| 10.33 Uhr

Matenatunnel wird ausgestopft

Matenatunnel wird ausgestopft
Ein Blick in den Matenatunnel mit dem „Erzhochbahnpfeiler“. FOTO: thyssenkrupp-Konzernarchiv
Bruckhausen. Seit 2013 schon ist er gesperrt, jetzt wird er verfüllt: der Matenatunnel. Sechsmal war er in den 1980ern in „Schimanski“-Tatorten zu sehen, auch sonst dürfte das Bauwerk zu den meistfotografierten bzw. abgefilmten im Duisburger Norden gehören. Von Thomas Warnecke

„Das ist selbstverständlich auch eine Möglichkeit, ein Bodendenkmal zu erhalten“, hatte Planungsdezernent Carsten Tum schon zum Tag des offenen Denkmals erklärt: es zuzuschütten. „Der Tunnel ist ja dann noch da“, so Tum – nur eben mit Sand gefüllt.

Die Unterführung wird nicht beschädigt, der Tunnel bleibt als Ganzes erhalten, teilt Thyssen-Krupp mit. Er wird quasi ausgestopft: Die Arbeiten haben rund 150 Meter hinter der westlichen Einfahrt begonnen und verlaufen von da aus rückwärts in Richtung Kaiser-Wilhelm-Straße. 15.000 Tonnen Hüttensand werden nach und nach per Lkw angekarrt, mit Radladern in den Tunnel gebracht und dort verdichtet eingebaut. Hüttensand ist ein „unbedenkliches“ (Thyssen-Krupp) Nebenprodukt der Stahlherstellung, das vor allem zur Zementherstellung verwendet wird. Die Tunnelröhre wird bis ungefähr zwei Meter unter der Decke mit Hüttensand gefüllt, der Rest wird mit einem hydraulischen Spezialbindemittel auf Zementbasis aufgefüllt. Die Arbeiten sollen im Frühjahr abgeschlossen sein.

Das nach Bruckhausen zur Kaiser-Wilhelm-Straße gerichtete Ostportal des Matenatunnels, das mit Bauschmuck verziert ist, soll zusammen mit einem kurzen Stück des Tunnels aufbereitet werden. Hier ist später auch eine Info-Tafel zur Geschichte des Tunnels vorgesehen.

Schon 1727 weisen Flurkarten hier einen Weg ins damals noch existierende Dorf Alsum aus. Bis 1911 gab es an der Stelle des Tunnels eine zweispurige Straße, die Bruckhausen mit Alsum und dem dortigen Rheinanleger verband und das Gelände der August-Thyssen-Hütte teilte. Von 1909 bis 1911 bekam diese Straße ein Dach. Bis 1965 verkehrte sogar eine Straßenbahn durch den Tunnel.

Für Thyssen-Krupp, den Besitzer der Röhre, machten die notwendigen Instandhaltungsarbeiten im Tunnel keinen Sinn mehr. 2013 wurde der Matenatunnel gesperrt und als „Ersatz“ ein zwei Kilometer langer Rad- und Wanderweg nahe dem Werkgelände im Duisburger Norden gebaut.

Berühmt wurde der Matenatunnel als Film-Location. Sechsmal wurde hier für Schimanski gedreht; den wohl letzten großen Leinwandauftritt erlebte der Tunnel 2009 in James Bennings Dokumentarfilm „Ruhr“, der damals zur Eröffnung der 33. Duisburger Filmwoche uraufgeführt wurde. Der Film beginnt mit einer achtminütigen unbewegten und ungeschnittenen Kameraeinstellung aus dem Tunnel. In der Zeit fahren drei Pkw, ein Lkw und ein Fahrradfahrer an der Kamera vorbei.

(Niederrhein Verlag GmbH)