabei sein kann, braucht's allerdings noch Sponsoren. 5.000 Schleifen lassen sich die Herren von Guinness die Anreise kosten ...

"Es geht ja vor allem um die Gaudi", sagt Stella Tarala. Ähnlich beschreibt's auch Wolfgang Hönemann: "So ein Fest ist ein Fest der Begegnung." Der Hamburger Hafengeburtstag mag größer sein, aber, das haben Mario Adams die Freunde aus dem Partnerstadtteil St. Pauli bestätigt: "Bei Euch ist es viel gemütlicher!"

(Niederrhein Verlag GmbH)