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So teuer ist uns das industrielle Erbe

So teuer ist uns das industrielle Erbe
Beim Sommerkino eh, aber auch so ist der Landschaftspark Nord großes Kino – und das kostet. FOTO: Berns
Meiderich. Land und RVR fördern die Route der Industriekultur in den nächsten zehn Jahren mit 120 Millionen Euro. Auch der Landschaftspark Nord kann sich auf mehr Geld freuen. Von Thomas Warnecke

Stärker als bisher werden sich NRW und der Regionalverband Ruhr (RVR) an den fünf Großstandorten engagieren – neben dem ehemaligen Hüttenwerk Meiderich der Gasometer Oberhausen, Zeche Zollverein, Jahrhunderthalle Bochum und Kokerei Hansa in Dortmund. NRW will bis 2026 seine Unterstützung für die Grundsicherung von bislang 3,6 auf 5,6 Millionen jährlich anheben; der RVR erhöht für den gleichen Zeitraum seinen jährlichen Zuschuss für Instandsetzungen von 2,5 auf 3,9 Millionen.

Für die 15 Standorte des Emscher Landschaftsparks will das Land wie bisher Ausgleichsmittel von 2,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stellen; die Standorte verpflichten sich , den selben Betrag in Eigenleistung aufzubringen. Zum Emscher Landschaftspark gehört ebenfalls der "LaPaNo", außerdem u.a. der Garten der Erinnerung in Duisburg und Zeche Lohberg in Dinslaken.

"Der Landschaftspark Nord liegt direkt vor meiner Haustür und ist mein Lieblingsort in Duisburg", erklärt Bruno Sagurna, Duisburger Ratsherr und umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im RVR. "Er hat in den letzten Jahren eine eindrucksvolle Entwicklung gemacht, die schon anhand der Besucherzahlen deutlich wird. In 2016 wurde die Millionen-Schallmauer durchbrochen, es gibt nur wenige andere Sehenswürdigkeiten in NRW mit so vielen Besuchern. Der Erfolg ist auch darin begründet, dass dort im gesamten Jahr etwas los ist." Neben Kletterern und Tauchern zieht der Landschaftspark tatsächlich zahlreiche Veranstaltungsbesucher an, ob mit Märkten wie dem Streetfood Festival, klassischen Konzerten in der Gebläsehalle oder dem praktisch immer ausverkauften Sommerkino.

Das Land unternimmt außerdem einen weiteren Versuch, die "Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet" zum UNESCO-Welterbe zu machen. Ein erster Antrag war 2014 abgelehnt worden; zum einen, weil es zu viel Ähnliches in der Vorschlagsliste gab, beispielsweise zwei Hochöfen (Hattingen und Meiderich), andererseits war vielfach schon früher zu viel abgerissen worden, so dass Arbeitsprozesse und Zusammenhänge kaum noch sichtbar seinen.

Unterdessen warnt der hiesige Unternehmerverband, das Ruhrgebiet dürfe sich nicht zum Freilichtmuseum machen. Sprecher Heinz Lison: "Jeder Eindruck [sic!], dass im Ruhrgebiet die Industrie nur etwas von gestern sei, müssen wir entgegentreten, sonst werden Investitionen woanders landen." Dass die Industriedenkmäler allerdings "Anziehungspunkt für Millionen Besucher und damit auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor" sind, gibt auch Lison zu.

(Niederrhein Verlag GmbH)